29.05.2009 | 00:00:00 | ID: 742 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarpolitik

„Banken haben Schwein gehabt und Bauern den Salat“

Friedrichsdorf / Ts. (agrar-PR) - Schleppersternfahrt ins Frankfurter Bankenviertel
„Nie haben wir so wenig mit unseren Produkten verdient, nie haben wir jeden Tag so viel Geld auf unsere Produkte drauflegen müssen“, erklärte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, auf der Kundgebung zwischen den Bankentürmen von Frankfurt am Main. Nie seien Lebensmittel in Deutschland so billig zu kaufen gewesen wie heute. Den Preis jedoch müssten die Bauern zahlen. „Die Bauerndemonstration findet bewusst mitten in Frankfurt statt, weil das Bankenviertel diese Stadt in Deutschland und Europa einzigartig macht“, betonte Schneider. „In den Bankentürmen sei viel Geld verdient und Wirtschaftsleistungen erbracht worden. Aber die derzeitige Krise sei vor allem von den Banken ausgelöst worden. Jetzt seien die Bauern in Deutschland auch in den Strudel dieser Wirtschaftskrise geraten und sie müssen feststellen, dass der Schutzschirm, den die Steuerzahler – also auch die Bauern – anderen zur Rettung ihrer Betriebe geben würden, für die Bauern selbst große schwarze Löcher habe“, betonte Schneider. „Durch diese großen schwarzen Löcher rinnt uns Milchbauern ein immenser Verlust weg, jeden Tag aufs Neue. Durch diese schwarzen Löcher weht unseren Ackerbauern der Erlös von ihrer Krume davon. Durch diese schwarzen Löcher springt der Erlös unserer Tierhalter ins Ungewisse“, so Präsident Schneider.

„Schutzschirme helfen Banken, Autoindustrie, Handel und Handwerkern die weltweite Konjunkturwirtschaftskrise zu überwinden. Doch den Landwirten bleiben statt eines Krisenprogramms nur Löcher bei der Milchgeldabrechnung, bei den Getreide- und Schweinepreisen, bei Obst und Gemüse. Das halten unsere landwirtschaftlichen Betriebe nicht aus!“ Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf der Demonstration. „Bei Banken heißt es Schwein gehabt und die Bauern haben den Salat!“ Die deutschen Landwirte verlören, so Sonnleitner, monatlich 800 Millionen Euro, also zwei Drittel des Einkommens durch die derzeitige weltweite Wirtschaftskrise. Dies gehe an die Wurzel, die Betriebe seien existenziell betroffen. In einer Sternfahrt waren 200 Traktoren aus Hessen und den benachbarten Bundesländern zum Opernplatz gefahren, wo die Kundgebung mit 2.500 Bäuerinnen, Bauern und Landjugendlichen aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, aus Bayern, dem Saarland und aus Niedersachsen stattfand. Die Bauern-Demonstration war die Fortsetzung der Aktionswoche des DBV für ein Krisenpaket Landwirtschaft, die mit einer Großdemonstration in Berlin Anfang der Woche begann. Zeitgleich mit der Frankfurter Kundgebung trugen die Bäuerinnen bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin die Existenzängste und -nöte der Bauernfamilien vor.

Sonnleitner betonte, dass die Bauern von der täglichen harten Arbeit leben wollten. „Unsere Betriebe dürfen aber nicht von der Finanzkrise in den Abgrund gerissen werden.“ Auch die Existenzen der 380.000 landwirtschaftlichen Betriebe und ihrer Familien seien „systemrelevant“. Dies sei der Maßstab für Konjunkturpakete und Schutzschirme bei Banken, Handelshäusern und Industriebetrieben. Der DBV habe mit dem ABC-Krisenprogramm konkrete Hilfen vorgeschlagen: Absatz fördern und Märkte beleben, Belastungen und Kosten senken, Cash und Liquidität in den Betrieben sichern, sei das Gebot der Stunde, forderte Sonnleitner. Mit der angekündigten Senkung des Agrardieselsteuersatzes sei ein wichtiger erster Schritt zur Kostenentlastung aller landwirtschaftlichen Betriebe durch Bundesregierung und große Koalition getan worden. Der Bauernverband gebe sein Ziel, eine volle Gleichstellung mit den europäischen Kollegen jedoch nicht auf. „Vernichtet nicht Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen! Stoppt den Wahnsinn der Preisspirale nach unten – kommt endlich zur Besinnung!“, rief Sonnleitner den Politikern in der EU, bei Bund und Ländern sowie den Verarbeitern wie Molkereien und dem Lebensmittelhandel zu. In dieser Krise müsse jetzt der Gemeinsinn bei allen Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Verbraucherschaft mobilisiert werden. Mit ehrlichen Preisen und höherer Wertschöpfung würden alle gewinnen und Betriebe, Arbeitsplätze und Werte erhalten bleiben.

Der DBV werde mit seinen Landesverbänden die Proteste unter dem Motto „Jetzt reicht’s“ gegenüber Politik, Molkereien und Lebensmittelhandel in den kommenden Wochen weiterführen, kündigte Sonnleitner an.

Der DBV mit seinen Landes- und Kreisbauernverbänden fordert diesen Schutzschirm für die landwirtschaftlichen Betriebe, für die Bauernfamilien mit ihren Kindern, für die Zukunft unserer Gesellschaft. Dieser Schutzschirm müsse uns gegen die nach wie vor bestehenden Ungerechtigkeiten beim Agrardiesel schützen. Dieser Schutzschirm müsse einen vernünftigen und bezahlbaren Wirtschaftsrahmen bieten, erklärte Schneider.
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