31.05.2008 | 20:10:00 | ID: 6432 | Ressort: Landwirtschaft | Markt & Trends

Toujours l'amour - Immer wieder auf die Liebe

Bad Kreuznach (agrar-PR) - 06.08.2010 Sommerzeit - Schorlezeit! Zu den beliebtesten Getränken in Rheinland-Pfalz gehört in der warmen Jahreszeit sowohl auf dem Balkon zu Hause als auch auf der Terrasse des gastronomischen Betriebs zweifellos das Mischgetränk aus Wein und Mineralwasser. Als Schorle darf nach dem deutschen Weingesetz ein weinhaltiges Getränk bezeichnet werden, wenn es durch Vermischen von Wein oder Perlwein mit kohlensäurehaltigem Wasser hergestellt wird. Der Weinanteil im fertigen Getränk muss mindestens 50 Prozent betragen. Bei Verwendung von Wein darf das weinhaltige Getränk auch als Weinschorle bezeichnet werden. Erfrischend ist es, durstlöschend, kalorienarm und aufgrund des niedrigen Alkoholgehalts in Maßen verträglich und bekömmlich.

Die Definition der Bestandteiler ist eindeutig, die Herkunft der Bezeichnung "Schorle" dagegen ganz und gar nicht. Die Erklärungsversuche von Henning Petershagen in der Südwest Presse vom 11.11.2008 sind spannend, aber nicht wirklich unmissverständlich. Unklar bleibt sogar, ob Schorle männlich, weiblich oder sächlich ist, also ob es der, die oder das Schorle heißt. Dass sich Petershagen wegen der Endung -le für das entscheidet ("Es heißt ja auch Viertele"), entlarvt seine Deutungen als Versuch der feindlichen Übernahme eines an Rhein und Mosel genauso beheimateten und beliebten Getränks durch einen Württemberger. Nahe liegt, dass Schorle weiblich ist, wegen des Prickelns und der Anziehungskraft, also die Schorle. Sicher ist, Schorle ist die Abkürzung von Schorlemorle, aber dann ist es auch schon vorbei mit sicher. Was danach kommt, sind Spekulationen, von denen die französische Variante aber eindeutig die charmanteste ist. Danach kommt Schorlemorle vom Trinkspruch der Soldaten Napoleons, die sich gerne und oft mit "Toujours l'amour - Immer wieder auf die Liebe!" zugeprostet haben. So wie die Mainzer aus dem General Riçambeau, der die Fastnacht verbieten wollte, das berühmte "Ritzambo" des Narhallamarsches gemacht haben, könnte ihnen auch "Schorlemorle" eingefallen sein und zu Frühformen der deutsch-französischen Freundschaft beim Wein veranlasst haben.

 

Der größte, der mit der Schorle verbundenen Irrtümer, ist aber nicht diese oder eine andere etymologische Auslegung, sondern die Meinung, Wein sei gleich Wein, Wasser sei gleich Wasser und daher sei Schorle gleich Schorle. Das wäre ein unzulässiger Ausdruck der Geringschätzung gegenüber einem Getränk mit kulturellem Wert und historischer Tradition. Schließlich mischte man schon in der Antike gerne Wein und Wasser. Goethe, der Dichterfürst, reimte dereinst in Jena aus dem Stehgreif gegenüber Studenten, die ihn belächelten, weil er eine Schorle trank:

Wasser alleine macht stumm,
  das zeigen im Wasser die Fische.
Wein alleine macht dumm,
  das zeigen die Studenten bei Tische.
Und da ich keins von beiden will sein,
  trinke ich Wasser vermischt mit Wein.


 

Die Bestandteile einer Schorle, den Wein und das Wasser, mit Bedacht zu wählen, ist demnach angebracht und lohnend. Falsch ist der Gedanke, ein mäßiger oder gar schlechter Wein könne noch für eine Schorle Verwendung finden. No go! Die Kohlensäure des Wassers belebt und betont die Inhaltsstoffe des Weines und lässt so auch wenig angenehme besonders deutlich hervortreten. Deshalb verdienen es gute Gäste, dass man guten Wein und gutes Wasser zur Schorle mischt. Der Wein sollte ein junger, leichter, trocken oder halbtrocken ausgebauter mit niedrigem bis mittlerem Säurewert sein. Die Qualitätsstufen QbA oder Kabinett eignen sich am besten; Spät- und Auslesen sind meist zu vollmundig für den gewünschten leicht-beschwingten Charakter der Schorle. Als Wasser passt ein eher neutrales, weniger mineralreiches mit einem hohen Kohlensäuregehalt von 7 bis 8,5 g/l, damit das unverkennbare Prickeln auch bei einem Mischungsverhältnis von 60:40 pro Wein erhalten bleibt. Die Wahl der Weinart (weiß, rot oder rosé) und der Rebsorte (Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner oder andere) ist reine Geschmacksache. Ganz wichtig zum Schluss: Wein und Wasser zur Schorle gut gekühlt und unmittelbar vor dem Servieren mischen. Eine warme und abgestandene Schorle ist tot, und wer serviert seinen Gästen schon ein totes Getränk?

 

Frieder Zimmermann, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz
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