08.08.2011 | 11:17:00 | ID: 10336 | Ressort: Landwirtschaft | Fischerei

Erste deutsche Ostseefischerei mit MSC-Zertifikat für nachhaltigen Fischfang

Kiel (agrar-PR) - In Kiel erhielt heute (8. August) im Beisein von Schleswig-Holsteins Fischereiministerin Dr. Juliane Rumpf die "Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer GmbH" für ihren Fang auf Dorsch das international anerkannte MSC-Zertifikat für nachhaltige Fischerei.
Ab sofort darf die Erzeugergemeinschaft ihren Dorschfang aus der östlichen Ostsee mit dem blauen MSC-Siegel kennzeichnen. Der dortige Dorschbestand stand vor einigen Jahren noch kurz vor dem Zusammenbruch, hat sich jedoch bemerkenswert gut erholt. "Dorsch ist hierzulande ein beliebter Speisefisch und wird wegen seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung auch als 'Brotfisch' unserer schleswig-holsteinischen Fischereibetriebe an der Ostsee bezeichnet. Dank der Auszeichnung werden Verbraucher erstmals zertifiziert nachhaltig gefangenen Dorsch aus heimischer Fischerei konsumieren können", freute sich Fischereiministerin Rumpf.

Die Fanggründe der 52 Dorschkutter befinden sich in der östlichen Ostsee, wo jährliche wissenschaftliche Bestandsberechnungen seit 2005 eine Versechsfachung der Bestandsstärke zeigten, wie Christopher Zimmermann, stellvertretender Leiter des bundeseigenen Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, bestätigt: "Für die schnelle und sichere Erholung des östlichen Dorschbestandes ist einerseits der stark reduzierte Fischereidruck, andererseits die etwas bessere Nachwuchsproduktion verantwortlich. Dies ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie schnell sich selbst totgesagte Bestände erholen können, wenn man sie nur lässt!"

Die Kutter der Erzeugergemeinschaft verantworten im Jahr 2001 ca. 4.300 Tonnen, was etwa 50 Prozent der gesamten Dorschanlandungen aus der Ostsee entspricht. Für den Fang von Dorsch verwenden die Fischer verschiedene Netze: Bei "Seine Netting" wird der Dorsch mit leichten Netzen umzingelt und in den Netzbeutel getrieben, ohne den Meeresboden zu berühren. Schleppnetze werden durch das offene Wasser oder mit leichten Geschirren über den Meeresboden gezogen. Im oberen Bereich der Netze sind Fluchtfenster eingebaut, die den Jungfischen das Entkommen in die Freiheit ermöglichen. "Wir wollen nur den ausgewachsenen Dorsch fangen", erklärt Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer von Kutterfisch. "In unserer Fischerei fällt kaum ungewollter Beifang an."

"Dorsch ist für die Ostseefischerei von herausragender Bedeutung. Damit dies so bleibt ist eine nachweislich schonende Nutzung der Bestände wichtig und vorrangiges Ziel des Fischereimanagements", erklärt Schmidt weiter. "Wir als Fischer sind uns unserer Verantwortung gegenüber dem Lebensraum Meer bewusst und setzen uns europaweit für einheitliche Vorschriften und strengere Kontrollen ein. Auch arbeiten wir eng mit der Wissenschaft zusammen. Ab Januar 2012 lassen wir im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit dem Johann Heinrich von-Thünen-Institut zwei unserer Dorschkutter mit Videokameras ausstatten. Die so generierten Informationen werden wir dem Wissenschaftsinstitut für Forschungszwecke über Beifang- und Fangstatistiken zur Verfügung stellen".

Angelandet wird der Dorsch unter anderem in den Ostseehäfen Burgstaaken auf Fehmarn und Sassnitz auf Rügen. Der Großteil des Fangs geht anschließend überwiegend als Frischfisch an Kunden in Deutschland und Europa. Das freut auch Marnie Bammert, Leiterin des MSC-Büros für den deutschsprachigen Raum in Berlin: "Wir hoffen, dass der Dorsch bald in vielen Frischfischtheken des Einzel-und Fachhandels mit MSC-Siegel zu finden sein wird. Die Hälfte der deutschen Verbraucher kennt bereits unser blaues Zeichen und wird dieses als nachhaltig zertifiziertes Angebot sicher dankbar annehmen."


Über die Dorschfischerei: Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer GmbH

Kabeljau ist eine der häufigsten kommerziell genutzten marinen Fischarten im Nordatlantik. In der Ostsee und oft auch als Jungtier in anderen Regionen wird er als Dorsch bezeichnet. Für die deutsche Fischwirtschaft ist Dorsch von großer Bedeutung. Er rangiert laut Fischinformationszentrum FIZ.e.V. in der Beliebtheitsskala beim Verbraucher mit an vorderster Stelle. Die Dorschfischerei der Erzeugergemeinschaft der Hochsee- und Kutterfischer ist die zweite deutsche Fischerei die nach MSC-Standard für nachhaltige Fischerei zertifiziert wurde.

Im Jahr 2009 landeten die Ostsee-Anrainerstaaten insgesamt 48.400 Tonnen Dorsch aus der östlichen Ostsee an, wobei der Großteil (drei Viertel der Fangmenge) auf polnische, schwedische und dänische Fischereien zurückgeht, acht Prozent auf deutsche Fischerei. Die 52 MSC-zertifizierten Dorschkutter der Erzeugergemeinschaft verantworten die Hälfte der Dorschanlandungen deutscher Fischer (4.000 Tonnen im Jahr 2010).


Nachhaltigkeitsaspekte Bestandssituation

Die Fanggründe der 52 Dorschkutter befinden sich in der östlichen Ostsee, wo jährliche wissenschaftliche Bestandsberechnungen seit 2005 eine Versechsfachung der Bestandsstärke zeigten. Nach einem starken Rückgang der Biomasse ab Mitte der 1990er Jahre galt der Bestand mehrere Jahre als stark überfischt. Der Rückgang war vor allem durch hohe illegale Fänge sowie eine schwache Nachwuchsproduktion u. a. auch durch unvorteilhafte Umweltbedingungen bedingt. Die Reduzierung des Fischereidrucks, einige etwas bessere Nachwuchsjahrgänge und die Einrichtung eines strikten, langfristigen Bewirtschaftungsplanes haben in den letzten vier Jahren zu einer sehr positiven Bestandsentwicklung geführt. Heute gilt der Bestand wieder als nachhaltig bewirtschaftet.


Umweltauswirkungen

Für den Fang von Dorsch verwenden die Fischer verschiedene Netze: Bei "Seine Netting" wird der Dorsch mit leichten Netzen umzingelt und in den Netzbeutel getrieben, ohne den Meeresboden zu berühren. Bei der Schleppfischerei werden die Netze durch das offene Wasser oder mit leichten Netzen über den Meeresboden gezogen. Im oberen Bereich der Netze sind Fluchtfenster eingebaut die den Jungfischen das Entkommen in die Freiheit ermöglichen. Die Dorschfischerei der  Erzeugergemeinschaft der Nord-und Ostseefischer ist eine sehr selektive Fischerei. Ungewollter Beifang ist minimal.


Managementplan

Das Management für den östlichen Ostseedorschbestand wird durch faire Konsultation und umfassende Beobachtung als robust befunden. Der Internationale Rat für Meeresforschung bestätigte dies im Jahr 2009 und beurteilte den Managementplan als positiv. Fortlaufende Verbesserungen des Managementsystems untermauern das Vertrauen in die langfristige Nachhaltigkeit der Fischerei.


Verbesserungen

Bis zum Jahr 2007 war illegale Dorsch-Fischerei in der Ostsee ein großes Problem. Seit der Einführung des Managementplanes im Jahr 2008 werden die Fänge besser kontrolliert und die illegale Entnahme aus dem Gesamtbestand lag  2009 unter sechs Prozent. Für 2010 gibt es keine Hinweise mehr auf nicht gemeldete Fänge, dennoch sind die Informationen zur illegalen Fischerei noch unsicher. Die Erzeugergemeinschaft wird daher eng mit deutschen Behörden, nationalen Fachinstituten  und ausländischen Fischereibetrieben zusammenarbeiten, um Informationslücken zu den Anlandungen in der gesamten Ostseedorschfischerei zu schließen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut werden ab Januar 2012 zwei Kutter der Erzeugergemeinschaft mit Überwachungskameras ausgestattet. Die Daten werden vom vTI ausgewertet und sollen zusätzlich Aufschluss über Rückwürfe und Fangmengen geben. (PD)
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