25.05.2009 | 00:00:00 | ID: 673 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarpolitik

Sonnleitner: Unsere Betriebe gehen am Stock

Berlin (agrar-PR) - Großdemonstration für ein Krisenpaket Landwirtschaft
„Die deutschen Landwirte verlieren derzeit 800 Millionen Euro jeden Monat! Hält dies an, erleiden die Betriebe einen Verlust von ¾ ihres Einkommens. Das geht an die Wurzeln, viele Betriebe sind existenziell betroffen!“ Dies sagte Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf der Demonstration am 25. Mai 2009 in Berlin im Rahmen der Aktionswoche des Deutschen Bauernverbandes für ein Krisenpaket Landwirtschaft. Aus allen Regionen Deutschlands sind 6.000 Landwirte und Landwirtinnen in die Bundeshauptstadt gekommen, um sich in der Politik Gehör zu verschaffen. Begleitet wird die Demonstration von über 700 Traktoren. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Bauern voll erwischt. Die Kosten für Düngemittel, Futtermittel, Maschinen, Gebäude und Handwerkerstunden, Steuern und Abgaben steigen immer weiter an. Gleichzeitig fallen die Erzeugerpreise, „die landwirtschaft­lichen Erzeugerpreise sind die Billigheimer der Nation“, wie Sonnleitner im Rahmen der Kund­gebung kritisierte.
 
Sonnleitner bezeichnete das Gebaren von Aldi, Lidl und den Discountern als modernes Raubritter- und Freibeutertum. „Sie nutzen die Krise aus – verschärfen sie noch weiter“, sagte Sonnleitner stellvertretend für die demonstrierenden Bauern. Der Wahnsinn der Preisspirale müsse nach unten endlich gestoppt werden, sonst würden Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen und in der Verarbeitung vernichtet. Auf dem Spiel stünden auch die Qualitätssicherung und die langfristige Verfügbarkeit der lebensnotwendigen Nahrungsmittel. Angesichts der katastropha­len Lage am Milchmarkt rief DBV-Vizepräsident Udo Folgart auch die Molkereien auf, Verant­wortung für den Markt, für Menge und Preis zu tragen. Die Molkereien müssten endlich ihre Strukturprobleme lösen, um in Augenhöhe für die Milchbauern angemessene Milchpreise aushandeln zu können. „Was da derzeit bei den Listungsgesprächen passiert, ist eine Riesen­blamage für die Molkereien“, betonte Folgart.
 
Sonnleitner schlug erneut das große ABC der Landwirtschaft als Krisenhilfe vor. Die Europäi­sche Kommission müsse Exporterstattungen gewähren und Verarbeitungsbeihilfen zahlen, um den Absatz zu fördern und Märkte zu beleben. Belastungen und Kosten könnten nach Einschät­zung Sonnleitners dadurch gesenkt werden, dass „dieser unmöglich hohe und diskriminierende Steuersatz bei Agrardiesel in Deutschland“ endlich abgeschafft wird. Wenn die EU-Betriebs­prämie bereits im Juli ausgezahlt werde, könne zudem Cash und Liquidität in den Betrieben gesichert werden. Bundesregierung, Bundesländer und Landwirtschaftliche Rentenbank müss­ten den Ehrgeiz haben, das Vorziehen der Betriebsprämie sicherzustellen, forderte der DBV-Präsident.
 
DBV-Vizepräsident Werner Hilse rief die Bauern zu Geschlossenheit auf, um die bäuerlichen Interessen in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Derzeit seien alle Bereiche der Agrarmärkte in starke Turbulenzen geraten. „Wenn der Markt versagt, dann müssen bäuerliche Existenzen gesichert werden“, forderte Hilse die Politik auf. Neben einem Krisenprogramm Landwirtschaft sei dringend eine Entschlackung bei den Auflagen und mehr Wertschätzung für den Wert der Lebensmittel erforderlich. Auch Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverban­des, appellierte an Politik und Verbraucher, dass endlich Schluss sei mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ bei Lebensmitteln. Ebenso dürfe die Bevölkerung nicht mehr länger mit Analogkäse hinters Licht geführt werden. „Es darf kein Milchspeiseeis ohne Milch geben, nur um Dumping­preise bei Lebensmitteln aufrechtzuerhalten“, forderte Scherb. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend, Anne Hartmann, forderte, dass Qualität auch entlohnt werden muss. Bislang gelte aber das Motto „billig, billiger, am billigsten. Mit allen Mitteln werden die Preise geduckt“, kritisierte Hartmann. Dieses Preisdumping müsse aufhören. Nur wenn das gelänge, gäbe es für die Junglandwirte eine wirkliche Zukunft. „Wir wollen auch in Zukunft auf unseren Betrieben wirtschaften und das wenn es sein muss 365 Tage im Jahr“, bekundete Hartmann.
 
Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite www.danke-jetzt-reichts.de.
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