06.07.2009 | 00:00:00 | ID: 1116 | Ressort: Ernährung | Wissenschaft & Forschung

Feierliche Übergabe: 11-Millionen-Neubau Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie

Stuttgart (agrar-PR) - Universität Hohenheim nimmt Neubau für Deutschlands größte universitäre Lehr- und Forschungseinrichtung für den Lebensmittelbereich in Betrieb
Donnerstag, 9. Juli 2009, 16:00 Uhr, Garbenstr. 25, 70599 Stuttgart

Es ist die größte universitäre Lehr- und Forschungseinrichtung im Lebensmittelbereich in Deutschland, deren Arbeit mit dieser Übergabe eine ganz neue Qualität erhält. Auf 1.872 Quadratmeter Labor- und Büroflächen wollen das Land Baden-Württemberg und die Universität Hohenheim die internationale Konkurrenzfähigkeit der Universität Hohenheim in einem stetig wachsenden Bereich sichern.

Insgesamt acht Professoren werden derzeit in dem Neubau oder seiner unmittelbaren Nachbarschaft lehren, forschen und den Transfer in die Praxis gewährleisten. Außerdem ergänzt der Neubau die bundesweit einmalige Ausstattung mit insgesamt sieben Technika, in denen die Laborergebnisse auch in einen größeren, mehr praxisrelevanten Maßstab überführt werden können. Dazu gehören zum Beispiel die Technika für die Getreide- und Früchteverarbeitung und ebenso die Pilotanlagen der Forschungs- und Lehrmolkerei sowie Brennerei. Neu hinzugekommen mit dem Neubau ist ein Technikum für die Biotechnologie, in dem beispielsweise die Herstellung und Verwendung von besonderen Enzymen für hochqualitative Lebensmittelsysteme erforscht wird.

Fachlich decken die Professuren dieses großen Instituts alle Lebensmittelgruppen und – noch wichtiger – alle Verfahren und modernsten Analysemethoden ab: Dazu gehören die Lebensmittelmikrobiologie, Lebensmittelverfahrens¬technik, Prozessanalytik und Getreidetechnologie (derzeit vakant), Biotechnologie, Gärungstechnologie, Technologie funktioneller Lebensmittel, Lebensmittel pflanzlicher Herkunft und Lebensmittel tierischer Herkunft. Ergänzt und komplettiert werden diese praxisorientierten Professuren innerhalb der Fakultät durch Professuren der Lebensmittelchemie und den Ernährungswissenschaften.

„In all diesen Bereichen gibt es starke Überlappungen. Wenn wir uns zum Beispiel die Qualitätsan¬forderungen an das Convenience-Produkt Pizza vorstellen, kann jeder aus dem Institut einen Teil dazu beitragen. Gleichzeitig bringt uns die Spezialisierung im jeweiligen Bereich die nötige wissenschaftliche Tiefe“, meint Prof. Dr. Jörg Hinrichs als stellvertretender Direktor des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie.

Auch transdisziplinär sei die Lebensmittelwissenschaft in Hohenheim ideal eingebettet – dank direkter Nachbarschaft zu der Fakultät Agrarwissenschaften als Experten der Rohstoffproduktion und den Ernährungswissenschaften mit ihrem Blick auf die gesundheitlichen Aspekte moderner Ernährung. Darüber hinaus gäbe es viele nationale und internationale Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und der Industrie, so dass die Forschungsprojekte den Bogen von der Lebensmittelerzeugung, der Verarbeitung, der Qualitätssicherung und des Bedarfs bis zur Akzeptanz beim Konsumenten spannen.

In naher Zukunft sieht Prof. Dr. Hinrichs die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Lebensmittelversorgung und damit den Forschungsbedarf wachsen. Dabei gäbe es zwei Arten inhaltlicher Konzepte, die von der Industrie verfolgt und entwickelt werden: „Der Markt separiert sich in Unternehmen, die experimentieren, wie sich Inhaltsstoffe neu kombinieren lassen, um spezifische Kundenbedürfnisse oder regionale Bedürfnisse zu befriedigen. Ein anderer Flügel arbeitet daran, wie man Nahrungsmittel möglichst natürlich belassen kann. In Hohenheim sind wir in beiden Welten gut aufgestellt“, erklärt Prof. Dr. Hinrichs.

Entsprechend seien die Forschungsrichtungen ausgerichtet: Laut Prof. Dr. Hinrichs suchten vor allem große Unternehmen neue Käufergruppen über neue, innovative Produkte. Dazu gehörten zum Beispiel Gesundheitsprodukte zur Fettreduktion oder Produkte mit spezifischen biofunktionellen Eigenschaften. In der westlichen Welt ginge es zudem darum, sich auf die Bedürfnisse der wachsenden Konsumentengruppe älterer Menschen mit entsprechenden Lebensmittelkompositionen einzustellen. Nach wie vor wachsend wäre auch der Convenience-Bereich, d.h. dass fertige Mahlzeiten aus der Kühltruhe oder aus Trockenprodukten rasch und „frisch“ in der eigenen Küche zubereitet werden können.

Ein langfristiger Trend sei das „Clean Labelling“. Gesucht werden zum Beispiel färbende Naturstoffe, mit denen deklarationspflichtige Farbstoffe ersetzt werden können. Durch den europaweiten Verdrängungswettbewerb ergäben sich zudem verfahrenstechnische und prozesstechnische Forschungs- und Entwicklungspotenziale – so sind sichere, kostengünstige und ressourcenschonende Technologien gefragt, die nur interdisziplinär durch Zusammenführen der verschiedenen Forschungsexpertisen zu realisieren sind.

Dieser Rahmen sei in Hohenheim über die Professuren ideal gegeben. Von dieser universitären Forschung profitierten insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg, die auf möglichst naturbelassene, regionale Produkte setzen oder neue Maschinen und Apparate oder Analysetechniken entwickeln. Denn die Ideen und Forschungserkenntnisse, die über Drittmittelforschung (im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Euro) erarbeitet wurden, sind frei zugänglich und fließen auch direkt in die Lehre ein. So bringen Absolventen anschließend innovative Methoden und neue Technologien mit in die Unternehmen hinein.

Mit dem neuen Gebäude ersetzt das Land einen nicht mehr sanierungsfähigen Altbau, der im Herbst 2006 abgerissen werden musste. Die damalige Ausstattung hatte die bislang sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Industrie gefährdet, da die Durchführung moderner Prozesse und empfindlicher Analysen, wegen stark schwankender Raumtemperaturen und baulicher Mängel, nicht möglich gewesen waren.

„Wir sind dem Land deshalb mehr als dankbar, dass es diesen Standortvorteil Baden-Württembergs klar erkannt und zur eigenen Sache machte, indem Finanz- und Wissenschaftsministerium durch gute Zusammenarbeit den Neubau zügig anstießen, um unseren Konkurrenzvorsprung auch für die Zukunft zu halten und auszubauen“, hatte der Rektor der Universität, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig im Vorfeld der Übergabe erklärt. Um den Neubau zu beschleunigen, hatte sich die Universität Hohenheim ausdrücklich an der Finanzierung beteiligt.

In diesem Sommersemester konnten die 80 Studierenden des Bachelor-Studiengangs erstmals in den neuen Räumen des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie ihre Praktika absolvieren. Ab dem kommenden Wintersemester sollen zusätzlich jährlich 48 Master-Studierende in den Studiengängen Lebensmittelwissenschaft und -technologie sowie Enzym-Biotechnologie hinzukommen. Daneben beteiligt sich das Institut an der Ausbildung der Studierenden in Ernährungswissenschaft, Agrarwissenschaften, Biologie und Lebensmittelchemie der Universität.
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