31.05.2013 | 13:40:00 | ID: 15165 | Ressort: Gartenbau | Veranstaltungen

Aufbruch mit Königin Nicole II. ins Blütenreich: Der Ostdeutsche Rosengarten in Forst wird 100

Potsdam (agrar-PR) -

Der Ostdeutsche Rosengarten in Forst wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Zum Jubiläum öffnet vom 14. Juni bis zum 29. September unter der Schirmherrschaft von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck die Deutsche Rosenschau 2013. Die Patenschaft hat die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e. V. übernommen. Damit lebt in der Lausitzstadt nach 75 Jahren die Tradition dieser Präsentation der deutschen Rosenzucht wieder auf. Gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Goldschmidt, Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger und der 24. Forster Rosenkönigin Nicole II. (Nicole Merschink) wirbt Brandenburgs Agrar- und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger für einen Besuch der Schau zum Jubiläum, die unter dem Motto „100 Jahre Rosenträume an der Neiße“ steht.

Vogelsänger
: „Der Ostdeutsche Rosengarten gehört bundesweit zu den bedeutenden Garten- und Parkanlagen. So erhielt er 2009 die Auszeichnung als Deutschlands schönster Park. Ich wünsche den Forstern in diesem Jahr viele neue Besucher. Ende der Zwanzigerjahre beschrieb ein Berliner Rundfunksender den Rosengarten als beliebtesten Ausflugsort vieler Wochenendausflügler – das muss der Maßstab für 2013 sein. Ich hoffe auch, dass möglichst viele Menschen ihren Besuch der Deutschen Rosenschau zum Anlass nehmen, um die deutsch-polnische Region diesseits und jenseits der Neiße insgesamt zu erkunden.“

Für die naturnahe Entwicklung des Schaugeländes der Wehr- und Reisigwehrinsel wurden aus dem Programm INTERREG IVa 2.059.435 Euro zur Verfügung gestellt. Mit den Eigenmitteln der Stadt konnten damit Investitionen in einem Gesamtvolumen von 2.422.865 Euro realisiert werden.

Aus demselben Förderprogramm wurden weiterhin 1.699.830 Euro für die Weiterentwicklung des Ostdeutschen Rosengartens im Rahmen des Europäischen Parkverbunds „Von Graf Brühl bis Fürst Pückler“ bereitgestellt, womit Projekte in einem Umfang von 2.100.131 Euro gesichert werden konnten. Der Ostdeutsche Rosengarten ist seit Gründung des Europäischen Parkverbunds Lausitz am 16. November 2010 aktiver Partner in diesem deutsch-polnischen Projekt, zu dem unterem anderen auch der Park im polnischen Brody gehört.

Zum Jubiläum stellte das Brandenburger Infrastrukturministerium 60.000 Euro aus Lotto-Mitteln für eine neue Kopie des Forster Kaskadenbrunnens bereit. Das heute weitgehend zerstörte Original, das bereits 1913 als Vorlage diente, steht nur wenige Kilometer östlich der Neiße im Schlossgarten von Brody, dem früheren Pförten. Der Brunnen wurde im Auftrag des damaligen Pförtener Schlossbesitzers Friedrich Joseph Graf von Brühl gebaut, zu dessen Besitz auch Forst gehörte. In Forst wurde eine Replik des Kaskadenbrunnen aus Pförten als Leihgabe des Grafen gezeigt. Die Brunnenkopie stand während der Gartenausstellung auf der Wehrinsel. Nach den Beschädigungen hat sich ein rühriger Förderverein zum Jubiläum für die Wiederherstellung des Gartenkunstwerks stark gemacht. „Der Forster Kaskadenbrunnen, der wie schon sein Original im Jahr 1913 das Herzstück des Rosengartens ist, steht auch symbolisch dafür, wie in der Euroregion Spree-Neiße-Bober die gemeinsame Geschichte bewahrt wird“, so Vogelsänger.

Die Staatskanzlei Brandenburg stellte 25.000 Euro aus Lotto-Mitteln für den Löwenbrunnen zur Verfügung.


100 Jahre Blütenherrlichkeit

1912 wurde der Beschluss für die Durchführung einer Rosen- und Gartenbauausstellung (RUGA) in Forst gefasst. Vorsitzender des Ehrenausschusses war der bereits erwähnte Graf Brühl, der auch sieben Hektar Pachtfläche für den Vorpark beisteuerte. Schon ab dem Frühjahr begannen die Arbeiten auf dem Wehrinselgelände mit der Anpflanzung von Kletterrosen. Ebenfalls früh im Jahr, zum 1. April, erfolgte die Berufung von Alfred Boese (1879-1939) aus Cottbus. Er übernahm als nunmehr neuer Forster Stadtgärtner die fachliche Leitung der Ausstellungsplanung und war bis zu seinem Tod für den Rosengarten verantwortlich.

Im 14. Juni 1913 könnte die erste deutsche Rosen- und Gartenbauausstellung (RUGA) anlässlich des 25. Regierungsjubiläums Wilhelm II. auf Initiative des Vereins der Gärtner und Gartenfreunde auf einer Fläche von 16 Hektar und den gepachteten Grafen Brühl eröffnet werden. Das Areal der Ausstellung gliederte sich in zwei wesentliche Abschnitte – die Wehrinsel und das gepachtete Vorgelände. Die viermonatige Ausstellung mit 350.000 Besuchern war ein voller Erfolg.

Vieles von der Rosen- und Gartenbauausstellung von 1913 hat sich über die Jahrzehnte hinweg trotz Not- und Kriegszeiten erhalten. Die meisten Skulpturen gibt es noch, auch wenn heute im Ostdeutschen Rosengarten aus konservatorischen Gründen Nachbildungen stehen. Auch die Pergolenanlagen an den Wasserspielen und auf der Wehrinsel gehen in ihrer Gestalt auf die RUGA zurück. Im Oktober 1913 kaufte die Stadt die Rosenpflanzungen auf und sicherte damit ihren Bestand. Der Verein Deutscher Rosenfreunde stellte das RUGA-Gelände darauf Anfang 1914 unter seinen Ehrenschutz und verlieh ihm den Namen, den die Anlage seitdem trägt - Ostdeutscher Rosengarten.

Während des Ersten Weltkriegs und in den wirtschaftlich schwierigen Jahren der Weimarer Republik wurde es zunächst still um den Ostdeutschen Rosengarten. Das Vorgelände verwandelte sich während des Krieges in Ackerland. Später fand dort eine Baumschule und 1930 schließlich ein Versuchsgarten Platz. Doch schon im Inflationsjahr 1923 und nochmals 1927, zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins der Gärtner und Gartenfreunde, konnten große Schnittrosen- und Neuheitenschauen durchgeführt werden.

Eine neue Blüte erlebte der Garten in den Dreißigerjahren. Nach der Rosenausstellung sowie der Anlage eines Sortiments- und Neuheitengartens 1933 folgte die vielbeachtete Deutsche Rosenschau 1938, die 100.000 Besucher anzog. Wie die RUGA bot auch die Rosenschau ein umfangreiches kulturelles Begleitprogramm mit Konzerten und Freilichttheateraufführungen. Daraus gingen die „Rosengartenfestspiele“ hervor, die von 1939 an bis in die Kriegsjahre hinein stattfanden.

Bei den schweren Kämpfen um Forst in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Rosengarten weitgehend verwüstet. Aufgrund der allgemeinen Notlage wurde das Gelände anfangs als Gemüsegarten genutzt. Unter tatkräftigem Engagement der Bevölkerung gelang es 1953 binnen weniger Monate, die Wehrinselgaststätte für die Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Rosengartens von einer Ruine in ein voll funktionsfähiges Restaurant zu verwandeln. Zur Eröffnung der Rosengartenfestwochen 1953 blühten wieder 20.000 Rosen.

Der Wiederaufbau erfolgte unter Werner Gottschalk (1920-1995), der von 1947 bis zu seinem Ruhestand 1985 die Geschicke des Rosengartens leitete und ihn zu der heute über die Landesgrenzen anerkannten Parkanlage entwickelte. Der wiedergeschaffene Rosengarten war großzügiger gestaltet als die Vorkriegsanlage. Die straffe Fassung der einzelnen Gartenteile und ihre Begrenzungen durch Hecken und Pappeln verschwanden. Seit dieser Zeit konzentrieren sich die Rosenpflanzungen vorrangig auf das Vorgelände, dem eigentlichen Rosengarten (heute: Rosenpark). Als neuer Bestandteil kam 1953 der Heidegarten hinzu. Aus den Fünfzigerjahren stammen außerdem die neugestaltete Schillerbühne, die Ausstellungshalle und der Musikpavillon. Moderne Skulpturen, insbesondere Werke des Bildhauers Jürgen von Woyski (1929-2000) wie die Kranichgruppe und die Reliefwand im Sichtungsgarten, kamen in den folgenden Jahren hinzu. Die zehntägigen Rosengartenfestwochen entwickelten rasch große Anziehungskraft. Häufig in Verbindung mit anderen Festspielen wie den Arbeiterfestspielen abgehalten, erzielten sie in den Sechzigerjahren Besucherzahlen von über 100.000. Feste Programmbestandteile waren in den Achtzigerjahren außerdem „Die Nacht der tausend Lichter“ (heute: Rosengartenfestspiele Ende Juni) und die Abschlussveranstaltung „Ein Rosenstrauß für ...“, in der die Stadt verdienten Bürgern dankte. Seit 1988 wird alljährlich eine Forster Rosenkönigin gewählt.

Nach 1990 begann die Stadt umfangreiche Sanierungsarbeiten. Zum Jubiläumsjahr 1993 erfolgte die Rekonstruktion des Haupteingangs nach den alten Vorlagen von 1913. Die Eingangshäuschen wurden in Anlehnung an die im Krieg zerstörten Originale neu erbaut. Ab 1994 sind nach und nach die alten Brunnen und Skulpturen rekonstruiert worden. Die traditionsreiche Wehrinselgaststätte war allerdings so sanierungsbedürftig geworden, dass eine Erhaltung nicht möglich war. Sie wurde im März 1995 abgetragen. In den vergangenen Jahren erfolgte die Sanierung des Pergolenhofs (heute: Rosenhof) auf der Wehrinsel und des Säulenhofs an den Wasserspielen. Ergebnisses dieses Engagements war 2004 die Verleihung des Titels „Rosenstadt Forst“ durch den Verband Deutscher Rosenzüchter. 2004 konnte auch der Neubau der Brücke über den Wehrgraben als Fußgängerbrücke realisiert werden. Mit der Wiedereingliederung der Reisigwehrinsel in den Rosengarten 2007 umfasst das Parkgelände 17 Hektar. Seit 2008 gibt es mit dem „Rosenflair" wieder ein zentrales Gebäude, in dem eine Gaststätte und standesamtliche Räume Platz haben.


Deutsche Rosenschau

Für das Jubiläum ist Forst gut gerüstet. Mit der Umgestaltung des Ausstellungsgeländes begannen 2011 die Vorbereitungen für die Deutschen Rosenschau 2013.Heute wachsen hier mehrere zehntausend Rosen, die in eine abwechslungsreiche Landschaft eingebettet sind. Neben den Rosarien in Sangerhausen und Dortmund gilt der Ostdeutsche Rosengarten mit seinen über 40.000 Rosenstöcken in mehr als 900 Sorten als eine der umfangreichsten Sammlungen in Deutschland. Das Gelände bietet 13 Themengärten, davon 11 zum Thema Rosen.

Während der Deutschen Rosenschau werden die Neuheiten der letzten Jahre ausgestellt. Allein der Neuheitenteil der Schau umfasst 2,3 Hektar.

Der Ostdeutsche Rosengarten gilt auch als östlichster Rosengarten in Europa. Als Prüfstandort für die Rosenzucht bietet er insbesondere Erkenntnisse darüber, welche Sorten unter welchen Bedingungen überwintern.

Der Reiz und die Einzigartigkeit dieses Parks liegen in der besonderen und einmaligen Kombination von Gartenkunst, Landschaftsarchitektur und botanischer Vielfalt. Diese werden in einem Neuheitenwettbewerb ihre Qualität unter Beweis stellen. Die Neuzüchtung einer Jubiläumsrose ist für den 14. Juni geplant. Auch bewährte historische Rosensorten werden präsentiert. Begleitet wird die Deutsche Rosenschau 2013 von einem anspruchsvollen und vielseitigen Veranstaltungs- und Kongressprogramm.

So organisiert der Verband pro agro in Kooperation mit der Stadt Forst für den 7. und 8. September 2013 einen seiner Erlebnismärkte. Zur Schau wird es dann auch einige Spezialitäten mit Rosenbezug geben, unter anderem ein extra gebrautes Rosenbier mit Königin Nicole II. auf dem Etikett.

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