01.09.2009 | 00:00:00 | ID: 1941 | Ressort: Landwirtschaft | Wissenschaft & Forschung

84 Jahre Beobachtung der Reben-Entwicklung

Wädenswil (agrar-PR) - Die Hauptstadien in der Entwicklung der Rebsorte Chasselas werden seit 1925 im Forschungszentrum Pully der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW beobachtet. So kann der Einfluss der Klimaveränderung, insbesondere der aktuellen Erwärmung, auf Weinreben unter den Klimabedingungen des Bassin Lémanique beurteilt werden. Schon in der Vergangenheit wurden weltweit ähnlich günstige Bedingungen wie in den letzten paar Jahren beobachtet. Doch der zyklische Charakter des Klimas, der den aktuellen Trend zur Klimaerwärmung überlagert, mahnt zur Vorsicht bezüglich einer zu schnellen Änderung des Rebsortenbestandes, insbesondere bei Sorten, die besondere Ansprüche an den
Wärmegrad stellen.


Unter den angebauten Pflanzen unserer Regionen gehört die Weinrebe sicherlich zu den auf Klimaschwankungen am empfindlichsten reagierenden Arten. Sie verlangt nach viel Wärme und entwickelt sich erst bei Temperaturen über 10°C. Die Klimabedingungen, die ab Ende des Winters und während des Vegetationszyklus vorherrschen, haben einen entscheidenden Einfluss auf die Reben-Entwicklung.
Die Beobachtung des Wachstums und bestimmte Bezugspunkte, wie z.B. das Weinlese-Datum, werden in zahlreichen Weinbauregionen seit langer Zeit festgehalten. Der thermophile Charakter der Weinrebe macht diese Pflanze für einen Klimahistoriker besonders interessant.

84 Jahre der Beobachtung

Seit 1925 werden bei der Rebsorte Chasselas die Hauptstadien der Entwicklung der Rebe und das Ausdünnen während der Lese im Forschungszentrum Pully der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW systematisch vermerkt. Es handelt sich hier um eine der längsten Beobachtungsserien bezüglich der Phänologie der Weinrebe in der Schweiz. Die Analyse dieser Informationen hebt den zyklischen Charakter des phänologischen Verhaltens der Weinrebe deutlich hervor.

Der Zeitraum 1925-1939
Diese fünfzehn Jahre zeichnen sich durch eine verspätete Blüte und einen verspäteten Reifebeginn aus.
Der Chasselas begann im Durchschnitt am 22. Juni zu blühen, und die Reife begann nicht vor den allerletzten Tagen des Augusts (28. August).

Der Zeitraum 1940-1953
Zu Beginn der Vierzigerjahre vollzog sich eine radikale Änderung, die sich bis zu Beginn der Fünfzigerjahre fortsetzte. Die Blüte und Reife erfolgten im Allgemeinen sehr frühzeitig. Das durchschnittliche Datum des Beginns der Blüte war der 5. Juni, das des Beginns der Reife der 6. August.

Der Zeitraum 1954-1984
Auch dieser Zeitraum zeichnet sich durch zu späte Blüte- und Reifedaten aus. Das durchschnittliche Datum der Blüte lag um den 18. Juni und das der Reife um den 16. August.

Der Zeitraum 1985-2008
Dieser letzte Zeitraum zeichnet sich durch die derzeitige Klimaerwärmung aus. Es ist klar ersichtlich, dass der Beginn von Blüte und Reife immer frühzeitiger erfolgt. Der Beginn der Blüte trat im Mittel am 13. Juni ein und der Beginn der Reife am 7. August. Die während des Zeitraums 1940-1953 aufgezeichnete frühzeitige Blüte wird jedoch noch lange nicht erreicht; andererseits sind die Daten der Reife praktisch identisch. Die Zahl der Tage zwischen dem Beginn der Blüte und der Reife hat sich reduziert und ging von 67 Tagen (1925-1939) auf 54 Tage im Zeitraum 1985-2008 zurück. Diese Reduzierung ist hauptsächlich auf die deutliche Erwärmung in den Sommermonaten zurückzuführen.

Welche Lehren ziehen wir daraus für die Zukunft?

Aufgrund der Frühzeitigkeit der beiden letzten Jahrzehnte, die von einer deutlichen Klimaerwärmung gekennzeichnet waren, dürfen wir die starken Klimaschwankungen in unseren Regionen und den zyklischen Charakter der Aufeinanderfolge von wärmeren oder kühleren Abschnitten, der den Trend der Klimaentwicklung überlagert, nicht aus dem Blick verlieren. Zeiträume, die ebenso günstig für die Weinrebe waren wie die in den letzten Jahren aufgezeichneten, gab es bereits in der Vergangenheit; diesen gingen weniger milde Abschnitte voran bzw. solche folgten ihnen. Vorsicht ist dennoch geboten, vor allem bei Änderungen im Rebsortenbestand und insbesondere bei hinsichtlich der thermischen Bedingungen anspruchsvollen Rebsorten.
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