17.01.2022 | 16:08:00 | ID: 32077 | Ressort: Umwelt | Umweltschutz

Kann "Rewilding" die Erhaltung der Biodiversität mit nachhaltiger Regionalentwicklung verbinden?

Leipzig (agrar-PR) - BMBF-Forschungsprojekt im Modellgebiet Oderdelta startet
Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen befassen sich im Rahmen des dreijährigen Projekts mit den Potenzialen von "Rewilding" für die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und die Förderung einer naturbasierten ökonomischen Entwicklung des Modellgebiets Oderdelta in Vorpommern. Darüber hinaus werden sie untersuchen, inwieweit die gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse auf den überregionalen Biodiversitätsschutz übertragbar sind. Koordiniert wird das Projekt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Projektpartner sind das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) sowie der Verein Rewilding Oder Delta e. V. (ROD) als Praxispartner im Untersuchungsgebiet.

Das Forschungsprojekt REWILD_DE greift das Konzept des "Rewilding" am Beispiel des einzigen Rewilding-Gebietes in Deutschland auf und adressiert die naturwissenschaftlichen und sozioökonomischen Fragestellungen sowie Aspekte der praktischen Umsetzung. Welche Möglichkeiten bietet Rewilding in verschiedenen Ausprägungen - etwa Fließgewässerrenaturierung, natürliche Beweidungsansätze, Koexistenz mit Wildtieren - für die Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität? Welche Ökosystemleistungen im Sinne regionalwirtschaftlicher und weiterer gesellschaftlicher Vorteile werden dadurch bereitgestellt bzw. unterstützt? Wie kann Rewilding das regionalwirtschaftliche Potenzial stärken? Und schließlich: Welche Rolle kann es für den Biodiversitäts- und Naturschutz in Deutschland einnehmen? Auf diese Fragen will das Vorhaben fundierte Antworten finden sowie praxisorientierte Lösungen erarbeiten.

In der dreijährigen Projektlaufzeit wird analysiert, unter welchen Bedingungen Biodiversitäts- und Ökosystemleistungen durch Rewilding in Wert gesetzt werden können, damit sich in der Region am Stettiner Haff eine Unterstützung seitens der betroffenen Stakeholder einstellt. Diese instrumentelle Perspektive soll durch die Entwicklung eines "Rewilding-Dialogs" mit der Bevölkerung vor Ort ergänzt werden. Über künstlerische Zugänge und Öffentlichkeitsarbeit soll dabei eine Verständigung über Leitbilder erreicht sowie Wertschätzung für immaterielle Werte von Natur gefördert werden. Für einen projektbegleitenden Stakeholderbeirat will das Projekt Vertreter wichtiger regionaler Akteure:innen gewinnen. Schließlich werden die Projektpartner auch die Umsetzung des Rewilding im Oderdelta untersuchen, um umfassend einschätzen zu können, inwieweit das Konzept für den Naturschutz in anderen Gebieten Deutschlands tauglich ist.

Rewilding als Modell
Den Biodiversitätsverlust aufzuhalten, stellt auf globaler, europäischer und deutscher Ebene eine zentrale Herausforderung dar. In diesem Kontext ist Rewilding in den vergangenen Jahren als eine besonders erfolgversprechende, partizipative und prozessorientierte Methode des Biodiversitäts- und Naturschutzes zunehmend ins Rampenlicht gerückt. Durch Wiederzulassen natürlicher Prozesse, Förderung der natürlichen Wildtierpräsenz und -dichte sowie starke Einbindung der Menschen und Stakeholder vor Ort zielt Rewilding darauf ab, die Anpassungsfähigkeit von Ökosystemen zu stärken, um so Biodiversität zu befördern und sogenannte Ökosystemleistungen bereitzustellen. Dabei wird eine wirtschaftliche Nutzung der Gebiete nicht ausgeschlossen, sondern im Gegenteil großer Wert auf die Stärkung der regionalen naturökonomischen Potenziale und der nachhaltigen Wertschöpfung gelegt. Rewilding trägt auch maßgeblich zum Erreichen der Ziele der aktuellen UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen bei.

Das Gebiet
Das Konzept findet weltweit immer mehr Anwendung - in Europa wird es beispielhaft durch die Organisation "Rewilding Europe" in neun Modellgebieten unterstützt. Seit 2015 erstreckt sich eines davon beiderseits der deutsch-polnischen Grenze um das Stettiner Haff: das Oderdelta. Erste Rewilding-Bemühungen begannen hier bereits 2012, seit 2019 vernetzt, bündelt und ergänzt der neu gegründete Verein Rewilding Oder Delta (ROD) die Aktivitäten der verschiedensten Partner, wie Unternehmen oder Existenzgründer, und arbeitet eng mit den Naturparks der Region zusammen.

Das Projekt "REWILD_DE - Erhaltung von Biodiversität und Inwertsetzung von Ökosystemleistungen durch Rewilding - Vom Oderdelta lernen" wird im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über drei Jahre mit insgesamt knapp 2 Millionen Euro gefördert (Förderkennzeichen: 16LW0064K). Das Projektkonsortium arbeitet unter der wissenschaftlichen Koordination des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig (UFZ) mit weiteren Partnern aus der Wissenschaft - dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) sowie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Praxispartner vor Ort ist der Rewilding Oder Delta e. V. (ROD).

Weiterführende Informationen:
BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA): https://www.feda.bio/de/wissenschaft/projekte/rewild_de/
Rewilding Oder Delta e.V.: https://www.rewilding-oder-delta.com

Ansprechpartner
Dr. Johannes Schiller
UFZ-Department Ökonomie
johannes.schiller@ufz.de

Ulrich Stöcker
Rewilding Oder Delta e.V. (ROD)
ulrich.stoecker@rewilding-oder-delta.com

Kontakt Medien
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Anschrift
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Permoserstraße 15
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Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt und erarbeiten Lösungsoptionen. In sechs Themenbereichen befassen sie sich mit Wasserressourcen, Ökosystemen der Zukunft, Umwelt- und Biotechnologien, Chemikalien in der Umwelt, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg circa 1.100 Mitarbeitende. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
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Die Helmholtz-Gemeinschaft identifiziert und bearbeitet große und vor allem drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, langfristige Forschungsziele von Staat und Gesellschaft zu erreichen. Damit sollen die Lebensgrundlagen der Menschen erhalten und sogar verbessert werden. Helmholtz besteht aus 19 naturwissenschaftlich-technologischen und medizinisch-biologischen Forschungszentren.
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