27.12.2013 | 12:21:00 | ID: 16742 | Ressort: Landwirtschaft | Fischerei

Karpfen aus der Mark

Potsdam (agrar-PR) - Wer Weihnachten keinen von den schmackhaften und obendrein noch gesunden Dickhäutern aus Brandenburgs Teichen oder Gewässern hatte, der kann oder besser sollte dies mit einem Silvesterkarpfen nachholen.
Ein aus Sicht der Teichwirtschaft durchschnittliches Jahr bescherte dennoch eine überwiegend gute Karpfenernte und damit gut gefüllte Hälterbecken beziehungsweise Teiche. Ähnlich wie im Vorjahr wurde auch 2013 eine Karpfenernte von gut 1.000 Tonnen erreicht. Der Trend beim Absinken der Verlustraten in den einzelnen Aufzuchtstadien ist etwas abgeflacht, was den ohnehin nur leichten Optimismus für die kommenden Jahre bremsen dürfte.

Ein erster Schwung Festtagskarpfen ging zu den Weihnachtsfesttagen über die Theke beziehungsweise aus dem Kescher in Berliner und Brandenburger Küchen. Besonders gefragt sind nach wie vor Tiere von drei bis fünf Pfund. Nun hofft die Fischerzunft noch auf ein gutes Silvesterkarpfengeschäft.

Natürlich werden auch andere Fischarten wie Hecht, Zander und Aal nachgefragt, aber Karpfen ist zu dieser Zeit eben der Klassiker. Der Preis hat nach Angaben des Fischereiverbands mit durchschnittlich sechs Euro je Kilogramm leicht zugelegt, was im Wesentlichen auf die deutlich gestiegenen Energiekosten zurückzuführen ist.

Für wenige ist der Silvesterkarpfen noch eine Selbstverständlichkeit - hauptsächlich in den ländlichen Regionen. Langsam steigt aber die Anzahl derer, die sich auf diese Tradition zurückbesinnen oder aber eine geschmackliche Neuentdeckung suchen.

Ob nun traditionell als Karpfen blau oder gebacken, als frittierte Karpfensticks oder Karpfen ungarisch - die Liste der Zubereitungsvorschläge ließe sich lange fortsetzen. Da ist aus der regionalen oder auch internationalen Küche für fast jeden Geschmack etwas dabei. Übrigens: Einige Fischereibetriebe liefern den Fisch sogar küchenfertig vorbereitet mit Rezeptvorschlag bis an die Haustür.

Die Karpfenteichwirtschaft ist mit der Brandenburger Geschichte und Kultur seit einem halben Jahrtausend fest verbunden. Aus Asien stammend fand diese Wirtschaftsform ihren Weg über das römische Reich nach Europa. Über die Jahrhunderte entwickelte sich der Karpfen als Fleischersatz zum großen Renner in christlichen Fastenzeiten. So ist es auch zu erklären, dass sich viele Teichwirtschaften ganz in der Nähe von alten Klöstern befinden.

Heute bewirtschaften in Brandenburg gut 30 Haupterwerbsbetriebe noch etwas mehr als 4.000 Hektar der einst künstlich angelegten Teichflächen. Einzelne nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu erhaltene Teichflächen mussten in den letzten Jahren aus betriebswirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Dies ist umso bedauerlicher, da Teiche nicht allein nur der ökologisch verträglichen Karpfenproduktion dienen.

Sie sind auch Lebensraum für eine Vielzahl anderer, zum Teil bedrohter  Pflanzen- und Tierarten. Das erklärt auch, warum etwa 80 Prozent der Teichflächen in Schutzgebieten liegen. Der Erlös aus der Direktvermarktung am Jahresende wird für den Teichwirt so auch zum Lohn für seinen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im Land.
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