16.09.2009 | 15:00:00 | ID: 3428 | Ressort: Landwirtschaft | Agritechnica

Forsttechnik-Trends

Hannover (agrar-PR) - Dr. Reiner Hofmann, Fachbereich Forsttechnische Informationszentrale, Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF), Groß-Umstadt

Nach dem Boomjahr 2007 mit Rekordumsätzen in der Forst- und Holzwirtschaft und der Forstmaschinenindustrie haben die Folgen der Wirtschaftskrise das gesamte Cluster Forst & Holz im 2. Halbjahr 2008 voll getroffen. Der Rückgang insbesondere in der Baubranche und im Export hat umgehend zu einer sinkenden Nachfrage nach Rundholz geführt – und zwar sowohl seitens der Sägeindustrie, als auch der Holzwerkstoffindustrie. Der Waldbesitz reagierte auf die niedrigeren Holzpreise mit deutlicher Senkung des Holzeinschlages, was in besonderer Weise die Forstlichen Dienstleistungsunternehmen und, als letztes Glied dieser Kette, die Hersteller und Vertreiber von Forsttechnik in eine äußerst schwierige wirtschaftliche Lage gebracht hat.

Auch wenn der Holzmarkt und damit der Einschlag inzwischen wieder anziehen, werden die gravierenden Folgen der Krise insbesondere den Neumaschinenabsatz im Großmaschinenbereich auch noch die nächsten Jahre spürbar belasten. Wesentliche Ursache für diese ungünstige Prognose ist ein extrem hohes Gebrauchtmaschinenangebot durch zahlreiche Zwangsverkäufe zahlungsunfähiger Forstunternehmen bei gleichzeitigem Einbruch des Absatzes nach Osteuropa.
 
Anhaltender Wachstumsbereich mit ungebrochenem Bedarf an neuer Technik bleibt im Gegensatz dazu weiterhin die energetische Verwertung von Holz. Trotz Anfang 2009 kurzzeitig massiv gefallener Rohölpreise, die die Kostenvorteile der nachwachsenden Energieträger vorübergehend reduziert bzw. kompensiert haben, liegen Nachfrage und Preise für Hackschnitzel, Pellets und Scheitholz bei hoher Versorgungssicherheit auf einem stabilen Niveau.
 
Eine Herausforderung stellt aktuell die Neu- und Weiterentwicklung angepasster Maschinen- und Verfahrenstechnik für die Energieholzernte im Wald und in Kurzumtriebsplantagen dar. Hier konkurrieren mittlerweile unterschiedlichste, zum Teil noch in Erprobung befindliche Ansätze, wie beispielsweise zum Biomassevollernter fortentwickelte Forstmulcher. Unübersehbar ist mittlerweile auch das Angebot von fortentwickelten und neuen Energieköpfen sowie Aggregataufsätzen zur Mehrbaumnutzung, die das Einsatzspektrum insbesondere der auslastungskritischen Forwarder und Harvester erweitern.
 
Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen bei der Großtechnik im Forstbereich ganz allgemein, so zeigt sich eine etwas veränderte Zielrichtung der präsentierten Innovationen. Nicht mehr „höher, schneller und weiter“ lautet die Kernbotschaft auf den Messeständen, sondern verbesserte Ressourceneffizienz: Verbesserter Bodenschutz, weniger Abgase, geringerer Verbrauch und verbesserte Ergonomie sind die klar erkennbaren, vorrangigen Entwicklungsziele der Forstmaschinenindustrie. So ist nach der aktuellen Forstmaschinenstatistik des KWF, die alle Neumaschinenverkäufe in Deutschland auswertet, ein deutlicher Trend in die leistungsfähige Mittelklasse festzustellen.
 
Mehr Achsen, straßentaugliche Gummibänder oder Spezialraupenfahrwerke sind nur einige Beispiele, wie die Hersteller auf die durch immer milder werdende Winter und den Bedarf an ganzjährig kontinuierlicher Holzversorgung wachsenden Belastungen der Rückegassen reagieren.
 
Vor dem Hintergrund der aktuellen Auslastungsprobleme von Dienstleistungsunternehmen mit forstlicher Spezialtechnik stoßen breiter einsetzbare Multifunktionsschlepper im Augenblick auf größeres Interesse. Da aufwändige Multifunktionslösungen in der Regel teurer oder aber weniger leistungsfähig als vergleichbare Spezialmaschinen sind, bleibt abzuwarten, ob dieser Trend bei wieder steigendem Rückebedarf fortbesteht.
 
Auch in der Antriebstechnik geht es vorwärts: Als Zwischenstufe zu langfristig erforderlichen neuen Motoren- und Antriebskonzepten – Schlagwort Brennstoffzelle – sind inzwischen erste Maschinen mit Hybridtechnik am Markt.
 
Im Bereich der handgeführten Geräte (z. B. Motorsägen und Freischneider) laufen die Entwicklungen von abgasreduzierten Motoren weiterhin auf Hochtouren. Motoren mit Spülvorlage finden bei nahezu allen Herstellern immer mehr Verbreitung. Einen weiteren großen Schritt zu mehr Bedienkomfort und Betriebssicherheit stellen die neusten Motorsägen mit vollelektronischem Motormanagement dar, die Startprobleme und unrunden Motorlauf künftig vergessen lassen.
Ein wahres Innovationsfeuerwerk brennen zurzeit die Hersteller von persönlicher Schutzausrüstung ab: So werden die Schnittschutzhosen dank elastischer und dünnerer Schnittschutzeinlagen bei gleicher Schutzwirkung immer komfortabler und leichter. Die Signalfarbe Orange mit ihren hohen Leuchtdichtewerten (nach EN471) gewinnt bei Jacken und Hosen an Verbreitung und bietet dem Träger ein deutliches Plus an Sicherheit. Bessere Sichtbarkeit garantieren auch die neuen selbstleuchtenden und rückstrahlenden Schutzhelme. Seit der KWF-Tagung im vergangenen Jahr sind darüber hinaus Helme auf dem Markt, die über einen sog. „Uvicator“ verfügen, eine optische Anzeige, wann der Helmaustausch aufgrund Materialalterung durch UV-Strahlung erforderlich wird. Bei den Sicherheitsschuhen bieten neue Modelle mit Zehenschutzkappen aus Alu- oder Nichtmetall wesentlich mehr Tragekomfort. Sämtliche Entwicklungen im Bereich Schutzausrüstung werden während der Agritechnica 2009 im KWF/DLG Infozentrum Forst & Holz in Halle 26 präsentiert.
 
Die Digitalisierung des kompletten Netzes LKW-befahrbarer Waldwege ist mittlerweile abgeschlossen. Die Einführung von auf dem Navlog-Datensatz aufbauenden, routingfähigen Navigationssystemen in Deutschland steht von mehreren Anbietern unmittelbar bevor und wird zur Reduktion der Holztransportkosten beitragen.
 

 

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