28.11.2022 | 17:15:00 | ID: 34740 | Ressort: Landwirtschaft | Veranstaltungen

UFOP-Symposium LOCAL HEROES: Heimische Hülsenfrüchte in der Humanernährung mit vielen Chancen

Berlin (agrar-PR) - Vorträge der Veranstaltung unter www.ufop.de jetzt verfügbar
Heimische Körnerleguminosen sind echte LOCAL HEROES und standen im Mittelpunkt des ersten Pflanzenprotein Symposiums des Branchenverbandes Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP). Die Veranstaltung wurde am 23. November in Kooperation mit dem Netzwerk LeguNet der Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Berlin durchgeführt. Expertinnen und Experten beleuchteten die Situation und Perspektive heimischer Eiweißpflanzen von der Züchtung über den Anbau und die Vermarktung bis hin zur Anwendung in der Humanernährung. Die Staatssekretärin im BMEL, Silvia Bender, betonte die wachsende Bedeutung pflanzenbasierter Lebensmittel für die Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft gemäß den Zielen des European Green Deal. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten das Programm vor Ort und im Stream.

Staatsekretärin Silvia Bender unterstrich in ihrem Grußwort den politischen Willen, sich stärker als in der Vergangenheit für die heimischen Hülsenfrüchte zu engagieren. Untermauert wird diese Absichtserklärung durch die Aufstockung der Mittel für die Eiweißpflanzenstrategie des BMEL um weitere drei Millionen Euro im Jahr 2023.

Eine Verstetigung dieses Etats auch für die nächsten Jahre ist aus Sicht der UFOP – so Geschäftsführer Stephan Arens in seinem Eröffnungsstatement – nicht nur wünschenswert, sondern erforderlich zur Erreichung der angestrebten Ziele. Die UFOP hatte im Jahr 2019 die sogenannte „10+10-Strategie“ auf den Weg gebracht. Bis 2030 sollen Raps und Sonnenblumen sowie die Hülsenfrüchte Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Soja gemeinsam mit den Futterleguminosen einen Anteil von jeweils 10 Prozent an der deutschen Ackerfläche erreichen. Dies entspricht jeweils etwa 1,2 Millionen Hektar. Bislang konnte die Anbaufläche der Hülsenfrüchte seit 2015 bereits nahezu verdreifacht werden und der gesamte Leguminosenanbau beläuft sich aktuell auf rund 5 Prozent.

Dr. Olaf Sass, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg-Lembke KG in Hohenlieth, Markus Heinz, Landwirtschaftliche Lehranstalt Triesdorf, und Dr. Volker Hahn, Saatzuchtanstalt der Universität Hohenheim, gaben in ihren Vorträgen einen guten Einblick in die Herausforderungen der Züchtung von Ackerbohnen, Körnererbsen, Süßlupinen und Sojabohnen. Gemeinsame Zuchtziele sind ein hoher und stabiler Ertrag, ein hoher Proteingehalt, eine geringe Krankheitsanfälligkeit und möglichst geringe Gehalte an antinutritiven Inhaltsstoffen. Obwohl nur eine überschaubare Anzahl an Züchtungsunternehmen in dem Bereich aktiv ist, konnten die Vortragenden doch für alle Hülsenfrüchte von einem messbaren Zuchtfortschritt berichten.

Brigitte Köhler vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen machte in ihrem treffend betitelten Vortrag „Local Heroes Go Everywhere“ die Herausforderung deutlich, den Anbau von Hülsenfrüchten in der landwirtschaftlichen Praxis künftig als ebenso selbstverständlich zu etablieren wie es heute die Kultivierung von Weizen, Raps und Mais sind.

Einen Weg, diese Entwicklung zu begleiten und zu forcieren, stellen die Demonstrationsnetzwerke der BMEL-Eiweißpflanzenstrategie dar. Hier ist mit LeguNet Anfang 2022 ein neues Netzwerk für alle Hülsenfruchtarten gestartet: nicht nur, aber insbesondere auch zum Einsatz der wichtigen Eiweißträger in der Humanernährung. Petra Zerhusen-Blecher gab einen Einblick in den LeguNet-Verbund und insbesondere die Arbeiten an der Fachhochschule Südwestfalen mit dem Schwerpunkt Humanernährung.

Für einen erfolgreichen und breiten Einsatz heimischer Körnerleguminosen ist ein Angebot maßgeschneiderter Produkte für unterschiedlichste Anwendungsbereiche unabdingbar. Von den ganzen Samen über Schrote und Mehle bis hin zu Proteinkonzentraten und -isolaten müssen Verfahren gefunden werden. Sharline Nikolay vom Max Rubner-Institut in Detmold zeigte anschaulich die Chancen, aber auch die Herausforderungen, vor denen sich die Lebensmitteltechnologen gestellt sehen. Möglich sind verschiedene Verarbeitungstiefen vom unzerkleinerten Korn bis hin zum Proteinisolat mit über 90 Prozent Reinheit. Die Einsatzgebiete der so entstehenden Rohwarequalitäten sind sehr breit. Hinzu kommen technofunktionelle Eigenschaften, die für verarbeitete Lebensmittel von besonderer Bedeutung sind. Dr. Stephanie Mittermaier vom IVV Freising stellte ein erfolgreiches Beispiel für die Transformation eines Forschungsvorhabens in die Markteinführung von Lebensmitteln auf Basis von Blauen Süßlupinen vor.
André Heilemann von der Emsland Group zeigte auf, wie die Gewinnung und Vermarktung von Erbsenprotein sowie der Beiprodukte bereits in großem Umfang erfolgreich praktiziert werden kann.

Friedrich Büse von der endori Food GmbH & Co. KG kann mit Fug und Recht als ein Pionier im Segment des Plant-based Food bezeichnet werden. Er machte deutlich, wie wichtig ein umfassender Ansatz bei der Entwicklung von Produkten ist. Ziel muss es sein, alle Komponenten der genutzten Rohstoffe sinnvoll einzusetzen und Wege für eine nachhaltige Nutzung der Nebenprodukte von Beginn an mit zu entwickeln. So werden beispielsweise die Fasern der verarbeiteten Erbsen in den endori-Produktverpackungen eingesetzt. Auch die purvegan GmbH hat bereits Jahre vor dem Veggie-Boom auf pflanzenbasierte Produkte gesetzt hat. Karl Selg-Mann erläuterte als besonderen Ansatz des Unternehmens die Verwendung des vollen Lupinenkorns mit allen darin enthaltenen Ballast- und Inhaltsstoffen. Beispielgebend ist der Rohstoffbezug aus dem Bio-Anbau innerhalb der eigenen Region. Mit dem frühen Einstieg in Entwicklung und Produktion veganer Produkte auf der Basis von Hülsenfrüchten waren für beide Unternehmen harte Aufbauarbeit und eine tiefe Überzeugung, die über rein wirtschaftliches Denken hinaus ging, verbunden. Sie können sicherlich als Leuchttürme bezeichnet werden, die mit ihren Erfolgen ausstrahlen in die Szene zahlreicher junger Unternehmen, die mit neuen Ideen in den Markt streben.

Mit Cecilia Antoni von Bohnikat, Annar Birke von Vly Foods, Robin Drummond von Happy Ocean Foods und Emilie Wegner von Hülsenreich waren gleich vier Start-Ups im UFOP-Symposium vertreten. So groß auch die Bandbreite der vorgestellten Produkte ist, so spricht doch aus jedem das Ansinnen, mit neuen Konzepten die Ernährung zu bereichern und nachhaltige Alternativen zu klassischen Produkten anzubieten. Alle vier Firmengründerinnen und -gründer hoben die Bedeutung der Qualität als wichtigstes Kriterium für den Einkauf der Rohstoffe hervor. An dieser Stelle schloss sich dann der Kreis der Referierenden, denn diese letzten Attribute gehören in großen Teilen in das Aufgabenfeld der Züchtung, des Anbaus sowie der Lebensmitteltechnologie.

Die Vorträge und Diskussionen haben gezeigt, dass noch längst nicht alle der in Deutschland zu Lebensmitteln verarbeiteten Hülsenfrüchte von heimischen Äckern stammen. Dennoch haben heimische Hülsenfrüchte gegenüber Importen ganz klar die Nase vorn, denn sie punkten mit regionaler Verfügbarkeit sowie kurzen Transportwegen und wirken sich als Bestandteil vielfältiger Fruchtfolgen zudem positiv auf Bodengesundheit und Biodiversität im Ackerbau aus.

Bestreben der UFOP ist es, die Regionalität, die Fruchtfolgevielfalt und damit deren Beitrag zum Klimaschutz im Regal auch sichtbar zu machen: ganz im Sinne der Strategie Farm to Fork – vom Acker auf den Teller – der Europäischen Kommission. Nur wenn Lieferketten transparent und nachhaltig gestaltet sind, können sie von den Verbraucherinnen und Verbrauchern auch entsprechend honoriert werden. Daher bietet die immer größer werdende Vielfalt an Lebensmitteln aus Hülsenfrüchten im Lebensmittelhandel und der Gastronomie Chancen für die heimische Landwirtschaft, die es zu nutzen gilt.

Die Vorträge des UFOP-Symposiums stehen unter www.ufop.de/localheroes zur Verfügung.

Pressekontakt:
Dr. Manuela Specht
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP)
Claire-Waldoff-Str. 7
10117 Berlin

Tel.: +49 30 235 9799 30
Fax: +49 30 235 9799 99
m.specht@ufop.de
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