07.11.2013 | 19:00:00 | ID: 16389 | Ressort: Landwirtschaft | Wissenschaft & Forschung

Wildgersten rücken in den Fokus des Interesses

Gatersleben (agrar-PR) - Eigenschaften der Ursprungsformen sollen Züchtern und Landwirten helfen.
Experten aus China, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Israel, Japan, Neuseeland, Schweden, Marokko, der Türkei und den USA diskutieren in den nächsten drei Tagen zukünftige Aktivitäten und Herausforderungen bei der Nutzung der pflanzlichen Vielfalt von Gerste und ihren Wildformen. Gerste gilt weltweit als viertwichtigste Getreidepflanze und wird in Deutschland überwiegend für Futterzwecke angebaut. Darüber hinaus ist Sommergerste ein wichtiger Rohstoff für die Bierproduktion.

Der Globale Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt (Global Crop Diversity Trust) und das IPK Gatersleben haben vom 5. bis 7. November zu einem Experten-Workshop an das Gaterslebener Institut eingeladen. Rund 20 renommierte Wissenschaftler sind der Einladung gefolgt und diskutieren in den nächsten Tagen über den Forschungsbedarf und die Potenziale der Nutzung von Wildformen der Gerste in Pflanzenzüchtung und Landwirtschaft.

Gerste wird seit ca. 10.000 Jahren von Menschen angebaut. Diesen Kulturgersten ist im Laufe ihrer Entwicklung, Züchtung und Nutzung ein Großteil ihrer Merkmalsvielfalt abhanden gekommen. Mittlerweile erkennt man in vielen Regionen der Welt die Notwendigkeit, diese Vielfalt in der Züchtung wieder zu vergrößern. Damit kann man Pflanzen zukünftig (wieder stärker) an regionale Gegebenheiten bzw. besser an den drohenden Klimawandel anpassen oder widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger oder Parasiten machen. Hier kommen Wildgersten und sog.

Urformen der Gerste mit ihrer ursprünglichen Erbinformation ins Spiel. Insbesondere die in Genbanken, wie dem Institut in Gatersleben, erhaltenen Wildformen sind für kommende Pflanzengenerationen wertvoll, denn sie besitzen noch eine viel breitere erbliche Vielfalt. Ziel zukünftiger Anstrengungen muss es sein, die geeignetsten Gersten für Kreuzungen zu identifizieren. Eine Sisyphos-Aufgabe denkt man allein an die über 20.000 verschiedenen Gerste-Muster der Gaterslebener Genbank. Doch die sich rapide weiterentwickelnden Methoden zur Analyse der Vielfalt von Erbinformation eröffnen den Forschern neue Möglichkeiten.

Es gilt Kräfte zu bündeln und Aufgaben zu teilen, um erfolgreich zu sein. Schon seit 50 Jahren haben Pioniere, wie der teilnehmende Pflanzenforscher Richard Pickering aus Neuseeland, versucht, Wildgerste als Quelle wichtiger Merkmale für die Gerstezüchtung zu erschließen. Brian Steffenson, Professor für Pflanzenkrankheiten an der Universität St. Paul, Minnesota, USA: „Wildgerste ist ein Reservoir für Resistenzen gegen Schaderreger, gegen die es in Kulturgerste keine Abwehrkräfte mehr gibt – diese sind während der Auswahl heutiger moderner Gersteformen verloren gegangen.“

Klaus Pillen, Professor für Pflanzenzüchtung der Martin-Luther-Universität in Halle, betont die Bedeutung der Anwendung geeigneter Züchtungsmethoden, um diese wichtigen pflanzlichen Ressourcen für die moderne Pflanzenzüchtung erfassbar und nutzbar machen zu können.

Der Globale Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt sieht in der Nutzung genetischer Ressourcen und Wildformen heutiger Kulturpflanzen einen wichtigen Grundstein für die nachhaltige Sicherung der Welternährung und unterstützt daher intensive Kooperationen zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen vieler Länder. Die gegenwärtige Konferenz am IPK in Gatersleben ist eines von insgesamt 15 internationalen Treffen, die der Treuhandfonds für die wichtigsten Kulturarten initiiert hat.


Frei verwendbares Bildmaterial

Die Teilnehmer des Gaterslebener Workshops diskutieren an drei Tagen die Möglichkeiten der Nutzung und insbesondere der gezielten Erforschung weltweit verfügbarer Gersten. Das IPK Gatersleben ist die weltweit führende Einrichtung bei der Sequenzierung dieses wichtigen Kulturpflanzengenoms. (Foto: Heike Ernst | IPK Gatersleben) [druckfähige Auflösung: http://www.ipk-gatersleben.de/fileadmin/content-ipk/content-ipk-institut/Presseinformationen/2013/PM_08_13_CWR.jpg]

 

Kontakt

Roland Schnee

Leibniz-Institut für Pflanzengenetik

und Kulturpflanzenforschung (IPK)

OT Gatersleben, Corrensstr. 3

06466 Stadt Seeland

Tel: 039482 - 5427

E-Mail: schnee@ipk-gatersleben.de

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