29.09.2021 | 11:24:00 | ID: 31049 | Ressort: Landwirtschaft | Forstwirtschaft

Baum bekommt Fingerabdruck

Erfurt (agrar-PR) - Mittels Sensorik können Baumstämme markierungsfrei gelabelt werden. Damit wäre jeder Baumstamm zweifelsfrei wiedererkennbar, im Wald, beim Transport oder im Sägewerk
Das Fraunhofer-Institut für physikalische Messtechnik (IPM) kann geerntete Baumstämme mittels Kamerabild identifizieren und zurückverfolgen. Anhand der natürlichen Oberflächen-Mikrostruktur der Schnittfläche kann jederzeit ein Baumstamm, egal ob im Wald, beim Transport oder im Sägewerk, zweifelsfrei identifiziert, sein Eigentümer bestimmt, der Fällungsort ausgelesen oder aber auch der Zeitpunkt der Fällung exakt zurückverfolgt werden. Verzichtbar werden damit die allgegenwärtigen Polter-Farbmarkierungen oder baumweisen Nummerierplättchen, die Waldbesitzende oder Förster derzeit aufbringen. Das berichtet die renommierte Technikwochenzeitung VDI Nachrichten in ihrer jüngsten Ausgabe.

Zusätzliche Sensoren an Holzerntemaschinen helfen
„Die Digitalisierung der forstbetrieblichen Arbeitsschritte bei der Ernte, der Rückung, dem Transport bis zur Weiterverarbeitung in der Holzindustrie nimmt immer weiter zu“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. „ThüringenForst ist beispielsweise mit dem fotooptischen Holzvermessungssystem sScale schon auf gutem Weg. Die jüngste Entwicklung des IPM schließt die Digitalisierungskette um einen weiteren wichtigen Abschnitt“. Heute schon sind die Fällköpfe moderner Holzerntemaschinen mit Sensoren bestückt, die eine Volumenbestimmung des Holzes erlauben. Diese könnten ergänzt werden. Derzeit laufen Praxisversuche in Baden-Württemberg.

Das System soll eine fälschungssichere Zuordnung jedes einzelnen Stammes zu seinem Waldeigentümer ermöglichen, egal ob dieser bei der Waldlagerung oder der Holzlogistik mit anderen Stämmen vermengt wird. Die nichtstaatliche Holzvermarktung, in Thüringen sind in den letzten Jahren allein drei private Holzvermarktungsorganisationen entstanden, würde weiter gefördert – zum Vorteil der rund 180.000 kleinparzellierten Privatwaldbesitzer im Freistaat. Denn mittels Smartphone-App kann der Waldbesitzer künftig seinen Stamm problemlos selbst identifizieren. Eine Abfrage bei einem cloudbasierten Server versorgt ihn umgehend mit den entsprechenden Informationen.

Holzdiebstahl wird weiter eingeschränkt
Der „Fingerabdruck“ eines Baumstammes ermöglicht auch die zweifelsfreie Identifizierung gestohlenen Holzes, zumindest soweit dieses noch nicht weiterverarbeitet wurde. In Kombination mit Nachverfolgungs-Trackern können mit der neuen Technik und einem Smartphone mutmaßlich gestohlene Stämme sofort auf ihre Herkunft und damit rechtmäßigen Eigentümer überprüft werden.

Entwickelt hat das IPM die Technik für die Anwendung in der industriellen Fertigung. Dort lassen sich Präzisionsbauteile anhand von Produktionsmerkmalen identifizieren und zurückverfolgen.

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