29.03.2013 | 15:03:00 | ID: 14804 | Ressort: Umwelt | Klima

Erst mild, dann kalt - März stellt Statistik auf den Kopf

Wien (agrar-PR) - Der Temperaturverlauf im März 2013 war das exakte Gegenteil der langjährigen Mittelwerte.
Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Zu Beginn des Monats waren die Temperaturen so, wie man sie Ende März erwarten würde. Ab der Monatsmitte kühlte es auf Werte ab, die normalerweise Anfang März auftreten.

Unterm Strich bleibt in der vorläufigen Monatsbilanz ein März, der im Vergleich zum klimatologischen Mittel um 1,7 °C zu kalt war und damit einer der kältesten der letzten 18 Jahre ist. Im Vergleich zur gesamten Messreihe seit 1767 liegen die Märztemperaturen österreichweit gesehen im Mittelfeld. Damit hat uns die Kälte nicht so stark erwischt wie Deutschland, wo dieser März zu den sechs kältesten seit Messbeginn 1881 zählt".


Kälte: In Retz Platz 17 seit Messbeginn 1896

In einigen Regionen Österreichs war es aber außergewöhnlich kalt. In Retz (NÖ) war es mit einer Monats-Mitteltemperatur von nur 1,2 °C seit 1896 in einem März nur sechzehn Mal kälter als heuer. Der Osten und der Süden Österreichs erlebten in diesem März ungewöhnlich spät sogenannte Eistage, mit ganztägig Temperaturen unter 0 °C. Das kommt statistisch gesehen alle 50 bis 60 Jahre vor. In Wien auf der Hohen Warte lag die Höchsttemperatur am 26. März bei minus 1,5 °C. So kalt war es hier so spät im Jahr seit Messbeginn 1872 noch nie.

Die höchste Temperatur in diesem März registrierte die ZAMG am 7. März mit 20,7 °C in Weyer (OÖ). Die tiefste Temperatur des Monats wurde am 15. März am Brunnenkogel (T, 3438 m) gemessen, mit minus 28,0 °C.


Im Süden und Südosten zwei bis drei Mal mehr Schnee

Beim Niederschlag gab es in diesem März große Nord-Süd-Unterschiede. Im Süden Österreichs erreichten die Monatssummen 125 bis 200 Prozent der klimatologischen Mittelwerte. Von Vorarlberg bis ins südliche Niederösterreich lagen die Niederschlagsmengen bei nur bei 40 bis 75 Prozent der Mittelwerte 1981-2010. Die Schneemengen entsprachen im Westen und Norden dem klimatologischen Mittel. Im Süden und Südosten schneite es dagegen zwei bis drei Mal mehr als im vieljährigen Mittel. Ungewöhnlich für Ende März ist die mehrtägige, geschlossene Schneedecke im Flachland. Das kommt zum Beispiel im Raum Wien statistisch gesehen nur etwa alle 15 Jahre vor.


Sonnenstunden in etwa im Soll

Die Sonnenstunden lagen im Großteil Österreichs im Bereich der vieljährigen Mittelwerte. 10 bis 20 Prozent weniger Sonnenstunden als im Mittel gab es im Wald- und Weinviertel, in Wien, in Kärnten und Vorarlberg. Am längsten zeigte sich die Sonne auf der Schmittenhöhe (S, 1956 m) mit insgesamt 170 Stunden. Am kürzesten schien in diesem Monat die Sonne mit nur 75 Stunden am Loiblpass (K).


Der März 2013 im Detail


Temperatur
Der Temperaturverlauf war in diesem März gegenläufig dem zu erwartenden klimatologischen Temperaturverlauf. Zum Beginn des Monats lagen die Temperaturen etwa im Bereich, wie man sie eher zum Ende des Monats erwarten würde. Ab der Monatsmitte kühlte es nachhaltig auf Werte ab, die normalerweise Anfang März auftreten.

Österreichweit war dieser März um 1,7 °C kälter als das klimatologische Mittel 1981-2010. Im nördlichen und östlichen Niederösterreich, in Wien und im Nordburgenland war es im Vergleich zum vieljährigen Mittel mit einer Abweichung von minus 2,5 bis minus 3,5 °C bundesweit am kältesten. Aber auch in Oberösterreich, im Mittel- und Südburgenland, in der Steiermark und in Kärnten lagen die Märztemperaturen um 1,5 bis 2,5 °C unter dem Mittel 1981-2010. Von Vorarlberg bis Salzburg betrug die Abweichung zum Mittel minus 0,5 bis minus 1,5 °C.

Zuletzt trat ein so kalter März im Jahr 2006 auf. Im Weinviertler Weinbauort Retz war die Abweichung zum klimatologischen Mittel mit minus 3,3 °C österreichweit am größten. Mit einer Monats-Mitteltemperatur von nur 1,2 °C war es in Retz seit 1896 im März nur sechzehn Mal kälter.

Besonders auffällig in diesem März war, dass nach dem astronomischen Frühlingsbeginn (20.3.2013) in den Niederungen noch Eistage auftraten (ganztägig unter 0 °C). Am 26. März erreichte das Tagesmaximum der Lufttemperatur in Wien nur minus 1,5 °C. So spät im Jahr trat dies in Wien seit Aufzeichnungsbeginn auf der Hohen Warte im Jahr 1872 noch nie auf. Der letzte Eistag nach dem 20. März wurde in Wien im Jahr 1958 beobachtet.

Der relativ wärmste Ort im März 2013 war mit einer Abweichung zum Mittel von plus 0,3 °C der auf 3106 Meter Seehöhe gelegene Sonnblick-Gipfel. Mit einem Monatsmittel von minus 10,4 °C entsprach die Mitteltemperatur dem Normalwert. Am absolut wärmsten war der März in Innsbruck. An der Messstation an der Universität Innsbruck betrug das Monatsmittel der Lufttemperatur 4,4 °C (Abw. minus 0,9 °C).

Das höchste Tagesmaximum der Lufttemperatur wurde am 7. März mit 20,7 °C in Weyer (OÖ) erreicht. Die tiefste, an einem bewohnten Ort gemessene Temperatur wurde am 16. März mit minus 19 °C in Seefeld (T) registriert. An der Wetterstation am Brunnenkogel (3438 m) lag das absolute Monatsminimum bei minus 28,0 °C.

Niederschlag
Der Alpenhauptkamm war in diesem Monat die Grenze zwischen dem relativ niederschlagsarmen Norden und dem niederschlagsreichen Süden. Im Süden erreichten die Monatssummen 125 bis 250 Prozent der klimatologischen Mittelwerte.

Von Vorarlberg bis ins südliche Niederösterreich war es hingegen sehr trocken. Hier erreichten die Niederschlagsmengen nur 40 bis 75 Prozent des Mittels 1981-2010. Am relativ trockensten war es dabei in diesem März am Arlberg, im Außerfern, im Inn- und Mühlviertel und im Bereich der Eisenwurzen. Entlang des Alpenhauptkammes und im Wald- und Weinviertel sowie im Nordburgenland erreichten die Niederschlagsmengen 75 bis 125 Prozent der klimatologischen Mittelwerte.

Schnee
Bis zur Monatsmitte spielte Schneefall nur eine untergeordnete Rolle. Im Westen, Süden und teilweise im Norden lag bis dahin noch eine Altschneedecke vom Vormonat. Die ersten nennenswerten Schneefälle, die auch die Tallagen und das Flachland erreichten, ereigneten sich um die Monatsmitte. Zum Monatsende hin schneite es nochmals flächendeckend in ganz Österreich. In Summe entsprach die Neuschneemenge im Westen und Norden dem Mittel 1981-2010.

Im Süden und Südosten schneite es in etwa zwei bis drei Mal mehr als im Mittel. Am Grazer Flughafen summierten sich bis zum 28. März 24 Zentimeter Neuschnee. Am Salzburger Flughafen hingegen nur 5 Zentimeter. Schneefall Ende März ist nicht ungewöhnlich. In Verbindung mit den teils stark unterdurchschnittlichen Temperaturen im Norden und Osten sind mehrere Tage mit einer geschlossenen Schneedecke aber selten. Im Raum Wien tritt eine Schneedecke Ende März von mehr als 5 Zentimeter, die sich länger als einen Tag hält, nur ca. alle 15 Jahre auf.

Sonne
Trotz des relativ unbeständigen Wetters in der zweiten Monatshälfte schien die Sonne in Österreich in etwa so lange wie im klimatologischen Mittel. Etwa 10 bis 20 Prozent kürzer als im Mittel schien die Sonne im Wald- und Weinviertel, in Wien, in Kärnten und Vorarlberg.

In Nordtirol, Salzburg, Oberösterreich, im südlichen Niederösterreich, im Burgenland und in der Obersteiermark schien die Sonne dem Mittelwert entsprechend. Am längsten zeigte sich die Sonne auf der Schmittenhöhe (S, 1956 m) mit insgesamt 170 Stunden. Am wenigsten Sonnenschein gab es diesen Monat mit nur 75 Stunden am Loiblpass (K).


März 2013: Übersicht Bundesländer


Vorarlberg
Niederschlagsabweichung minus 40 Prozent, Temperaturabweichung minus 1,0 ° C, Abweichung der Sonnenscheindauer minus 15 Prozent Temperaturhöchstwert 20,5° C in Feldkirch (438 m) am 8., Tiefstwert minus 16,7° C in Warth (1.478 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 4,1° C in Feldkirch (Abw. minus 1,2° C) Höchste Sonnenscheindauer 125 Stunden in Feldkirch

Tirol
Niederschlagsabweichung plus 80 Prozent in Osttirol, minus 20 Prozent in Nordtirol, Temperaturabweichung minus 0,7° C in Nordtirol, minus 1,6° C in Osttirol, Abweichung der Sonnenscheindauer 0 Prozent Temperaturhöchstwert 20,6° C in Kufstein (490 m) am 8., Tiefstwert minus 19,0 °C in Seefeld (1.182 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 4,4° C in Innsbruck (Abw. minus 0,9° C) Höchste Sonnenscheindauer 165 Stunden in Hochfilzen

Salzburg
Niederschlagsabweichung minus 15 Prozent, Temperaturabweichung minus 0,8° C, Abweichung der Sonnenscheindauer plus 5 Prozent Temperaturhöchstwert 19,4° C in Salzburg (418 m) am 7., Tiefstwert minus 15,0 °C in Obertauern (1.772 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,3° C in Salzburg (Abw. minus 1,8° C) Höchste Sonnenscheindauer 170 Stunden auf der Schmittenhöhe

Oberösterreich
Niederschlagsabweichung minus 35 Prozent, Temperaturabweichung minus 1,8° C, Abweichung der Sonnenscheindauer plus 5 Prozent Temperaturhöchstwert 20,7° C in Weyer (428 m) am 7., Tiefstwert minus 12,3 °C in Reichenau im Mühlkreis (689 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,3° C in Linz (Abweichung minus 2,0° C) Höchste Sonnenscheindauer 160 Stunden in Windischgarsten

Niederösterreich
Niederschlagsabweichung minus 5 Prozent, Temperaturabweichung minus 2,5° C, Abweichung der Sonnenscheindauer 0 Prozent Temperaturhöchstwert 19,8° C in Berndorf (337 m) am 7., Tiefstwert minus 13,1 °C in Bärnkopf (970 m) am 24. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,0° C in Gumpoldskirchen (Abweichung minus 2,4° C) Höchste Sonnenscheindauer 150 Stunden in Seibersdorf

Wien
Niederschlagsabweichung minus 20 Prozent, Temperaturabweichung minus 2,7° C, Abweichung der Sonnenscheindauer minus 5 Prozent Temperaturhöchstwert 19,0° C in Donaufeld (161 m) am 7., Tiefstwert minus 8,6 °C auf der Jubiläumswarte (450 m) am 24. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,7° C in der Inneren Stadt (Abw. minus 2,9° C) Höchste Sonnenscheindauer 140 Stunden auf der Hohen Warte

Burgenland
Niederschlagsabweichung plus 40 Prozent, Temperaturabweichung minus 2,4° C, Abweichung der Sonnenscheindauer 0 Prozent Temperaturhöchstwert 19,8° C in Eisenstadt (184 m) am 7., Tiefstwert minus 8,6 °C in Bad Tatzmannsdorf (347 m) am 17. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,5° C in Güssing Höchste Sonnenscheindauer 155 Stunden in Eisenstadt

Steiermark
Niederschlagsabweichung plus 30 Prozent, Temperaturabweichung minus 1,8° C, Abweichung der Sonnenscheindauer minus 5 Prozent Temperaturhöchstwert 18,9° C in Wagna (268 m) am 8., Tiefstwert minus 13,3 °C in Zeltweg (678 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 3,4° C in Bad Radkersburg (Abw. minus 1,9 °C) Höchste Sonnenscheindauer 155 Stunden in Rottenmann

Kärnten
Niederschlagsabweichung plus 95 Prozent, Temperaturabweichung minus 1,8° C, Abweichung der Sonnenscheindauer minus 15 Prozent Temperaturhöchstwert 16,2° C in Ferlach (459 m) am 8., Tiefstwert minus 12,9 °C in Preitenegg (1034 m) am 16. Höchstes Märzmittel der Lufttemperatur 2,6° C in Pörtschach (Abw. minus 1,3 °C) Höchste Sonnenscheindauer 155 Stunden auf der Kanzelhöhe

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Anmerkungen

·         Die Bezeichnung „vieljähriges Mittel“ betrifft die Klimaperiode 1981-2010. ·         Die Daten setzen sich aus den Messungen bis zum gestrigen Tag und den Vorhersagen für die restlichen Tage des Monats zusammen. Die endgültige Bilanz ist ab der zweiten Woche des Folgemonats auf www.zamg.at abrufbar. (zamg)
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