21.02.2019 | 10:42:00 | ID: 27087 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarwirtschaft

Paetow: „Die Grenze des rein an Produktivität und Technik orientierten Fortschritts ist erreicht.“

Bonn (agrar-PR) - Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast auf der DLG-Wintertagung
Das Thema „Landwirtschaft am Scheideweg“ der DLG-Wintertagung 2019 zog über 1.100 Landwirte und Landwirtinnen, Fachleute aus Wissenschaft und Beratung nach Hannover. „Ob nun in der Produktionstechnik, in der Ökonomie oder auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung: Wir stehen am Scheideweg“, sagte Hubertus Paetow, Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V.), „und deshalb müssen wir über Ziele und Fortschritt für Branche und Betriebe neu nachdenken, offen und unvoreingenommen, gemeinsam mit Wissenschaft und Branche, wie wir es in der DLG gewohnt sind.“

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast betonte in ihrer Rede vor dem Gesamtausschuss der DLG: „Ich stimme dem Motto der Veranstaltung zu, dass wir am Scheideweg stehen. Das darf aber keine Weggabelung werden, an der wir Betriebe verlieren. Mein Ziel ist es, möglichst viele Landwirte auf dem Weg in die Zukunft mitzunehmen. Deshalb brauchen wir für unsere motivierten Betriebsleiter klare Vorgaben für die Zukunft und keine Wettbewerbsverzerrung. Auch mit der EU-Agrarpolitik stehen wir erneut vor wichtigen Weichenstellungen. Aus unserer niedersächsischen Landessicht geht es uns nicht um ein ‚Weiter so, wie bisher!‘ – wir wollen eine echte Modernisierung der zukünftigen Agrarpolitik.“

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die erstmalig bei der Mitgliederversammlung der DLG zu Gast war, schilderte am Dienstag vor rund 500 DLG-Mitgliedern, wie sie die GAP zukunftsgerichtet aufstellen möchte. „Eine erfolgreiche europäische Agrarpolitik ist die Basis der Europäischen Integration. Sie ist eine der Klammern, die Europa zusammenhält“, sagte sie und forderte eine flexiblere und einfachere Agrarpolitik. Dazu sollte die GAP weiterhin auf Basis der zwei Säulen zukünftig einfacher, aber zugleich in ihrer Zielerreichung konkreter und effektiver werden. Es soll klar überprüfbar sein, ob die Ziele erreicht wurden. Eine Abschaffung der Direktzahlung lehnte sie ab, forderte aber mehr Flexibilität für die Ausgestaltung beider Säulen.

„Ich will mit der neuen GAP sehr viel mehr für das Tierwohl und den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz erreichen. Dies muss für die Landwirte leistbar sein und entsprechend gefördert werden. Denn es sind Leistungen im Sinne der Gesamtgesellschaft, nicht primär im Sinne des Einzelbetriebsergebnisses“, betonte Ministerin Klöckner.

DLG-Präsident Hubertus Paetow wies in seiner Rede im Plenum darauf hin, dass der Fortschritt sich weiter seinen Weg bahnen und in anderer Gestalt daherkommen wird. „Aber er wird weiter der Antrieb der Entwicklung in der Landwirtschaft sein, denn ein Zurück zu Großvaters Bauernhof, das haben inzwischen auch die größten Kritiker einer modernen Landwirtschaft verstanden, löst die Herausforderungen der Zukunft auch nicht.“ Die Grenze des rein an Produktivität und Technik orientierten Fortschritts sei jedoch erreicht, so Paetow. Er forderte die Branche und die Gesellschaft auf, sich zu entscheiden, in welcher Richtung sich der Fortschritt wenden soll, um das „unstrittige Ziel einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft in Deutschland“ zu erreichen.

Für die landwirtschaftlichen Betriebe sieht Paetow ebenfalls die Zeit gekommen, sich zu entscheiden, ob sie diesen Weg mit all seinen Herausforderungen weiter gehen wollen, oder einen anderen Weg einschlagen wollen und zum Beispiel nicht mehr mit dem ausschließlichen Schwerpunkt Landwirtschaft, aber doch aufs Engste mit dem landwirtschaftlichen Leben verbunden sein möchten.

In insgesamt 13 Veranstaltungen wurden Denkanstöße für notwendige Weichenstellungen im Ackerbau, in der Milchvieh- und Schweinehaltung, in der Betriebsführung, Öffentlichkeitsarbeit und Forstwirtschaft gegeben. Fachleute diskutierten unter anderem Themen wie die Erweiterung von Fruchtfolgen aus ackerbaulicher und betriebswirtschaftlicher Sicht, Biosicherheit in der Schweinehaltung, Controlling in der Milchviehhaltung, neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit, Eigentumsschutz bei der Flurbereinigung, sowie den Markt für Fleischalternativen.

Die nächste DLG-Wintertagung findet vom 19. – 20. Februar 2020 in Münster statt.
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