28.01.2009 | 12:00:00 | ID: 120 | Ressort: Landwirtschaft | Pflanze

Agrarfreihandel und Schweizer Gemüsebau

Wädenswil (agrar-PR) - Welche Chancen und Risiken hätten Schweizer Gemüseproduzentinnen und -produzenten bei einem allfälligen Agrarfreihandel? Diese Frage diskutieren Fachleute aus der Gemüseproduktion, Beratung, Forschung und Verwaltung am Mittwoch, 28. Januar 2009, in der wunderschön zum Kultur- und Begegnungszentrum umgebauten Trotte in Villigen.

Auch wenn der Agrarfreihandel noch nicht beschlossene Sache ist, kommt die Gemüsebranche nicht darum herum, sich mit möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Um Chancen und Risiken sowie den aktuellen Handlungsbedarf aufzuzeigen, hat die Forschungsanstalt Agroscope Changins Wädenswil ACW gemeinsam mit Agridea die Tagung «Trends im Gemüsebau» organisiert. Ein Deutscher Gastredner bezieht aus der Sicht der Europäischen Union Stellung. Für die Schweiz legt ein Vertreter vom Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten VSGP seine Gedanken dar.

Praxisinformationen
Danach ergänzt die Präsentation einer neuen Pflanzenschutzmittel-Datenbank die alljährlichen Pflanzenschutzinformationen der Forschungsanstalt Agroscope Changins- Wädenswil ACW. Zum Abschluss des Vormittags vermitteln Experten den anwesenden Produzenten praxisnahes Wissen rund um die Bewässerung. Am Nachmittag öffnet die Firma «Max Schwarz AG, Jungpflanzen» ihre Tore und lädt die Tagungsteilnehmenden zu einem interessanten Betriebsrundgang ein. Dabei präsentieren Firmen Bewässerungssysteme und zeigen andere Maschinen, Geräte und Bedarfsartikel für den Gemüsebau.


Kontakt/Rückfragen

Robert Baur
Forschungsanstalt Agroscope-Changins-Wädenswil ACW
Postfach, CH-8820 Wädenswil
Tel.: 044 783 63 33
E-Mail: robert.baur@acw.admin.ch

Markus Leumann
AGRIDEA Lindau, 8315 Lindau
Tel.: 052 354 97 76
markus.leumann@agridea.ch

Carole Enz
Mediendienst
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW
Postfach, CH-8820 Wädenswil
Tel.: 044 783 62 72, Mobile: 079 593 89 85
E-Mail: carole.enz@acw.admin.ch
www.medien.info-acw.ch


Interview zum Freihandel mit Heiner Gysi, Stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Jungpflanzen bei der Max Schwarz AG in Villigen

Warum stellen Sie Ihren Betrieb für die Tagung zur Verfügung?
Für unsere Branche ist der überbetriebliche Austausch von grosser Bedeutung. Neben theoretischem Fachwissen, Erfahrungen und Knowhow auf dem eigenen Betrieb bildet die Weiterbildung durch Austausch mit Berufskollegen eine wichtige Basis für die Betriebsleiter. Einen solchen Austausch kann nur erfolgen, wenn Betriebe auch bereit sind, ihre Tore zu öffnen. Die Max Schwarz AG hat seit Jahren die Strategie, Branchenkollegen aus dem In- und Ausland zu empfangen. Oft können wir dann bei einem Gegenbesuch auch profitieren. Wenn man selbst die Türen öffnet, öffnen sich einem andere Türen auch einfacher.

Welche Botschaft möchten sie vermitteln?
Trotz aller Risiken, die uns die Zukunft bringt, möchten wir auch einen gesunden Optimismus ausstrahlen. Ein Gemüseproduzent, der nicht an seine Zukunft glaubt und demotiviert zur Arbeit geht, hat wahrscheinlich auch keine Zukunft. Diese Tagung kann sicher keine Rezepte für die Zukunft vermitteln. Wenn wir uns aber für einen freien Markt wappnen wollen, ist die Information und Weiterbildung zentral. Alleine im stillen Kämmerlein werden sich die Gemüseproduzenten nicht für die Zukunft rüsten können!

Wie sieht es mit dem Absatz von Schweizer Gemüse im Ausland aus?
Einen Export im grossen Stil mit Massenware erachte ich als schwierig. Es sind weder Strukturen noch Potenzial genügend vorhanden. Realistischer sehe ich die Möglichkeiten für Nischenprodukte und Spezialitäten. Aber auch da wird es zuerst viel Aufwand brauchen. Ich vermute, dass Schweizer Gemüse in ausländischen Verkaufsregalen keinen grossen Stellenwert kriegt. Der Mehrwert durch Swissness muss vor allen in der Schweiz und bei den inländischen Konsumenten greifen. Dort liegt auch unser zukünftiger Markt!

Was bedeutet die Einfuhr von EU-Gemüse für den Schweizer Markt?
Konkurrenz und tiefere Preise. Ich bin aber überzeugt, dass mit den Argumenten Qualität, Swissness, lokale Produktion mit kurzen Transportwegen etc. das EUGemüse nicht zum Todesurteil für das Schweizer Gemüse werden muss!

Wäre morgen der Agrarfreihandel Realität, was müsste gegeben sein?
Wenn wir zu EU-Preisen Gemüse produzieren sollen, sollten wir auch die gleichen Rahmenbedingungen haben. Wenn ein europäischer Gemüseproduzent beispielsweise von der EU zinslose Investitionskredite für neue Gewächshäuser kriegt, die Energie subventioniert hat und Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu sehr tiefen Löhnen anstellen darf, ist es nicht verwunderlich, dass sein Kopfsalat oder seine Tomaten billiger sind als jene seines Schweizer Berufskollegen. Ich habe diesen Herbst in Italien Betriebe besucht, die mit Hilfskräften aus Bangladesh oder China arbeiten (auf einem Betrieb waren über hundert Chinesen angestellt, die 11 Monate in Italien bleiben und dann für einen Monat nach Hause gehen). Ich will nicht dafür plädieren, dass wir im Schweizer Gemüsebau zukünftig mit chinesischen Erntehelfern arbeiten sollen. Aber ich verstehe nicht, wieso ein EU Land solche Arbeiter rekrutieren darf, und wir Schweizer als Nicht-EU-Mitglied verpflichtet sind, ausser Praktikanten ausschliesslich Arbeitskräfte aus EU-Ländern zu beschäftigen.


Zur Person
Heiner Gysi
Stellvertretender Geschäftsführer & Bereichsleiter Jungpflanzen
Max Schwarz AG, Villigen

Max Schwarz AG
Die Max Schwarz AG ist seit bald 80 Jahren im Handel mit und Produktion von Nahrungsmitteln tätig. Heute strukturiert sich das Unternehmen in drei Geschäftsbereiche:
Gemüsebau: Eigenproduktion und Handel von Frischgemüse im Freiland und gedeckten Anbau. Hauptprodukte sind Salate, Lauch und Bundzwiebeln.
Jungpflanzen: Produktion und Handel von Gemüsejungpflanzen und Topfkräuter. Bio-Eigenproduktion. Partnerbetriebe in Holland, Deutschland, Marokko und Tunesien.
Primeurs en gros/Perlini Comestibles: Handel und Grossvermarktung von gastronomiegerechten Gemüse- und Früchteprodukten, Fisch, Fleisch, Geflügel, Milchprodukte sowie weiteren Delikatessen.
Pressemeldung Download: 
Bilderserie
Agroscope
Agroscope
Schwarzenburgstr.161
3003 Bern
Schweiz
Telefon:  +41  Direktwahl  siehe
Web:  www.agroscope.ch
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