11.08.2009 | 00:00:00 | ID: 1637 | Ressort: Landwirtschaft | Pflanze

Gen-Charta: Freude und Skepsis

Ilshofen (agrar-PR) - Nabu freut sich über "Etappensieg", Bauernverband warnt vor Verteufelung
Die Verabschiedung der Gentechnik-Charta im Kreistag wird kontrovers diskutiert. Der Nabu sieht darin eine Stärkung der regionalen Anbieter, der Bauernverband jedoch warnt davor, die Gentechnik zu verteufeln.
von KARSTEN DYBA Haller Tagblatt vom 11. August 2009

Landkreis Für den Kreisverband des Naturschutzbundes (Nabu) ist die Verabschiedung der "Charta zum gentechnikfreien Anbau" ein "Etappensieg". Den Gegner der Naturschützer benennt Manfred Mächnich vom Nabu klar: Die "Agro-Gentechnik-Industrie und ihre Verbündeten in Politik und Wirtschaft".

Der Nabu-Kreisverband hatte als Mitglied des "Bündnisses gentechnikfreies Hohenlohe" in Briefen und Gesprächen mit Kreisräten und Behörden die Verabschiedung der Charta unterstützt. "Die Haller Charta stärkt gentechnikfreie Anbieter aus der Region, die durch die Kennzeichnung ohne Gentechnik bei den Verbrauchern punkten können", heißt es in einer Mitteilung.
 
Angesichts häufiger werdender Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen erhofft sich der Nabu eine Sensibilisierung der Bürger durch die Charta. "Der Kreistagsbeschluss hätte in einem solchen Fall eine präventive Wirkung, weil ein gewähltes Gremium den Gentechnikanbau im Landkreis für unerwünscht erklärt hat", sagt Manfred Mächnich. Die Charta sei ein Signal an die Politik, den Willen der Bevölkerung höher zu bewerten als das Profitinteresse der Agrarkonzerne. "Natürlich freut sich der Nabu über diesen Erfolg", so Mächnich. Dass ein Kreistagsbeschluss keine Konsequenzen hat, weil das Thema "Gentechnik" nicht in die Zuständigkeit des Landkreises fällt, sei dem Nabu aber auch bewusst.

In der Kreistagssitzung hat CDU-Kreisrat Helmut Bleher, gleichzeitig Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems, seine Position ausführlich dargelegt. Er warnte davor, die Gentechnik grundsätzlich zu verteufeln und zum Sündenbock zu machen. Grüne Gentechnik sei nicht "von Grund auf gut oder böse", genauso wenig wie dies die Elektrizität oder Kernforschung sei. "Entscheidend ist, welche Folgen eine wirtschaftlich nutzbare Anwendung hat", so Bleher.
 
Der Kreisrat stellte die Frage, was "grüne Gentechnik" eigentlich sei und wo sie anfange. Er argumentierte anhand der im Kreis angebauten Futterpflanze "Triticale", die in den 20er Jahren durch eine Kreuzung von Weizen und Roggen entstand. Dafür wurde die Natur mit einem Alkaloid überlistet und eine eigentlich unmögliche Kreuzung erreicht.
 
"Ist das schon Gentechnik?" fragte Bleher. Man könne nicht ausschließen, dass die Forschung Arten entwickelt, die tatsächlich unbedenklich sind und womöglich Vorteile bringen. Bleher sieht in der Biotechnologie den "Zukunftsmarkt schlechthin", trat aber auch dafür ein, "strengste Anforderungen zu stellen". Wünschenswert aus Sicht der Bauern seien Pflanzen, die eine Kältetoleranz haben oder Weizensorten, die gegen Pilzbefall resistent sind. Der Bauernverband sieht sich nicht per se als Befürworter der Gentechnik: "Wir begrüßen es außerordentlich, dass die Produktion von gekennzeichneten gentechnikfreien Lebensmitteln als Marken- und Qualitätsprogramm in Hohenlohe gefördert wird", so Bleher.

Gegen die Gentechnik protestiert dagegen die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Hall offensiv und innerhalb eines Bündnisses von sieben Verbänden: Das "Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe" organisiert am
13. September eine Anti-Gentechnik-Veranstaltung unter dem Motto "Vielfalt ernährt die Welt" auf dem Ulmer Münsterplatz. Die Veranstaltung ist eine Fortsetzung der Idee des Festivals "Rock for Nature" im vergangenen Jahr, das Thema "Gentechnik" auf andere Art in die Öffentlichkeit zu tragen
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