20.01.2012 | 12:45:00 | ID: 11952 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarpolitik

NRW-Initiative: Bundesländer fordern von Aigner Konzept gegen zu viel Antibiotika in der Tierhaltung

Düsseldorf (agrar-PR) - Die Bundesländer fordern Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner auf, gemeinsam ein verbindliches nationales Konzept zur Minimierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung zu erstellen.
NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel begrüßt die Einigung bei der Konferenz der zuständigen Ministerien: „NRW und die anderen Bundesländer drängen Frau Aigner zum Handeln. Die Konferenz zeigt: Frau Aigner steht alleine da mit ihrer Meinung, dass die Länder bisher ausreichende Handlungs- und Kontrollinstrumente im Kampf gegen Antibiotikamissbrauch haben." Die Einigung der Bundesländer geht zurück auf eine Initiative von Nordrhein-Westfalen.


Die Kernpunkte für das nationale Konzept:

1. Änderung des Arzneimittelgesetzes und der DIMDI-Verordnung mit dem Ziel der vollständigen Transparenz der Vertriebswege von Tierarzneimitteln bis hin zur einzelnen tierärztlichen Hausapotheke.

2. Entwicklung eines bundeseinheitlichen datenbankgestützten Systems zur Erfassung des Antibiotika-Einsatzes in den Betrieben.

3. Rechtliche Verbindlichkeit der geltenden Leitlinien für den Einsatz von Antibiotika schaffen.

4. Festlegung von Antibiotika, deren Anwendung alleine der Humanmedizin vorbehalten sind.

5. Überprüfung des Dispensierrechts, das Tierärzten das Recht gibt, Arzneimittel an Tierhalter zu verkaufen.

6. Verbindliche Verankerung von Indikatoren (z.B. Therapiehäufigkeit) zur Einschätzung des Antibiotika-Einsatzes.

7. Verpflichtung der Tierhalter, im Rahmen wirksamer Eigenkontrollsysteme, bei hohem Antibiotika-Einsatz eigenverantwortlich mit einem Tierarzt ein Konzept zur Verbesserung der Tiergesundheit zu erstellen und dieses Konzept der zuständigen Kontrollbehörde auf Anforderung vorzulegen.

Minister Remmel fordert von Bundesministerin Aigner eine schnell Umsetzung der Forderungen: „Frau Aigner hat angekündigt, gegen den massiven Einsatz von Antibiotika vorzugehen. Bisher ist es – einmal mehr – bei bloßen Ankündigungen geblieben. Jetzt muss sie die Forderungen, die wir in NRW schon vor Wochen aufgestellt haben, endlich umsetzen." Die zuständigen Ministerien der Bundesländer begründen ihre Forderungen mit dem massiven Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast, den eine NRW-Studie im vergangenen Jahr aufgedeckt hat. (www.antibiotikastudie.nrw.de) Das NRW-Verbraucherministerium hatte im Zeitraum Februar bis Juni 2011 insgesamt 962 Hähnchenzuchtdurchgänge aus 182 Beständen in NRW auf den Einsatz von antimikrobiellen Substanzen untersucht. Insgesamt wurden 96,4 Prozent der Tiere aus den untersuchten NRW-Betrieben mit Antibiotika behandelt, lediglich bei weniger als 4 Prozent der Masthähnchen kam kein Wirkstoff zum Einsatz. Die antibiotikafreie Hähnchenmast ist demnach nur noch die Ausnahme. Remmel: „Jahrelang ist von der Geflügelwirtschaft und der Bundesregierung aus Union und FDP immer wieder versichert worden, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast nur die Ausnahme sei. Jetzt haben wir es schwarz auf weiß:

Antibiotika-Einsatz ist die Regel und gängige Praxis. Das wird sich auch nach Aigners heutigen Ankündigungen leider nicht ändern." (PD)
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