25.06.2009 | 00:00:00 | ID: 965 | Ressort: Energie | Erneuerbare Energien

Atomkraft in Schleswig-Holstein bremst Ausbau der erneuerbaren Energien.

Kiel/Berlin (agrar-PR) - Risiken und Atommüllprobleme verschärfen sich.
Aus Protest gegen das Wiederanfahren des Pannenreaktors Krümmel und gegen eine Laufzeitverlängerung für den Alt-Reaktor Brunsbüttel hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute vor dem Sitz der Landesregierung in Kiel eine zwei Meter hohe Atom-Ausstiegsuhr installiert. Auf der Uhr dargestellt sind jene sieben Atomkraftwerke, die entsprechend einer Vereinbarung zwischen Energiekonzernen und Bundesregierung in der laufenden und in der nächsten Legislaturperiode vom Netz genommen werden sollten. Das schleswig-holsteinische AKW Brunsbüttel, die Reaktoren Biblis A und B in Hessen und das AKW Neckarwestheim in Baden-Württemberg sollten ursprünglich bereits 2008 bzw. spätestens 2009 stillgelegt werden. In Bayern ist 2011 das Abschalten von Isar 1 vorgesehen. 2012 sollen in Baden-Württemberg Philippsburg 1 und in Niedersachsen 2012 das AKW Unterweser folgen. Der BUND kritisiert, dass die Energieversorger den zugesagten Atomausstieg durch längere Stillstandszeiten hinauszögern, um nach der Bundestagswahl am 27. September längere Laufzeiten für ihre gewinnbringenden Reaktoren durchzusetzen.

Die Gefahren der Atomkraft symbolisierten die Umweltschützer vor dem Landeshaus in Kiel mit einer Alarmsirene, die von Passanten ausgeschaltet werden konnte. "Schleswig-Holstein wählt die Atomkraft ab!", "AKWs abschalten!" und "Brunsbüttel stilllegen, Jetzt!" war auf Schildern und Transparenten zu lesen.

"Das Wiederanfahren des Pannenreaktors in Krümmel und der Weiterbetrieb des Altmeilers in Brunsbüttel gefährden die Gesundheit der dort lebenden Menschen", sagte Sybille Macht-Baumgarten, Landesvorsitzende des BUND Schleswig-Holstein. "Niemand kann die gehäuft auftretenden Kinderleukämien im Umkreis fast aller Atomanlagen erklären. Allein schon deshalb sind die Ankündigungen von CDU/CSU und FDP, nach einem eventuellen Wahlsieg die Laufzeiten der Atommeiler zu verlängern, vollkommen inakzeptabel." Der schwere Störfall im AKW Brunsbüttel im Jahr 2001 und eine nach wie vor vorhandene lange Liste von Mängeln belege die Unsicherheit der Atomanlage. Auch gegen Flugzeugabstürze sei sie nicht geschützt.

Die Atomenergie bleibe eine Technologie unbeherrschbarer Risiken. Auch die ungeklärte Entsorgung des Strahlenabfalls und die mögliche Weiterverbreitung nuklearer Materialien potenzierten die Gefahren. Hinzu komme, dass die Atomenergie den Ausbau erneuerbarer Energien behindere. "Atommeiler sind unflexible und schwer regelbare Großkraftwerke, die nicht in ein zukunftsfähiges Energiesystem mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien passen", so Thorben Becker, Energieexperte des BUND: "Wenn diese Reaktoren am Netz bleiben, dann bremsen sie den Ausbau der Erneuerbaren."

Die kommende Bundestagswahl sei für die künftige Energie- und Atompolitik in Deutschland entscheidend. Es gehe um die Frage, ob sich der Atomausstieg beschleunigen lasse oder ob es tatsächlich Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke gebe. Becker appellierte an alle Parteien, sich von den fadenscheinigen Argumenten der Atomindustrie nicht beeindrucken zu lassen.

Dahinter stünden die Profitinteressen der Energiekonzerne, für die jedes zusätzliche AKW-Betriebsjahr einen Zusatzgewinn von rund 300 Millionen Euro bedeute.

"Es ist mitnichten ein nationaler Sonderweg, wenn Deutschland am Ausstieg aus der Atomkraft festhält", sagte Becker: "Belgien und Spanien wollen ebenfalls auf Atomstrom verzichten. Ob in Großbritannien oder Polen jemals neue Atomkraftwerke errichtet werden, steht in den Sternen. In Europa baut außer Finnland derzeit nur Frankreich an einem neuen Reaktor und in Bulgarien wird an einem Uraltprojekt aus sozialistischen Zeiten gewerkelt. Von einer Renaissance der Atomenergie zu sprechen ist reines Wunschdenken."

Das sichtbarste Exempel für ein finanzielles und sicherheitstechnisches Desaster liefere der im Bau befindliche finnische Atommeiler bei Olkiliotu. Der Zeitplan liege Jahre hinter der Planung zurück, dem Baukonsortium Areva-Siemens drohten Milliardenverluste. Ein gravierendes Problem der Atomkraft zeige sich auch in Großbritannien. Die Atomkonzerne Électricité de France (EdF) und Eon hätten der britischen Regierung mitgeteilt, sie würden in dem Land kein neues Atomkraftwerk bauen, wenn die Ausbauziele für erneuerbare Energien nicht nach unten korrigiert würden. "Das bestätigt alle, die schon immer gewarnt haben: Die großen Energiekonzerne behindern und bremsen den Ausbau der Erneuerbaren nach Kräften. Der wünschenswerte Zuwachs an regenerativen Energien und die Atomkraftwerke passen einfach nicht zusammen", sagte Becker.
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