06.08.2015 | 14:40:00 | ID: 20830 | Ressort: Landwirtschaft | Weinbau

Wein-Jahrgang 2015: Wann wird geerntet?

Pully (agrar-PR) - Nach einem bereits warmen Frühling stand der Juli 2015 im Zeichen einer außerordentlichen Hitzeperiode. Deshalb setzte in den meisten Schweizer Rebbergen bereits im Juli die Reifung der Trauben ein.
Diese Entwicklungsphase beginnt in unseren Breitengraden normalerweise im August. Ist diese Situation aber wirklich aussergewöhnlich? Anhaltspunkte dazu liefern die systematischen Aufzeichnungen der wichtigsten Entwicklungsstadien der Rebsorte Chasselas für das Bassin Lémanique seit 1925 durch das Weinbau-Forschungszentrum von Agroscope in Pully.

Die Weinrebe als Klima-Indikator

Die Rebe gehört zweifellos zu den in unseren Regionen angebauten Kulturen, die in der Vegetationsperiode am empfindlichsten auf Klimaschwankungen reagieren. Ihr wärmeliebender Charakter macht sie besonders interessant für Klima-Historiker und bei Analysen zu den Auswirkungen der aktuellen Klima-Erwärmung. Mehrere in Frankreich und Deutschland durchgeführte Studien zeigen, dass die meisten Entwicklungsstadien der Rebe heute durchschnittlich zwei Wochen früher stattfinden als in den 1960er- und 1970er-Jahren, die besonders kühl waren.

Die systematische Beobachtungsreihe des Weinbau-Forschungszentrums von Agroscope in Pully ist in der Schweiz aufgrund ihrer Dauer (91 Jahre) einzigartig und bietet die Möglichkeit, die Reaktion der Reben auf die Klima-Schwankungen seit fast einem Jahrhundert zu verfolgen. Die wichtigsten Entwicklungsstadien der Rebe sind der Austrieb, der im Zeitraum 1925-2015 durchschnittlich am 13. April erfolgte, der Blühbeginn (15. Juni), das Ende der Blüte (29. Juni) und der Beginn der Traubenreife resp. der Farbumschlag (13. August). Auch der Zeitpunkt der Weinlese (8. Oktober) wurde bestimmt, ebenso der Zuckergehalt der Trauben am 20. September.

Übliche Frühphase und plötzliche Beschleunigung

2015 erfolgte nach einem mehr oder weniger klassischen Winter der Austrieb bei der Chasselas-Rebe am 17. April und damit etwas später als im langjährigen Durchschnitt. Der warme Monat Juni hingegen beschleunigte die Entwicklung dieser Rebensorte, die zwischen dem 6. und 12. Juni blühte, d.h. zehn bis fünfzehn Tage früher als im Durchschnitt. Zu einem Rekordjahr avancierte der Jahrgang 2015 aber erst durch die aussergewöhnliche Hitzeperiode im Juli.

Der Beginn der Reife war für Chasselas in Pully am 28. Juli zu beobachten, gut zwei Wochen früher als im Durchschnitt. Damit liegt das Jahr 2015 auf dem 5. Rang der Jahre mit dem frühesten Reifezeitpunkt - nach 2011 (22. Juli), 2003 (23. Juli), 1952 (24. Juli) und 1945 (25. Juli) - und gleichauf mit 1976 und 2009. Seit 1925 fiel der Reifebeginn nebst den erwähnten Jahren auch noch 1943, 1947, 1953, 1959, 1989 und 2007 in den Juli, womit sich das Jahr 2015 in bester Gesellschaft befindet.

Wann wird geerntet?

Die Zeitspanne zwischen dem Reifebeginn der Trauben und der Ernte variiert relativ stark, manchmal aufgrund von Parametern, die teilweise unabhängig von der Entwicklung der Pflanzen sind (Hagel, Fäulnisbefall mit einer vorzeitigen Weinlese, verkürzte Reifung durch das Ende der Vegetationsperiode in sehr späten Jahrgängen usw.). Von 1925 bis 2015 lagen durchschnittlich 56 Tage zwischen Reifebeginn und Ernte, mit Extremwerten von 36 Tagen (1926) und 77 Tagen (1953).

Für die zwölf Jahre mit sehr frühem Reifebeginn (im Juli) beträgt dieser Wert 61 Tage, d.h. ziemlich genau zwei Monate. Das bedeutet für 2015: Die Ernte der Chasselas-Reben in Pully ist für Ende September zu erwarten. Falls die Bedingungen im August und September günstig bleiben, darf mit einer sehr guten Traubenqualität gerechnet werden, denn während der Zuckergehalt der Trauben am 20. September im langjährigen Durchschnitt bei 160g/l lag, betrug er in den zwölf frühreifsten Jahren 185g/l. (agroscope)
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