02.06.2021 | 11:56:00 | ID: 30290 | Ressort: Verbraucher | Verbrauch & Konsum

Drei Viertel der Verbraucherinnen wollen Klimalabel bei Lebensmitteln

Frankfurt am Main (agrar-PR) - Klimaschutz ist für Menschen in Deutschland Megathema - trotz Corona-Pandemie - 4 von 5 Verbraucher:innen fordern schnelle und umfassende Maßnahmen - Mehrheit will Klima schützen, sucht aber Orientierung und mehr Transparenz - Grundsätzlich große Bereitschaft, für Klimaschutz Ernährung umzustellen - Fleisch und Milchprodukte sind der Knackpunkt - Offenheit für Fleischersatzprodukte ist groß - Sechs Klima-Ernährungstypen zeigen unterschiedliche Einstellungen und Verhaltensweisen
Auch in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt sich: der Kampf gegen den Klimawandel hat für die Menschen in Deutschland höchste Priorität. Darin ist sich die Bevölkerung über alle Alters-, Geschlechts-, Bildungs- und Einkommensgruppen hinweg einig und sieht sich auch selbst in der Pflicht, zu handeln. Der wesentliche Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Ernährung ist vielen Menschen allerdings noch nicht hinreichend klar. Und auch bei der praktischen Umsetzung einer klimafreundlicheren Ernährung gibt es große Informationslücken und den Wunsch nach Orientierung. In diesem Kontext sprechen sich auch drei Viertel der Befragten für ein Klimalabel bei Lebensmitteln aus, wie aus der neuen Nestlé Studie 2021 "So klimafreundlich is(s)t Deutschland" hervorgeht. Im März 2021 wurden hierfür 2.511 Bürger:innen zwischen 14 und 84 Jahren online befragt. Die Ergebnisse der Studie hat Nestlé heute gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach in Frankfurt am Main vorgestellt.

"Nachhaltigkeit wird immer wichtiger - gerade bei der Ernährung. Das Thema ist in der Breite der Bevölkerung angekommen. Die Menschen tun hier bereits einiges für den Klimaschutz, zum Teil auch unbewusst oder aus anderen Motiven. Obwohl die Bevölkerung dem Thema große Bedeutung beimisst, sind viele doch etwas ratlos, was genau klimafreundliche Ernährung im Alltag bedeute", erklärt Professor Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Folglich ist der Wunsch nach Orientierung groß und viele Verbraucher:innen wünschen sich mehr und ganz konkrete Hilfe, um sich bewusst für eine klimafreundlichere Ernährung entscheiden zu können. Hier können und müssen sowohl Politik als auch Wirtschaft ansetzen.

"Der Klimawandel erfordert ein sofortiges Umdenken und Handeln. Unser Ziel ist es, die Verbraucher:innen durch die Studie noch besser zu verstehen und klimabewusste Ernährung für sie einfach und erkennbar zu machen. Etwa indem wir ihnen mit pflanzlichen Produktalternativen abwechslungsreiche Angebote für klimafreundlichere Mahlzeiten machen und klimaneutrale Produkte transparent kennzeichnen. Wichtig ist dafür eine europäische Lösung - ein einheitliches Vorgehen mit klarer Methodik, um den Menschen eine vergleichbare Kennzeichnung mit echtem Mehrwert zu bieten", sagt Marc Boersch, Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG.

Auch Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative e.V. begrüßt die Erkenntnisse und Ableitungen aus der Untersuchung für ein Voranschreiten beim Klimaschutz: "Die Nestlé Klima-Studie zeigt die Erwartungen der Befragten. Notwendig sind unter anderem ambitioniertes unternehmerisches Engagement, Transparenz über Ziele und Zwischenziele sowie eine produktbasierte Klima-Kommunikation. Ein solcher Umwelt-Fußabdruck sollte zeitnah EU-weit definiert werden."

Neben mehr Aufklärung, Transparenz und Optimierung des Produktportfolios hat sich Nestlé weitreichende Klima-Ziele gesetzt, die einen Wandel des gesamten Geschäfts zur Folge haben. Zum Schutz des Klimas spricht sich Marc Boersch klar dafür aus, Mensch und Natur im Sinne einer sozialen, ökologischen und humanen Marktwirtschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu gehöre auch, zur Unternehmenssteuerung ganz selbstverständlich den ökologischen Fußabdruck von Produkten mithilfe von Ökobilanzen zu messen. "Deshalb haben wir auch in unseren Lieferketten, Prozessen und in unserem Produktportfolio konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht, um bis 2050 als Unternehmen weltweit die Grüne Null zu erreichen", so Boersch weiter. Die Ergebnisse der Studie bestätigen Nestlé auf diesem Weg und geben weitere Impulse.

Kampf gegen Klimawandel hat höchste Relevanz

Als wichtigste globale Herausforderung sehen 68 Prozent der Befragten die Bekämpfung des Klimawandels - noch vor der Bekämpfung von Krankheiten und Epidemien sowie Umweltverschmutzung (je 65 Prozent), der Sicherung der Welternährung (56 Prozent) und der Eindämmung von Flüchtlingsströmen (46 Prozent). Zwei Drittel machen sich über die Folgen der zunehmenden Erderwärmung (sehr) große Sorgen. In der Konsequenz fordert eine deutliche Mehrheit (82 Prozent) schnelle und umfassende Maßnahmen, um den Klimawandel zu bekämpfen. 71 Prozent sprechen sich sogar dafür aus, drastische Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Denn fast vier von fünf Befragten befürchten, dass der Klimawandel auch für Deutschland katastrophale Auswirkungen haben wird. Die Brisanz des Themas fördert auch eine von weiten Teilen der Bevölkerung als kritisch empfundene Debattenkultur rund um den Klimawandel: rund zwei Drittel beklagen einen gesellschaftlichen Dialog, der zu oft mit "erhobenem Zeigefinger" und Schuldzuweisungen geführt werde. Gleichzeitig sind Aktivitäten gegen den Klimawandel emotional stark positiv besetzt: 88 Prozent der Befragten gibt es ein gutes Gefühl, wenn sie selbst etwas für den Klimaschutz tun.

Verbraucher:innen sehen sich selbst in der Pflicht

In der Frage, bei wem die Verantwortung für den Kampf gegen den Klimawandel liegt, sind sich die Menschen in Deutschland einig: 90 Prozent denken, dass es auf das Verhalten jedes/r Einzelnen ankommt. Dabei sehen die Befragten vor allem die Industrie in der Pflicht, für einen besseren Klimaschutz zu sorgen (68 Prozent), gefolgt von Verbraucher:innen selbst (52 Prozent) sowie Politik (50 Prozent) und Handel (47 Prozent). Das Engagement gegen den Klimawandel ist in der Bevölkerung inzwischen auch weit verbreitet: Rund drei Viertel geben an, schon konkret etwas für den Klimaschutz getan zu haben. Am häufigsten achten die Deutschen darauf, sparsam mit Energie umzugehen (84 Prozent) und klimafreundlich einzukaufen (67 Prozent). Das Thema Ernährung rangiert dabei im Mittelfeld: 45 Prozent der Verbraucher:innen geben an, beim Essen und Trinken schon ihr Verhalten geändert zu haben. Für mehr als die Hälfte ist fehlendes Wissen der wichtigste Hinderungsgrund für klimafreundlicheres Verhalten. Sie wissen nicht, wo sie ansetzen sollen und haben daneben oft finanzielle Bedenken (36 Prozent) und können Gewohnheiten schwer ändern (34 Prozent).

Wie tragen Lebensmittelproduktion und Ernährung zum Klimaschutz bei?

Aus Bevölkerungssicht sind Industrie, Müllvermeidung bzw. Recycling, der Verkehrssektor sowie die Strom- und Energieerzeugung die mit Abstand wichtigsten Bereiche, wenn es um den Klimaschutz geht. Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion werden eine mittlere Relevanz zugesprochen: jeweils knapp die Hälfte der Bevölkerung hält sie für den Klimaschutz für besonders wichtig. Lediglich 34 Prozent sehen dagegen eine besondere Relevanz von Ernährung und Ernährungsweise. Für die Frage der Klimaverträglichkeit unserer Ernährung hält die Bevölkerung die Produktionsbedingungen damit für relevanter als die Art der Produkte, die verzehrt werden. Innerhalb des Bereichs Ernährung sehen Verbraucher:innen allerdings bei sich selbst das größte Potenzial, zum Klimaschutz beizutragen: 54 Prozent sind überzeugt, sehr viel für den Fortschritt des Klimaschutzes tun zu können. Ähnlich viele der Befragten (52 Prozent) sehen die Industrie in einer sehr großen Verantwortung.

Doch welche Kriterien und Überzeugungen bestimmen den Speiseplan der Verbraucher:innen? Im Rahmen verschiedener Ernährungsweisen hat eine klimafreundliche Ernährung für die Befragten eine nur mittlere Bedeutung (56 Prozent). An der Spitze stehen Obst und Gemüse als wichtigste Ernährungspriorität (83 Prozent), gefolgt von einem leckeren Geschmack und Auswahlfreiheit (74 Prozent) sowie Tierschutzaspekten (71 Prozent). Wenn es um die Klimaauswirkungen von Ernährung geht, kennen sich weite Teile der Bevölkerung nicht gut aus. Nur ein knappes Drittel der Befragten traut sich zu, die Klimafreundlichkeit der eigenen Ernährung einzuschätzen.

Klimafreundliche Ernährung: Regional? Weniger Fleisch? Keine Lebensmittelverschwendung?

Spontan gehören für 41 Prozent der Menschen in Deutschland regionale Produkte zu einer klimafreundlichen Ernährung. Sie verbinden damit also vor allem die Vermeidung des Transports von Lebensmitteln. Erst mit deutlichem Abstand folgt die Einschränkung des Fleischkonsums (20 Prozent). Gleichzeitig können 21 Prozent spontan überhaupt nicht sagen, was sie unter klimafreundlicher Ernährung verstehen. Eine gestützte Nachfrage mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten ergibt zum Teil deutlich abweichende Antworten und zeigt damit, dass die Vorstellungen der Bevölkerung von einer klimafreundlichen Ernährung noch wenig gefestigt sind. An erster Stelle geben knapp zwei Drittel der Befragten die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung als sehr wichtig an, gefolgt von Vermeidung von Lebensmitteln, für die zum Teil Wälder in großem Stil gerodet werden (57 Prozent) sowie regionalen (56 Prozent) und saisonalen Lebensmitteln (55 Prozent). Verzicht auf Fleisch (22 Prozent) sowie auf tierische Produkte wie Milch oder Käse (14 Prozent) rangieren am Ende der Liste.

Klimafreundlichkeit beim Einkauf keine Top-Priorität, aber wichtiger als Bio

Klimafreundlichkeit kommt auch als Einkaufskriterium per se eine mittlere Bedeutung zu: 50 Prozent der Befragten halten dies für wichtig, 17 Prozent sogar für sehr wichtig. Gleichzeitig spielen viele Nachhaltigkeitskriterien, die auch für den Klimaschutz wichtig sind, beim Lebensmitteleinkauf aber eine sehr große Rolle, zum Beispiel artgerechte Tierhaltung (38 Prozent sehr wichtig), Mehrwegverpackungen (33 Prozent), Regionalität (28 Prozent) und Saisonalität (25 Prozent). Bio-Produkte rangieren hingegen deutlich weiter hinten (11 Prozent). Die Bedeutung solcher Nachhaltigkeitskriterien beim Lebensmitteleinkauf hat laut Langzeitvergleich des Instituts für Demoskopie Allensbach in der vergangenen Dekade deutlich zugenommen.

Verbraucher:innen wünschen sich Klimalabel

Im Spannungsfeld der insgesamt sehr hohen Bedeutung von Klimaschutz, der geringen Kenntnisse der Bevölkerung über die Klimaauswirkungen von Ernährung sowie der generell hohen Bereitschaft der Bevölkerung, ihre Ernährung für den Klimaschutz umzustellen, hat ein Klimalabel für die Orientierung der Verbraucher:innen zentrale Bedeutung. Rund drei Viertel der Befragten fänden ein Klimalabel auf Lebensmittelverpackungen wichtig bzw. sehr wichtig. Insbesondere für Personen, die sich klimafreundlich ernähren (möchten) und bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben, hätte ein Klimalabel eine besonders große Bedeutung. Über 90 Prozent dieser Personen sprechen sich hierfür aus.

Veränderung ist gut - aber bitte behutsam

Ganz allgemein bekundet die Mehrheit der Bevölkerung (56 Prozent) große oder sogar sehr große Bereitschaft, ihre Ernährung für den Klimaschutz umzustellen. Auch sind rund drei Viertel bereit, für klimafreundliche Produkte mehr zu bezahlen, darunter würden auch 17 Prozent deutlich mehr bezahlen. Etwas höher als beim Durchschnitt ist sowohl die Umstellungs- als auch Zahlungsbereitschaft bei Frauen und in den oberen Sozialschichten.

Was die Befragten selbst bereits tun, um sich klimafreundlicher zu ernähren, ist ihnen allerdingsfast durchweg sehr leicht oder leicht gefallen. Nur 3 Prozent der Bevölkerung haben bei ihrer Ernährung schon etwas geändert, das ihnen sehr schwerfiel. Klimafreundliches Verhalten im Ernährungsbereich hat die "Wohlfühlzone" bislang also kaum verlassen.

Fleisch und tierische Produkte sind der Knackpunkt - Offenheit für Fleischersatzprodukte

Besonders gering ist die Umstellungsbereitschaft, wenn es um den Verzicht auf Fleisch oder tierische Produkte wie Milch oder Käse geht: Für 47 Prozent der Bevölkerung kommt es nicht in Frage, nur wenig tierische Produkte wie Milch oder Käse zu verzehren, weiteren 16 Prozent würde das sehr schwerfallen. 38 Prozent schließen einen weitgehenden Verzicht auf Fleisch aus, weiteren 14 Prozent würde dies schwerfallen.

Gleichzeitig ist die Offenheit für pflanzliche Fleischersatzprodukte in der Bevölkerung insgesamt groß. Rund die Hälfte hat solche Produkte schon gegessen, darunter hat es lediglich 12 Prozent nicht geschmeckt. Weitere 16 Prozent der Bevölkerung können sich vorstellen, solche Produkte zu essen. Die Akzeptanz von Fleischersatzprodukten ist auch eine Frage des Alters und der Bildungsschicht: In der Gruppe der 14-29-jährigen und bei Menschen mit höherer Schulbildung ist die Offenheit am größten. Eine deutliche Mehrheit der überzeugten Fleischesser (59 Prozent) kann sich allerdings nicht vorstellen, solche Produkte zu konsumieren.

Eine starke Preiserhöhung für Fleisch aus Klimaschutzgründen fände die Hälfte der Befragten in Ordnung, 31 Prozent allerdings ausdrücklich nicht in Ordnung. Nur überzeugte Fleischesser würden dies mehrheitlich ablehnen (60 Prozent). Bei Milchprodukten wären nur 44 Prozent aller Befragten mit einer Preiserhöhung einverstanden.

Lebensmittelverschwendung wird bisher nur halbherzig bekämpft

Beim Lebensmitteleinkauf geht etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland sehr planvoll vor und kauft entsprechend eines klaren Essensplanes für die nächsten Tage ein. Knapp über die Hälfte macht sich zwar eine Einkaufsliste, ist aber offen für Inspirationen im Laden. Dies trifft auch auf Personen zu, die es für wichtig halten, keine Lebensmittel zu verschwenden. Was die permanente Verfügbarkeit frischer Produkte auch abends und am Wochenende angeht, haben insbesondere Teile der Klimabewussten eine höhere Anspruchshaltung gegenüber dem Handel als der Bevölkerungsdurchschnitt. Da sie überdurchschnittlich großen Wert auf eine gesunde Ernährung und auf viel Obst und Gemüse legen, möchten viele unter ihnen diese Lebensmittel auch zu jedem Zeitpunkt vorfinden. Manche sind dabei aber auch bereit, Abstriche etwa bei der Optik zu machen und auch krummes Gemüse oder Obst mit Druckstellen zu kaufen. Der Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist hingegen weitgehend gelernt: 91 Prozent der Befragten prüfen, ob Lebensmittel nach Überschreitung des MHDs noch genießbar sind.

Klimafreundliche Ernährung ist Typsache: Die Sechs Klima-Ernährungstypen

Aus den Ergebnissen der Nestlé Studie lassen sich insgesamt sechs verschiedene Klima-Ernährungstypen ableiten, die sich in ihren Einstellungen zum Zusammenhang von Klimaschutz und ihrem eigenen Einkaufs- und Ernährungsverhalten unterscheiden:

- Kompromisslose Aktivist:innen - "Auch Ernährung rettet das Klima." (13 Prozent)
- Besorgte Bewahrer:innen - "Klimafreundlich essen - aber nicht radikal." (19 Prozent)
- Aktive Individualist:innen - "Geht voran, ich rette mit!" (24 Prozent)
- Umsichtige Beobachter:innen - "Es gibt viel zu tun - aber wie?"(20 Prozent)
- Reservierte Orientierungssucher:innen - "Nicht übertreiben - regional essen hilft schon." (13 Prozent)
- Unbeteiligte Zweifler:innen - "Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird." (11 Prozent)
Details zu den Klima-Ernährungstypen finden Sie in der Broschüre zur Nestlé Studie auf den Heftseiten 7-10.

Weitere Informationen gibt es auf unserer Webseite:

- Nestlé Studie
- Broschüre zur Nestlé Studie
- Nestlés Weg zur Grünen Null

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