27.02.2009 | 12:14:00 | ID: 128 | Ressort: Landwirtschaft | Pflanze

Neue Körner- und Silomaissorten für die Ernte 2009

Wädenswil (agrar-PR) - Aufgrund der Sortenprüfungsergebnisse der Jahre 2007/2008 der Forschungsanstalten Agroscope Changins-Wädenswil ACW und Agroscope Reckenholz- Tänikon ART hat die technische Kommission «Futtergetreide & Eiweisspflanzen» von swiss granum für die Ernte 2009 sechs neue Silo- sowie fünf neue Körnermaissorten in die Liste der empfohlenen Sorten aufgenommen. Gleichzeitig wurden elf Sorten, darunter zwei Sorten, die sowohl als Körner- und als Silomais empfohlen wurden, von der Liste gestrichen.

Die Beschreibung aller empfohlenen Sorten wird in der Märzausgabe der Agrarforschung veröffentlicht und ist im Internet einsehbar unter:
http://www.art.admin.ch/dms_files/00355_de.pdf

Körnermais
Die neu eingeschriebene Sorte Lapriora (KWS, D) ist die frühreifste Sorte in der frühen Reifegruppe und somit die früheste empfohlene Körnermaissorte. Sie zeichnet sich durch einen guten Körnerertrag, eine sehr gute Jugendentwicklung sowie eine gute Standfestigkeit aus. Im Gegensatz zur mittleren bis guten Resistenz gegen Beulenbrand, ist die Resistenz gegen die Blattfleckenkrankheit Helminthosporium turcicum (Ht) sehr schwach. Der Anteil der ungesättigten Fettsäuren im Korn, ausgedrückt durch den PUFA-MUFA-Index (PMI), ist bei dieser Sorte sehr hoch. In der mittelfrühen Reifegruppe wurden drei neue Sorten eingetragen und mit Ricardinio (KWS, D) gleichzeitig die frühreifste dieser Gruppe. Ricardinio vereint einen sehr hohen Körnerertrag mit einer guten Jugendentwicklung und einer mittleren bis guten Standfestigkeit. Aufgrund der Beobachtungen in den Versuchen wurden der Stängelbruch bei der Ernte sowie die Stängelfäule mit mittel eingestuft. Die Resistenz gegen Beulenbrand ist mittel bis gut und diejenige gegen Ht sehr schwach. Der PMI ist mittel. Mit Ambrosini (=KXA 6301) wurde eine weitere Züchtung von KWS (D) in dieser Reifegruppe eingetragen. Diese Sorte ist etwas spätreifer als Ricardinio und PR39G12. Ein sehr guter Körnerertrag, eine gute Jugendentwicklung, eine mittlere (Erntezeitpunkt) bzw. mittlere bis gute Standfestigkeit (während der Vegetation) sowie mittlere bis gute Resistenzen gegen Beulenbrand und Stängelfäule charakterisieren diese Sorte. Die Resistenz gegen Ht ist schwach und der PMI mittel. Die Sorte ES-Progress (Euralis, F) ist in der Abreife etwas später als Ambrosini und zeichnet sich durch einen sehr hohen Körnerertrag und gute Resistenzen gegen Beulenbrand und Stängelfäule aus. Hingegen sind die Jugendentwicklung und die Standfestigkeit zum Zeitpunkt der Ernte mit mittel beurteilt. Der PMI von ES Progress ist hoch und die Resistenz gegen Ht schwach. Als einzige neue Sorte in der mittelspäten Reifegruppe wurde ES-Charles (Euralis, F) eingetragen. Innerhalb dieser Gruppe reiht sie sich ebenfalls bei den später abreifenden ein und zeichnet sich durch sehr hohe Körnererträge, eine sehr gute Jugendentwicklung sowie mittlere bis gute Standfestigkeiten aus. Die Resistenzen gegen Beulenbrand und Stängelfäule sind gut, im Gegensatz zu der schlechten Resistenz gegen Ht. Der PMI dieser Sorte ist sehr hoch.

Silomais
In die frühe Reifegruppe der Silomaissorten wurden fünf neue Sorten aufgenommen. Die Schweizer Züchtung Tiago (DSP) ist die frühreifste Sorte in dieser Reifegruppe und zeichnet sich durch einen sehr hohen Trockensubstanzertrag und eine sehr gute Jugendentwicklung aus. Die Verdaulichkeit sowie die für die Milchproduktion verfügbare Nettoenergie (NEL in Megajoules pro kg Trockensubstanz) dieser Sorte wurden aufgrund der Versuche mit gut und der Stärkegehalt als mittel beurteilt. Mittel bis gut ist auch die Standfestigkeit, wobei die Resistenz gegen Beulenbrand mit mittel und diejenige gegen Ht mit mittel bis schwach eingestuft wurden. Die zweite Schweizer Züchtung, Delizia (DSP), ist wie Tiago eine sehr frühreife Sorte mit einem mittleren bis hohen Trockensubstanzertrag. Sie überzeugte vor allem mit einer sehr guten Verdaulichkeit sowie einem sehr guten NEL-Wert. Der Stärkegehalt ist mittel bis gut, wie auch die Standfestigkeit und die Resistenz gegen Beulenbrand. Bezüglich der Resistenz gegen Ht ist Delizia mit mittel bis schwach eingestuft worden. Wenig später als Delizia reift die Sorte Fabregas (=KXA 6306) von KWS (D) ab. Diese Sorte zeichnet sich durch einen sehr hohen Trockensubstanzertrag, eine sehr gute Jugendentwicklung, eine gute Standfestigkeit sowie eine gute Resistenz gegen Beulenbrand aus. Weiter weist diese Sorte eine mittlere bis gute Verdaulichkeit, einen mittleren bis hohen Stärkegehalt sowie einen hohen für die Milchproduktion nutzbaren Energiegehalt, aber eine schwache Resistenz gegen Ht auf. Ambrosini (KWS, D) ist leicht später reif als Fabregas; ansonsten sind diese beiden KWS-Züchtungen in ihren Eigenschaften aber ähnlich und der gleichen Beurteilungsstufe zugeordnet. Lediglich beim Stärkegehalt wurde Ambrosini eine Stufe tiefer als Fabregas eingeteilt. Als eine der momentan spätreifsten Sorten in der frühen Reifegruppe wurde die Sorte Ayrro (Limagrain, F) eingetragen. In dieser Sorte vereinen sich ein sehr guter Trockensubstanzertrag mit einer sehr guten Verdaulichkeit und einer sehr guten Jugendentwicklung. Der Stärkegehalt ist mittel und der für die Milchproduktion nutzbare Energiegehalt hoch. Die Standfestigkeit ist mittel, ebenso wie die Resistenz gegen Ht. Die Resistenz gegen Beulenbrand ist gut. In der mittelspäten Reifegruppe wurde mit PR39T45 (Pioneer, USA) eine Sorte mit einem hohen Trockensubstanzertrag, einer sehr guten Verdaulichkeit sowie einem sehr hohen Stärkegehalt neu aufgenommen. Bezüglich Reife ist sie etwas später reif als Ronaldinio und besitzt einen hohen für die Milchproduktion verfügbaren Nettoenergiegehalt. Die Standfestigkeit während der Vegetation ist gut, wobei zum Zeitpunkt der Ernte die Wurzeln weniger gut verankert sind und später Wurzellagerung auftreten kann (mittlere Resistenz gegen späte Wurzellagerung). Die Resistenz gegen Beulenbrand ist mittel. Bei PR39T45 ist besonders die sehr gute Resistenz gegen Ht hervorzuheben. Jürg Hiltbrunner, Mathias Menzi, Jean-François Collaud und Alice Baux, Agroscope ART und ACW

Auskünfte:
Jürg Hiltbrunner
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, 8046 Zürich
Tel. 044 377 71 11, E-Mail: juerg.hiltbrunner@art.admin.ch

Jean-François Collaud und Alice Baux
Station de recherche Agroscope Changins-Wädenswil ACW, CP 1012, 1260 Nyon
Tel. 022 363 46 57, E-Mail: jean-francois.collaud@acw.admin.ch
Tel. 022 363 47 22, E-Mail: alice.baux@acw.admin.ch
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