02.06.2021 | 18:07:00 | ID: 30294 | Ressort: Landwirtschaft | Bio

Warum auf Ökolandbau umstellen?

Hannover (agrar-PR) - Das Interesse am Ökolandbau in Niedersachsen wächst beständig. Warum ist das so? Antworten auf diese Frage gab es während eines Pressegesprächs, das heute (2.6.) in digitaler Form stattfand.
Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast diskutierte mit jungen Landwirten, die ihre konventionellen Höfe umgestellt haben und nun nach Vorgaben des Ökolandbaus wirtschaften. „Die Nachfrage nach regionalen Bioprodukten ist ungebrochen. Der Umsatz mit Bioprodukten im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist im Jahr 2020 nochmals stark um 20 Prozent auf rund 15 Milliarden Euro angestiegen", erklärte Ministerin Otte-Kinast.

Aufgrund der bisherigen Zielvorgaben im Niedersächsischen Aktionsplan Ökolandbau sollen im Jahr 2025 zehn Prozent Ökolandbau etabliert sein. Im „Niedersächsischen Weg" wurde im Mai 2020 neu vereinbart, den Ökolandbau bis zum Jahr 2030 auf fünfzehn Prozent zu steigern. „Mit diesen Planungen entspricht Niedersachsen auch den wachsenden gesellschaftlichen Anforderungen an eine nachhaltigere Landwirtschaft und schafft gleichzeitig eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für die Betriebe, die in der Umstellung auf den Ökolandbau ihre unternehmerische Zukunft sehen", führt die Ministerin weiter aus.

Warum stellen Landwirte auf Ökolandbau um? „Bei mir war es eine bewusste betriebswirtschaftliche Entscheidung für den Ökolandbau", erklärte Johannes Blanke. Der 35 Jahre alte Landwirt aus dem Heidekreis wird zum Jahresende die traditionelle Milchviehhaltung zugunsten des Ackerbaus aufgeben. „Der Milchpreis stagniert seit langem. Da habe ich nach Alternativen für die Zukunft gesucht und betreibe nun unter anderem den Anbau von Hülsenfrüchten."

Anders lief es bei Stephan und Kerstin Klünemann aus dem Landkreis Emsland. Gemeinsam errichteten sie 2015 zwei Putenställe, die zunächst konventionell betrieben wurden. Im Zuge des Übergabeprozesses wurde auf dem Betrieb Klünemann die Schweinehaltung aufgegeben und 2019 mit der Produktion von Bio-Chicorée begonnen. „Der Gemüsebau war der Beginn der ökologischen Landwirtschaft auf dem Betrieb. Dadurch hatten wir Interesse und suchten uns neue Vermarktungswege für unsere Puten", erklärte Kerstin Klünemann. Es folgten die Umstellung des Ackerbaus und in diesem Jahr die Umstellung der Putenhaltung. Der Betrieb ist Mitglied des Naturlandverbandes. Dreh- und Angelpunkt war für beide Familien eine gute, umfassende Begleitung und Beratung. Neben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und diversen spezialisierten Beratungsunternehmen nimmt das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) aus Visselhövede diese Aufgabe wahr.

KÖN-Geschäftsführerin Carolin Grieshop berichtete, dass das Interesse am Ökolandbau enorm sei: „Besonders auffällig ist die hohe Nachfrage aus der Veredelung, also dem Schweinebereich. Gleichzeitig suchen die Bio-Fleischvermarkter auch Bio-Schweinefleisch, was eigentlich eine gute Ausgangssituation ist." Grieshop weiter: „Jedoch müssen Bauanträge bei den Landkreisen gestellt werden, wenn z.B. vorhandene Ställe entsprechend den Anforderungen des Ökolandbaus umgebaut werden müssen, um den Tieren einen Freiauslauf zu gewähren." Die ökologische Tierhaltung, welche durch die Haltung auf Stroh und im Offenstall z.B. zu veränderten Geruchsentwicklungen führen kann, bedarf daher auch der Berücksichtigung des Immissionsschutzrechts. „Um den für ökologisch erzeugtes Fleisch vorhandenen Marktbedarf ohne unnötigen Zeitverlust bedienen zu können, ist die frühzeitige Abstimmung zwischen allen Akteuren erforderlich", waren sich die Ministerin und Grieshop einig und sicherten hierbei ihre Unterstützung zu.

Die Landesregierung engagiert sich auch finanziell stärker im Ökolandbau. Sie unterstützt mit Beginn dieses Jahres die Tochter der KÖN GmbH, das Kompetenznetzwerk Ökolandbau Niedersachsen, mit 750.000 Euro pro Jahr.

Außerdem fördert und stärkt Niedersachsen über die Einzelbetriebliche Beratung den ökologischen Landbau. Insbesondere die Beratung zur Umstellung auf ökologische Bewirtschaftungsverfahren kann hierdurch von umstellungsinteressierten Betrieben kostenlos in Anspruch genommen werden.

Deutlich wurde bei der einstündigen Veranstaltung, dass die Umstellung auf Ökolandbau immer eine Entscheidung von „Herz und Kopf" bedeutet. „Die ganze Familie muss dahinterstehen und es muss einen Markt dafür geben - anders geht es nicht", schloss Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Hintergrund:
Nach den vorläufigen statistischen Zahlen beträgt der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Niedersachsen mit 134.574 Hektar an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Niedersachsen aktuell 5,2 Prozent. Insgesamt 138 landwirtschaftliche Betriebe kamen 2020 in Niedersachsen neu dazu. Die Gesamtanzahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe betrug am 31.12.2020 insgesamt 2.253.
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