16.09.2009 | 15:00:00 | ID: 3429 | Ressort: Landwirtschaft | Agritechnica

Trends bei der Technik für die Zuckerrübenernte

Hannover (agrar-PR) - Dr. Waldemar Gruber, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bonn

Der Zuckerrübenanbau und die Zuckerindustrie sind für den ländlichen Raum in Deutschland ein erheblicher Wirtschaftszweig. Die Zuckerrübenanbaufläche nahm 2008 mit rund 364.000 ha etwa 3 % der gesamten Ackerfläche ein. Die auf diesen Flächen angebauten und geernteten Rüben wurden in 20 Zuckerfabriken zu Zucker verarbeitet. Sowohl die Rüben anbauenden Landwirte als auch die Zuckerindustrie haben in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Strukturwandel und Anpassungsprozess erfahren. Diese Notwendigkeit resultiert vor allem aus der Veränderung der agrarpolitischen Verhältnisse sowie den tatsächlichen Erlösen und Preisrückgängen bei den Rüben. Aus diesem Grund liegt ein starker Kostendruck auf der Technik für die Ernte, denn im gesamten Anbauverfahren verursacht die Zuckerrübenernte die höchsten Spezialkosten. Derzeit dominieren bei der Rübenernte 6-reihige Bunkerroder. Diese werden sich zukünftig an Ernteverfahren mit geringeren Investitionskosten messen müssen.

Die Forderungen an die Rübenerntetechnik sind niedrige Erntekosten, eine schonende Behandlung der Zuckerrübe, ein geringer Erdanteil an der Rübe sowie möglichst geringe Ernteverluste.
 
Die modernen selbstfahrenden Rübenroder arbeiten mit einer großen funktionalen Sicherheit. Untersuchungen von namhaften Instituten zeigen, dass mit dieser Erntetechnik sowohl die Rübenbruchverluste im Boden als auch die Wurzelbruchverluste in den letzten 25 Jahren halbiert werden konnten. Eine optimal eingestellte Erntemaschine reduziert die unvermeidbaren technischen Gesamtverluste an Rübenmasse auf 5 %.
 
Schwingende Polderschare oder angetriebene Radrodeschare gehören bei den Rübenrodern zur Ausstattung. Neu ist ein Sechsreihiges Rodeaggregat, an dem die Rodewerkzeuge einzeln aufgehängt sind. Dies hat den Vorteil, dass auch bei unebenem Boden (z. B. Reihe an der Pflegespur) das Aggregat sich exakt an die Bodenoberfläche anpassen kann. Mittlerweile sind bei fast allen Herstellern die einzelnen Rodeaggregate von der Fahrerkabine aus per Bildschirm einzusehen und über eine Fernbedienung einzustellen.
 
Die Entblätterung der Zuckerrüben und das Köpfen werden durch Schlegler- oder Häckslerwellen durchgeführt. Modifizierte Häckslerwellen zeigen bei liegendem Blattmaterial eine bessere Saugwirkung. Die anschließend arbeitenden Köpfmesser werden durch Kufen- oder Radtaster geführt. Für die Ernte von Rüben mit trockenen Blattapparaten oder geringer Scheitelhöhe sind rotierende Nachköpfer auf dem Markt. Neuerdings wird diskutiert und erprobt, ob die nur Entblattung der Rüben bessere Ernte und Lagerergebnisse bringt als das Köpfen. Durch das Köpfen erleidet die Rübe eine erhebliche Verletzung. Hieraus können hohe Verluste in Form von Fäulnis oder Veratmung resultieren. Der Verzicht auf das Köpfen bietet zusätzliche Potenziale für weitere Ertragssteigerungen und die Möglichkeit, Lagerverluste zu reduzieren. Bis zur Verbreitung dieses Verfahrens muss allerdings die Technik noch weiter verbessert werden und Fragen des Rübenbewertungssystems sind zu klären.
 
Rübenlogistik
Möglichkeiten der Kostenreduzierung müssen auch beim Laden und dem Abtransport der Zuckerrüben genutzt werden. Die Rübenkampagne wurde in den letzten Jahren weiter ausgedehnt und liegt bei rund 115 Tagen. Das Verladen findet über 24 Stunden statt. Eine Kostenreduzierung ist durch weitere Verbesserung der Organisation von Ernte und Abfuhr zu erzielen. So sollten die Roder, die vor einer Maus arbeiten, von einer Stelle koordiniert werden. Auch die Abstimmung von Rode- und Lieferterminen sowie die Zusammenlegung benachbarter Flächen hilft weiter Kosten einzusparen. Bei der Einsatzplanung  werden Softwareprogramme zur Anlage der Zuckerrübenmiete, der Abfuhrplanung und der Rübenpflege für eine weitere Rationalisierung eingesetzt. Durch Datenvernetzung zwischen allen an der Zuckerrübenernte und Logistik  Beteiligten werden dem Rübenanbauer, dem Fahrer des Roders, der Liefergemeinschaft und dem Mietenpfleger Informationen zur Optimierung der Betriebsabläufe bereitgestellt. 
 
Schlussbetrachtung
Die Entwicklung der Technik für die Zuckerrübenernte und den Zuckerrübentransport ist geprägt von einer umfassenden Nutzung der Elektronik für Regel- und Steuerfunktionen. Es wird hierbei das Ziel verfolgt, die Maschinenführer zu entlasten sowie die Arbeitsqualität weiter zu steigern. Beim Einsatz der Zuckerrübenernter wird darauf geachtet, die hohen Fahrzeuglasten möglichst über Boden schonende Fahrwerke abzustützen. Der Strukturwandel in der Zuckerindustrie wirkt sich deutlich auf die Organisation der Rübenernte und die Logistik der Rübenabfuhr aus. Durch Einsatz modernster Informationstechnologien wird die Ernte exakt geplant, Rübenmieten werden nur an verkehrstechnisch günstigen Standorten angelegt und es wird versucht, Transporteinheiten maximal auszulasten. Dies bedeutet, es wird ein hoher Sachverstand in der Rübenlogistik gefordert, damit zukünftig auch bei sinkenden Erlösen noch Gewinne im Rübenanbau und der Rübenverarbeitung möglich sind.
 

 

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