02.04.2015 | 18:10:00 | ID: 20099 | Ressort: Umwelt | Tier

Der Osterhase: Einwanderer, Europäer und Extremsportler

Potsdam (agrar-PR) - Der lateinische Name des Feldhasen (Lepus europaeus) ist etwas irreführend. Denn ursprünglich kam der Feldhase aus Asien und war in Steppengebieten zu Hause.
Inzwischen ist das anpassungsfähige Tier aber ein echter Europäer geworden und gut in die heimische Fauna integriert. Vorzugsweise ist er auf landwirtschaftlichen Nutzflächen und auch in Wäldern anzutreffen. Er ist zudem ein guter Boxer und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von etwa 80 Kilometern pro Stunde. Als Osterhase ist er ein weltliches Symbol für die Osterzeit.

Zu Recht gilt der Feldhase als Frühlingsbote und Fruchtbarkeitssymbol. Ein Weibchen bringt immerhin drei- bis viermal im Jahr bis zu sechs Junge auf die Welt. Leider erleben 50 Prozent der Hasenbabys ihren ersten Geburtstag nicht.

Ein anderes bekanntes Fruchtbarkeits- und Ostersymbol ist das Ei. Warum aber ausgerechnet der Hase - ein Säugetier - die Ostereier bringen soll, ist bis heute nicht ganz geklärt. Er macht diesen Job jedenfalls noch nicht sehr lange, erst seit dem 17. Jahrhundert.

Imposant ist der Kampf der Hasenmänner um die Weibchen. Sie versuchen dabei durch Boxen mit den Pfoten ihre Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Auf der Flucht erreicht „Meister Lampe“, wie der Feldhase in Fabeln und Märchen heißt, dann enorme Geschwindigkeiten. Der bekannte Zweitname stammt aus der Jägersprache. Weil sich beim flüchtenden Feldhasen der helle Fleck im Unterfell am Stummelschwanz weithin sichtbar vom übrigen Fell abhebt, bezeichnen ihn die Weidmänner als Lampe.

Der Feldhase bevorzugt als Lebensraum in der Regel warme und offene Flächen mit guter Rundumsicht. Dort scharrt er gern kleine Mulden (Sassen) in den Boden. Droht Gefahr, wird der Feldhase zum Angsthasen und bleibt regungslos in seiner Mulde hocken. Die Tiere sind sehr bodenständig, ihrem Revier bleiben die Feldhasen oft ein Leben lang treu.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Hasenpopulation in Nordostdeutschland stark zurückgegangen. Die Hauptursache dafür ist die landwirtschaftliche Nutzung mit meist nur wenigen Fruchtarten. Das schränkt den Lebensraum der Feldhasen ein. Sie finden immer weniger Nahrungspflanzen. Auch haben ihnen die Zersiedlung der Landschaft und der zunehmende Straßenverkehr stark zugesetzt. Einer seiner Hauptfeinde, der Fuchs, erobert immer mehr das Terrain und droht mit steigender Population die Feldhasen zu verdrängen.

In Brandenburg wurden immer wieder Projekte gestartet, um Lebensräume für Niederwild zu bewahren beziehungsweise zurückzugewinnen. Fachleute erwarten durch die von den Landwirten seit dem 1. Januar umzusetzenden Greening-Maßnahmen  (Anbaudiversifizierung,  Ausweisung einer Fläche von 5 Prozent des betrieblich genutzten Ackerlands als ökologische Vorrangfläche und Erhaltung des Dauergrünlands) im Rahmen der neuen EU-Förderperiode 2014 bis 2020 positive Effekte für die Artenvielfalt und damit auch für die Hasen.

Untersuchungen im Rahmen des WILD-Projekts unter Beteiligung de Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde haben vor einigen Jahren allerdings auch Einflüsse durch die Witterung nachgewiesen. Insbesondere die Monate April und Mai scheinen für den Zuwachs eine große Rolle zu spielen.

Meister Lampe im Scheinwerferlicht

Die Besatzermittlung des weitgehend nachtaktiven Feldhasen erfolgt auch in Brandenburg mit der Methode der Scheinwerfertaxation. Auf einer im Vorfeld festgelegten, mindestens zehn Kilometer langen Fahrstrecke in einsehbaren Offenlandbereichen werden aus einem Geländewagen alle Hasen bis zu einer Entfernung von 150 Metern gezählt. Aus zwei Zählungen im März/April wird der Frühjahrs- und aus den zweimaligen Erfassungen im Oktober bis Dezember der Herbstbesatz ermittelt.

Für das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg verzeichnet die Statistik in den 1970er Jahren noch eine sehr hohe Strecke (ein Indiz für einen hohen Besatz), die  erlegte Hasen und Totfunde (zum Beispiel durch den Straßenverkehr) umfasst. Der Spitzenwert wurde 1975 mit 12.094 Stück angegeben, während in den Achtzigerjahren ein starker Rückgang registriert wurde.

Nach der aktuellen Jagdstatistik 2013/2014 wurden landesweit insgesamt 3.051 Feldhasen getötet, 303 Exemplare weniger als im Vorjahr. Wenig Anteil haben daran die Jäger: 63 Prozent dieser Strecke sind Verkehrsopfer. Der Feldhase gilt in Brandenburg als stark gefährdet und steht deshalb auf der „Roten Liste“ der geschützten Arten.

Ostern ist aber nicht in Gefahr: In Brandenburg teilen sich etwa sechs Hasen 100 Hektar. Damit ist die Population stabil – auf niedrigem Niveau. Nach den Untersuchungen des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde hat sich das Havelland als Hot Spot herauskristallisiert.

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Feldhasen zum Wildtier des Jahres 2015 gekürt. (mlul-brandenburg)
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