27.11.2012 | 09:30:00 | ID: 14009 | Ressort: Landwirtschaft | Wissenschaft & Forschung

Neuer Schädling - zwangsläufig schädlich?

Cadenazzo (agrar-PR) - Bei der Rebenminiermotte Phyllocnistis vitigenella handelt es sich um einen neuen, exotischen Schädling aus den Tessiner Rebbergen, der sich in der Region stark ausbreitet.
Seine deutlich erkennbaren Schäden beunruhigen die Weinbauern, und sie befassen sich daher mit der Frage seiner potenziellen Schädlichkeit. 2011 untersuchte Agroscope in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule von Changins im Rahmen einer Bachelorarbeit die Schädlichkeit dieser Motte. Grundlage bildete die Rebsorte Merlot aus einem stark befallenen Rebberg. Dank des Ergebnisses kann der nötige Grundstein für die Entwicklung einer Bekämpfungsstrategie gelegt werden.


Das Tessin, ein eingenommenes Gebiet

P. vitigenella ist ein Kleinfalter aus Nordamerika, der zum ersten Mal 1994 in Europa, genauer in Ostitalien, auftrat. Von da breitete sich das Insekt aus und überschritt 2009 die Schweizer Grenze. Seit seiner Entdeckung hat Agroscope dessen Ausbreitung genau verfolgt. Letztere erfolgte sehr schnell und zum heutigen Zeitpunkt sind sämtliche Weinbaugebiete des Kantons Tessin von kontinuierlich wachsenden Populationen besiedelt. Ausnahme bildet das Südtessin, wo das Insekt zum ersten Mal aufgetreten ist. Diese rasche Verbreitung und die zunehmende Populationsdichte geben Anlass zu Besorgnis, was seine wirkliche Schädlichkeit anbelangt. Infolgedessen stellt sich die Frage, ob Bekämpfungsstrategien entwickelt werden müssen, damit die Schäden in den Rebbergen begrenzt werden können.


Zuerst die Schädlichkeit ermitteln

Die Rebenminiermotte bringt im Tessin drei Generationen im Jahr hervor. Die Larven fressen sich durch das Blattgewebe und legen so lange Miniergänge an. Die Anzahl Gänge nimmt bei der dritten Generation stark zu, die sich entsprechend der Traubenreife entwickelt. Die Untersuchung dieses Schadens hat gezeigt, dass die Miniergänge die Photosynthese-Aktivität der gesunden Teile der befallenen Blätter nicht senken und keinen Einfluss auf Traubenertrag und -reifung haben.

Die Pflanze scheint die Schäden der Rebenminiermotte also scheinbar zu tolerieren, womit die Motte als nicht schädigend betrachtet werden kann. Ihre Unschädlichkeit hängt jedoch auch davon ab, welche Anbau-Massnahmen der Weinbauer ergreift: Fallen die Blattschäden mit zu hohem Traubenbehang, zu grossem Auslauben und zu grossem Laubschnitt bei der Traubenreife zusammen, könnte dies zu einem Qualitätsverlust führen. Es ist also fundamental, die Produktion zu begrenzen und die Blattfläche gut zu pflegen. Ausserdem könnte der Klimawandel das Verhalten der Motte künftig verändern, ist doch die Entwicklung eines Insekts in erster Linie temperaturabhängig. Eine schrittweise Klimaerwärmung könnte P. vitigenella dazu verleiten, vier Generationen oder mehr zu entwickeln. In diesem Fall müsste ihr Einfluss überprüft werden.


Die aktuelle Unschädlichkeit der Motte ermöglicht die Suche nach einer ökologischen Waffe

Die Feststellung, dass diese Motte unschädlich ist, ist wichtig, damit Bekämpfungsmassnahmen entwickelt werden können, die sich auf die Nutzung natürlicher Gegenspieler stützen. Entgegen der Entwicklung bei anderen exotischen Schädlingen haben sich nämlich einheimische Nützlinge, in diesem Fall Parasitoide, bereits P. vitigenella angepasst. Der Parasitierungsgrad liegt bei etwa 17 %.

Die Nutzung vorliegender natürlicher Gegenspieler ist zentral, um eine biologische Kontrolle dieses Schädlings zu garantieren. Damit diese Kontrolle jedoch auf Dauer verbessert und stabilisiert werden kann, muss der Zusammenhang zwischen der Rebenminiermotte, den Parasitoiden und der Umgebung des Rebbergs noch erforscht werden. (acw)
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