15.09.2022 | 11:41:00 | ID: 34078 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarwirtschaft

Agrarchemie und Agrartechnik bringen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gemeinsam voran

Frankfurt (agrar-PR) - Agrarchemie und Agrartechnik gehen in die Nachhaltigkeitsoffensive. „Was heute in der Landwirtschaft zählt, sind intelligent vernetzte Technologie- und Prozesslösungen im Sinne des Klima- und Umweltschutzes. Auf den Punkt gebracht heißt das: Innovationen, nicht Verbotspolitik bringen uns voran“, sagte Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA), im Rahmen einer gemeinsam mit dem VDMA Landtechnik konzipierten Dialogveranstaltung, die Anfang September in Frankfurt stattgefunden hat.
Branchenverbände intensivieren Zusammenarbeit
„Der IVA und der VDMA sind sich einig: Um die Herausforderungen, mit denen die Landwirte heute konfrontiert sind, erfolgreich zu meistern, ist der Schulterschluss aller zentralen Akteure entlang der Wertschöpfungskette notwendig“, sagte Dr. Tobias Ehrhard, Geschäftsführer des VDMA Landtechnik.

Die beiden führenden Branchenverbände intensivieren daher ihre Zusammenarbeit, die Dialogveranstaltung „Agrarchemie meets Agrartechnik“ stellte einen ersten Auftakt dar: „Wir wollen künftig deutlich enger zusammenarbeiten und auch im Dialog mit Politik, Behörden und Ministerien gemeinsam unsere Innovationen und Lösungen für eine digitale, nachhaltige Landwirtschaft von morgen einbringen“, betonten Ehrhard und Gemmer.

Diesen Austausch begrüßt auch die Politik: „Es ist wichtig, dass Veranstaltungen wie diese stattfinden und Vertreter der Agrarchemie und der Agrartechnik kooperieren und gemeinsam nach Lösungen suchen“, sagte Ministerialdirektor Dr. Burkhard Schmied, Leiter der Abteilung Landwirtschaftliche Erzeugung, Gartenbau, Agrarpolitik im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in seinem Impulsvortrag.

Die im Green Deal, dem klimapolitischen Reformkonzept der EU, und in der darin enthaltenen Farm-to-Fork-Strategie formulierten, überaus anspruchsvollen Reduktionsziele für landwirtschaftliche Emissionen sind für die Branche eine große Herausforderung. Dies gilt in besonderer Weise für Düngung und Pflanzenschutz, die im Mittelpunkt des branchenübergreifenden Dialogs standen. „Neben innovativer Technik und guter fachlicher Praxis leben Pflanzenschutz und Pflanzenernährung von Ausbildung und Beratung. Hier müssen wir alle noch besser werden. Wichtig ist, dass es uns zugleich gelingt, das Ertragsniveau zu stärken und die Umwelt zu schonen“, sagte Schmied.

Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz muss stark sinken
Bis zum Jahr 2030 sollen nach den Vorgaben der Farm-to-Fork-Strategie das Risiko und die Menge der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel halbiert werden; dies gilt ebenso für die Reduktion der Nährstoffverluste in der Düngung.

„In technologischer Hinsicht liegen alle Karten längst offen auf dem Tisch. Abdriftarme Düsen, hochpräzise Sensoren zur Bestandserkennung sowie teilflächenspezifische Applikationstechniken gehören schon heute wie selbstverständlich zum Gerätepark innovativer Landwirte. Die Landtechnik macht hier die Pace, ist Vorreiter im buchstäblichen Sinne“, sagte Dr. Ehrhard.

Bürokratische Hürden abbauen, Datensouveränität erhalten
Als Herausforderung sahen die Branchenexperten bürokratische Hürden, die mit einer erweiterten, vollständig elektronischen Dokumentationspflicht für die Anwender einhergehen würden. Aber auch hier bietet die Digitalisierung der Landwirtschaft neue Möglichkeiten, ihren Aufwand zu reduzieren. „Die Sustainable Use Regulation der EU ist im Kern richtig und wichtig, allerdings darf daraus kein unverhältnismäßiger Zusatzaufwand erwachsen, der die Landwirte und Lohnunternehmer von ihrer eigentlichen Arbeit abhält. Wichtig ist, dass dabei die Datensouveränität der Landwirte gewahrt bleibt“, erläuterte Ehrhard.

Alternative zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln
Einen nachhaltigen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln mahnten die Fachleute unisono an. Pflanzen müssen so geschützt werden, dass schädliche Nebenwirkungen für Umwelt, Klima und Biodiversität vermieden werden. Dabei sind digitale Anwendungen und moderne Applikationstechniken ein wesentlicher, wenn auch nicht der einzige Baustein: „Sinnvolle Alternativen zu bestehenden chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln wie Biologicals und Biostimulanzien werden längst in vielfältiger Form erprobt. Klar ist: Wir brauchen einen integrierten Pflanzenschutz, der innovative Applikations¬techniken, effizientes Datenmanagement und zukunftsorientierte Forschung auf intelligente Weise miteinander verbindet und die Landwirte dabei unterstützt, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu reduzieren“, sagte Gemmer.

Nährstoffverluste im Düngeprozess minimieren
Das gilt auch für den Einsatz von Düngemitteln. Ziel ist es, die Pflanze punktgenau und bedarfsgerecht zu ernähren. „Digitale Lösungen, etwa Apps oder satellitengesteuerte Systeme mit KI-basierter Bilderkennung, machen eine dynamische Ermittlung des Düngerbedarfs bereits heute problemlos möglich. Damit lässt sich das optimale Ertragspotential des Ackerschlages ausschöpfen – und dies bei gleichzeitiger Minimierung von Nährstoffverlusten“, erläuterte Gemmer.

Europäische Dateninfrastruktur mit standardisierten Schnittstellen
Gelingen kann die digitale Transformation allerdings nur dann, wenn die für den vernetzten Produktionsprozess erforderlichen Datenkorpora aus öffentlichen Quellen zur Verfügung stehen. „Entscheidend ist, dass wir es schaffen, eine europäische Dateninfrastruktur zu implementieren, die auf standardisierten Schnittstellen beruht und die Datenhoheit aller Beteiligten respektiert“, sagte Dr. Ehrhard.

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IVA
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may.iva@vci.de

Christoph Götz
VDMA Landtechnik
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christoph.goetz@vdma.org

Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) vertritt die Interessen der agrochemischen Industrie in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern der 53 Mitgliedsunternehmen gehören Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Pflanzenzüchtung, Biostimulanzien und Schädlingsbekämpfung. Die vom IVA vertretene Branche steht für innovative Produkte für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft.

Im VDMA-Fachverband Landtechnik sind 180 Hersteller innovativer Landmaschinen, Traktoren und Softwaresysteme organisiert. Mit 125.000 Beschäftigen in Europa, rund 30.000 davon allein in Deutschland, gehört die Landtechnikindustrie zu den führenden Branchen des Maschinen- und Anlagenbaus.

Der VDMA vertritt mehr als 3.400 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen rund vier Millionen Menschen in Europa, davon mehr als eine Million allein in Deutschland. Der Maschinen- und Anlagenbau steht für ein europäisches Umsatzvolumen von rund 800 Milliarden Euro. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe trägt er mit einer Wertschöpfung von rund 270 Milliarden Euro den höchsten Anteil zum europäischen Bruttoinlandsprodukt bei.
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