10.03.2009 | 11:57:00 | ID: 177 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarwirtschaft

Minister Peter Hauk MdL: "Die Einsparung von Flächen muss auch weiterhin oberste Priorität haben"

Stuttgart (agrar-PR) - Erfolgsprogramm MELAP wird fortgesetzt
„Das Modellprojekt zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs und Aktivierung innerörtlicher Potentiale (MELAP) hat sich durch seinen Aufbau, seine Förderstruktur und seinem intensiven Praxisbezug zu einem bundesweit beachteten Pilotvorhaben entwickelt. Das Ziel, Maßnahmen gegen den Flächenverbrauch zu finden, ist durch dieses Projekt vorbildlich erreicht worden", sagte der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, am Dienstag (10. März) in Stuttgart.

"Wenn wir den Flächenverbrauch nachhaltig reduzieren wollen, müssen wir dort ansetzen, wo er entsteht. Und dies ist besonders in den ländlich strukturierten Gegenden der Fall. Wir brauchen einen Bewusstseinwandel bei Kommunalpolitikern und Planern, aber auch bei Bürgerinnen und Bürgern im ländlichen Raum mit dem Ziel, verantwortungsbewusster mit Grund und Boden umzugehen", erklärte Hauk.

Neben dem Hauptziel des Flächensparens sollen gleichzeitig die Stärkung der Ortskerne, beispielsweise durch Umnutzung, Baulückenschließung, Wohnumfeldmaßnahmen gegebenenfalls in Verbindung mit der Schaffung von Grundversorgungs- bzw. Gemeinschaftseinrichtungen erfolgen. "Das Wohnen im Ortskern soll für junge Familien, ebenso wie für ältere Menschen interessant und lebenswert sein, MELAP bietet eine Alternative zum Neubaugebiet auf Augenhöhe", so Minister Hauk.

Mit Ende des Jahres 2008 wurde MELAP abgeschlossen. Das Modellprogramm wurde in zwei Stufen umgesetzt. Für die erste Stufe haben Gemeinden Anträge für fast 200 Orte gestellt. Die 41 besten Anträge wurden ausgewählt und im Rahmen vertiefender Konzeptionen in einer ersten Stufe gefördert. Aus diesen vorgelegten Konzeptionen wurden 13 Orte in die Stufe zwei aufgenommen. Diese erhielten für den Zeitraum 2003 bis 2008 Fördermittel zur Umsetzung von modellhaften Projekten zur Innenentwicklung und zur Stärkung der Ortsmitten in Höhe von über 11 Millionen Euro. Für die Weiterführung des Projektes wird es eine landesweite Ausschreibung geben, bei der neue Gemeinden ausgewählt werden.

Das Modellprojekt MELAP wurde vom Gemeindetag, dem Städtetag und dem Landkreistag sowie vom Landesnaturschutzverband, der Arbeitsgemeinschaft der Badisch-Württembergischen Bauernverbände, der Architektenkammer, der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft e.V., der Landesanstalt für Umweltschutz und der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen unterstützt.

Stärkung des Projektes durch ständige Evaluierung und Weiterentwicklung

Im Laufe des Durchführungszeitraumes 2003 bis 2008 sei MELAP evaluiert und strategisch ständig neu ausgerichtet und weiterentwickelt worden, so Hauk. Neue Erkenntnisse wurden aufgegriffen bzw. einer vertieften Betrachtung zugeführt. Im Rahmen eines intensiven und kontinuierlichen Erfahrungsaustausches zwischen Planern, Bürgermeistern, kommunalen Mandatsträgern, Bürgern, Verwaltung, Bewilligungsstellen sowie unter Hinzuziehung von externen Experten aus Forschung, Lehre und Praxis sei darüber hinaus im Laufe der Projektphase ein kompetentes, professionelles, aber auch sehr praxisorientiertes Netzwerk entstanden.

"Die zentralen Erkenntnisse aus MELAP haben zu einer weitreichenden Überarbeitung der Richtlinie des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) und damit zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Förderpolitik des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum geführt", erklärte Minister Hauk. Darüber hinaus setze man in der Förderpolitik auf der Basis der Erkenntnisse von MELAP weitere Initiativen zum Flächensparen um. So werde derzeit im Rahmen des EU-Programms LEADER in drei großen Projekten in den LEADER-Aktionsgebieten Oberschwaben, der SüdWestAlb und dem Südschwarzwald in insgesamt 47 LEADER-Gemeinden mit 84 Ortsteilen Innenentwicklungsprojekte mit erheblichen EU- und Landesmitteln als Leitprojekte gefördert.

Theorien finden in MELAP praktische Umsetzung

MELAP unterscheide sich in wesentlichen Punkten von anderen Modellvorhaben: "Theoretisiert wurde bereits in zahlreichen anderen Studien zur Innenentwicklung. Wir haben in MELAP einen ganz anderen Weg gewählt und gute Beispiele produziert, die Nachahmer finden. Wir möchten zeigen, dass das Leben im Ort sogar weitaus mehr Lebensqualität bieten kann, als Neubausiedlungen. Das 'Prinzip MELAP' hat sich vor diesem Hintergrund überaus bewährt. Strukturen wurden geschaffen, Instrumente entwickelt und über die Jahre ist bis heute ein Modellkonzept gereift, das weiterverfolgt werden sollte", betonte Hauk.

Starke Netzwerke sind Grundvoraussetzung

Ein besonderes Gewicht liege für die Zukunft in der Netzwerkbildung. "Neben den bisherigen Handlungsfeldern wird das neue Modellvorhaben einen Schwerpunkt auf den weiteren Ausbau des bestehenden MELAP-Netzwerkes legen. Ziel ist ein ständig wachsendes ´Netzwerk zum Flächensparen´. Beteiligt werden sollen insbesondere Planer, Bürgermeister, kommunalen Mandatsträger, Verwaltung, Bewilligungsstellen sowie weitere externe Experten aus Forschung, Wissenschaft, Lehre und Praxis", legte Hauk dar. Soweit möglich sollen nach den Vorstellungen der Landesregierung weitere Synergien zu LEADER hergestellt werden. Die Teilnehmer sollten wiederum in ihrem Berufsstand als Multiplikatoren für das Flächensparen besonders im ländlichen Raum fungieren.

Zusatzinformation:

Die folgenden Gemeinden beziehungsweise Ortsteile nahmen am Modellprojekt teil: Die Gemeinde Aitrach (Landkreis Ravensburg) mit dem Ortsteil Mooshausen, die Stadt Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) mit dem Ortsteil Unterbaldingen, die Gemeinde Buchheim (Landkreis Tuttlingen), die Stadt Creglingen (Main-Tauber-Kreis) mit dem Ortsteil Münster, die Gemeinde Großrinderfeld (Main-Tauber-Kreis) mit dem Ortsteil Gerchsheim, die Gemeinde Illmensee (Landkreis Sigmaringen) mit den Ortsteilen Illmensee und Ruschweiler, die Stadt Oberndorf a. N. (Landkreis Rottweil) mit dem Ortsteil Aistaig, die Gemeinde Obernheim (Zollernalbkreis), die Stadt Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis) mit dem Ortsteil Schlierstadt, die Gemeinde Schefflenz (Neckar-Odenwald-Kreis) mit dem Ortsteil Unterschefflenz, die Gemeinde Schöntal (Hohenlohekreis) mit dem Ortsteil Oberkessach, die Gemeinde Schopfloch (Landkreis Freudenstadt) mit den Ortsteilen Ober- und Unteriflingen und die Gemeinde Wüstenrot (Landkreis Heilbronn) mit dem Ortsteil Neuhütten. Alle Modellgemeinden befinden sich im Ländlichen Raum und sind zumeist landwirtschaftlich geprägt.

Das Modellprojekt wurde von der Forschungsgruppe Stadt und Umwelt Ludwigsburg, Universitätsprofessor Günther Schöfl, im Auftrag der 13 Modellgemeinden des Modellprojekts MELAP wissenschaftlich begleitet.

Durch den großen Erfolg im Rahmen der Praxisversuche und vor dem Hintergrund noch offener Fragen wird es eine Neuauflage von MELAP mit neuer Ausrichtung geben. Auch das neue Modellprojekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Deshalb wird in einer ersten Stufe im Frühjahr 2009 die 'Wissenschaftliche Begleitung' ausgeschrieben. In einem zweiten Schritt werden dann in einem landesweiten Wettbewerb die teilnehmenden neuen MELAP-Gemeinden ermittelt.

Weitere Informationen und Publikationen zum Modellprojekt MELAP sind auf den Internetseiten www.mlr.baden-wuerttemberg.de/ - Stichwort MELAP - und unter http://www.melap-bw.de/ eingestellt.

Bilder zu beispielgebenden Modellen der MELAP-Gemeinden können bei der Pressestelle des MLR angefordert werden, pressestelle@mlr.bwl.de
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