09.08.2022 | 11:36:00 | ID: 33795 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarwirtschaft

Inflationsraten in den drei EFTA-Staaten Island, Norwegen, Schweiz niedriger als in der Europäischen Union

Wiesbaden (agrar-PR) - Preisniveau für Haushaltsenergie in Island, Norwegen und der Schweiz niedriger als in Deutschland
Hohe Inflationsraten stellen seit einigen Monaten alle europäische Staaten vor große Herausforderungen. Zwischen den einzelnen Staaten gibt es jedoch sowohl bei den Inflationsraten als auch bei den Preisniveaus große Unterschiede. Die EFTA-Staaten Island, Norwegen und die Schweiz sind aktuell weniger von der außergewöhnlich hohen Inflation betroffen. Im Vergleich zur EU und zu Deutschland fallen die aktuellen Preissteigerungen in diesen drei Staaten vergleichsweise moderat aus. Während der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Juni 2022 in der EU bei +9,6 % und in Deutschland bei +8,2 % lag, betrug die Preissteigerung in Norwegen +7,0 %, in Island +5,4 % und in der Schweiz +3,2 %.

Das allgemeine Preisniveau in den drei EFTA-Staaten Island, Norwegen und der Schweiz liegt allerdings deutlich höher als in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) und in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lag das Preisniveau im Mai 2022 in Island 58 %, in der Schweiz 53 % und in Norwegen 31 % höher als in Deutschland – gemessen anhand der Kaufkraftparitäten für die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Die Preisniveaus für Haushaltsenergie hingegen waren im Mai 2022 in diesen drei Staaten deutlich niedriger als in Deutschland. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher war Haushaltsenergie in Island 50 %, in Norwegen 34 % und in der Schweiz 15 % günstiger.

Energiepreise treiben die Inflation in der EU

Ein Haupttreiber der Inflation in den Staaten der EU sind aktuell die Energiepreise. Haushaltsenergie war im Juni 2022 in der EU um 41,8 % und in Deutschland um 39,3 % teurer als im Juni 2021. In Norwegen war Haushaltsenergie um 30,6 % und in der Schweiz um 25,3 % teurer als im Vorjahresmonat, in Island dagegen nur um 6,8 %.

Inwieweit die einzelnen Staaten von den Preissteigerungen der Haushaltsenergie betroffen sind, liegt unter anderem auch an den unterschiedlichen Versorgungsstrukturen. In Norwegen beispielsweise wird in privaten Haushalten kaum Gas zum Heizen genutzt. Die Installation entsprechender Heizungen ist seit 2017 verboten. Dagegen ist der Stromverbrauch in Norwegen vergleichsweise hoch. In Island werden die Haushalte überwiegend mit geothermischer Energie beheizt. Für diese beiden Staaten haben sowohl Gas als auch Heizöl keinen Einfluss auf die Inflationsrate, da sie kaum verwendet und somit nicht berücksichtigt werden. In der Schweiz verteuerte sich Gas (unter anderem inklusive Flüssiggas und Umlagen) auf Verbraucherebene um 43,5 % und damit in etwa so stark wie in Deutschland (+42,9 %) und in der EU insgesamt (+51,4 %).

Auch die Strompreise entwickelten sich sehr unterschiedlich. Sie stiegen in der Schweiz nur um 2,4 % und in Island um 7,1 %, während sie in Deutschland um 22,1 % anzogen. In Norwegen lag die Teuerung von Strom bei +30,5 % und damit in etwa so hoch wie in der EU insgesamt (+29,7 %).

Preissteigerung für Nahrungsmittel in der EFTA geringer als in der EU

Die Preissteigerungen von Nahrungsmitteln liegen in den drei EFTA-Staaten unter dem EU-Durchschnitt. Im EU-Schnitt verteuerten sie sich im Juni 2022 binnen eines Jahres um 11,9 %, in Deutschland um 12,5 %. In Island mussten die privaten Haushalte 7,5 % mehr für Nahrungsmittel ausgeben, in Norwegen 5,6 % und in der Schweiz nur 1,8 %.

Methodische Hinweise:

Die Ergebnisse basieren auf den monatlich fortgerechneten Kaufkraftparitäten und den Harmonisierten Verbraucherpreisindizes der 27 EU-Mitgliedstaaten und der drei EFTA-Staaten Island, Norwegen und der Schweiz. Die EFTA wurde im Jahr 1960 gegründet. Viele der damaligen Gründungsstaaten sind seither der Europäischen Union beigetreten.

Der Begriff Haushaltsenergie umfasst Strom, Gas und andere Brennstoffe (COICOP 045) und damit keine Kraftstoffe.
Pressekontakt
Herr Frank Hennig
Telefon: 0611-753602
E-Mail: presse@destatis.de
Pressemeldung Download: 
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Gustav-Stresemann-Ring 11
65189 Wiesbaden
Deutschland
Telefon:  +49  0611  751
Fax:  +49  0611  724000
E-Mail:  poststelle@destatis.de
Web:  www.destatis.de
>>>  Pressefach


© proplanta 2006-2022. Alle Rechte vorbehalten.