01.10.2013 | 19:40:00 | ID: 16157 | Ressort: Umwelt | Umweltschutz

Der Wald ist kein Freizeitpark!

Hamburg (agrar-PR) - Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert mehr Rücksicht auf Wildtiere

Nie sind unsere Wälder bunter als im Herbst. Die Meteorologen prophezeien bereits einen „Goldenen Oktober“. Bunte Blätter, wärmende Sonnenstrahlen – der Herbst lockt gerade jetzt am „Brückentag-Wochenende“ viele Menschen aus dem Haus: Pilzsammler, Mountainbiker, Hundehalter, Wanderer und Geocacher sind unterwegs. Die einen suchen Steinpilze und Pfifferlinge für die Pfanne, die anderen spüren mit GPS-Empfängern kleine Behälter in Höhlen oder zwischen Baumwurzeln auf, um bei der elektronischen Schnitzeljagd ein Geocache zu finden. Fitness-Freunde haben dagegen auf dem Mountainbike jede Menge Spaß, indem sie querfeldein durchs Gelände strampeln. Ganz gleich ob Gourmet, Radfahrer oder Schatzsucher: Wer die Wege verlässt, dringt in das Revier der Wildtiere ein und ist für sie ein Störenfried. Der Lebensraum der Tiere wird zum Freizeitpark für Menschen. „Sport, Spaß und Spiel sind vor allem für unsere großen Wildtiere wie den Rothirsch eine unkalkulierbare Störung“, sagt Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Störungen führen zur Flucht und damit zu Stress für ganze Rudel“, so Kinser weiter. Nimmt der Stress überhand, verlassen die Tiere nicht mehr das schützende Dickicht und müssen ihren Hunger an Forstpflanzen stillen. Aufgrund solcher „Schäden“ entbrennt dann häufig ein Streit um die Höhe der Rotwild-Population. Um den Konflikt zu lösen werden oft mehr Tiere als nötig abgeschossen.

„Es geht der Deutschen Wildtier Stiftung nicht darum, Menschen aus der Natur zu verbannen“, betont Kinser. „Es geht uns um die Rücksichtnahme auf Wildtiere.“ In unseren Wäldern sollten Bereiche ausgewiesen werden, in denen Pilze gesucht werden dürfen und andere Bereiche, in denen ein striktes Wegegebot herrscht, damit Wildtiere ungestört ihrem arteigenen Verhalten nachgehen können.“ Mountainbiker sollten ausgewiesene Routen nicht verlassen und Geocacher ihre „Schätze“ keinesfalls in Naturschutzgebieten oder im Dickicht verstecken. „Besonders in den frühen Morgenstunden und nach Sonnenuntergang sollte auf Freizeitaktivitäten im Wald ganz verzichtet werden.“ fordert Kinser. Denn durch die Aktivitäten der Menschen im Wald ist das eigentlich tagaktive Rotwild längst zum dämmerungs- und nachtaktiven Tier geworden.

 

Der Hirsch und der Mensch!

Damit der Konflikt um die Nutzung der Wildtierlebensräume gelöst werden kann, empfiehlt die Deutsche Wildtier Stiftung die Organisation aller Nutzergruppen in sogenannten Hegegemeinschaften. Die Publikation „Der Hirsch und der Mensch“ mit Beiträgen zur Weiterentwicklung von Hegegemeinschaften ist Anfang September erschienen. Informationen finden Sie unter www.Rothirsch.org. Die Publikation können Sie unter http://www.wildtierland.de/tagungsband-rotwildsymposium.html oder unter Telefon 040-970 78 69 10 bestellen.

 

 

Eva Goris

Pressesprecherin

 

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