04.08.2009 | 00:00:00 | ID: 1540 | Ressort: Umwelt | Wissenschaft & Forschung

Genetischer Fingerabdruck von Schädlingen

Wädenswil (agrar-PR) - Ein Grenzkontrolleur am Flughafen Zürich identifiziert den DNA-Barcode (gene-tischer Fingerabdruck) eines unbekannten Insekts aus einer Import-Lieferung von Rosen. Danach überprüft er mit Hilfe einer Datenbank, ob es sich um einen Schädling handelt, was zu einer Rückweisung der Rosen führen würde. Die Da-tenbank zeigt, dass das Insekt harmlos ist und die Rosen somit freigegeben werden können. Dieses Szenario soll in wenigen Jahren Realität sein. Deshalb wurde kürzlich das EU-Forschungsprojekt «QBOL» (Quarantine Organisms Barcode of Life) gestartet – die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW leitet die Arbeitsgruppe Fadenwürmer.

Schädliche Organismen mit molekularen Methoden rasch und zuverlässig identifizieren zu können, wird immer wichtiger, weil der internationale Pflanzenhandel stetig zunimmt. Damit steigt die Gefahr der Ausbreitung von Quarantäne-Organismen, also von schädlichen Lebewesen, deren Eindringen in die Schweiz verhindert werden soll. Zudem ist es aus wirtschaftlichen Gründen wichtig, rasch und zuverlässig harmlose von schädlichen Organismen unterscheiden zu können, um Lieferungen nicht unnötig zurückzuhalten oder gar fälschlicherweise zurückzuweisen. Deshalb soll je ein DNA-Barcode – ein Gen-Abschnitt, der eindeutig einem Schaderreger zugeordnet werden kann – für Quarantäne-Organismen wie Bakterien, Pilze, Viren, Phytoplasmen, Fadenwürmer und Insekten gefunden werden.

Weltweites Netzwerk baut Datenbank auf
Experten aus fünfzehn Ländern arbeiten im Projekt QBOL an einer DNA-BarcodeDatenbank. Das Projekt wird von Plant Research International in den Niederlanden angeführt und von der EU mit drei Millionen Euro unterstützt (Website: www.qbol.wur.nl). Fachleute aus vielen europäischen Ländern arbeiten zusammen mit Experten aus China, Neuseeland, Südafrika, Peru und Brasilien.
Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW leitet im QBOL-Projekt die Arbeitsgruppe Fadenwürmer und erbringt Leistungen für die Arbeitsgruppen Insekten und Bakterien. Damit hilft ACW mit, dass das oben erwähnte Szenario bald Realität wird und Schaderreger rasch und zuverlässig identifiziert werden können.

Das QBOL-Projekt im Detail
Im QBOL-Projekt erarbeiten Experten aus fünfzehn Länder zusammen einen Überblick über DNA-Barcodes (genetische Fingerabdrücke) von schädlichen Organismen wie Bakterien, Pilzen, Viren, Phytoplasmen, Fadenwürmern und Insekten. DNA-Proben aus existierenden Sammlungen werden zwischen den Projektpartnern aus-getauscht und analysiert. Anschliessend untersucht man, welche und wie viele Gene für eine adäquate Arten-Identifikation benötigt werden. Obwohl die DNA-Abschnitte von nahe verwandten Arten im Allgemeinen sehr ähnlich sind, können Unterschiede gefunden werden. Derjenige Teil des DNA-Abschnitts, der Unterschiede zeigt und somit spezifisch für die betreffende Art ist, stellt einen eindeutigen molekularen DNA-Barcode dar. Mindestens ein DNA-Barcode soll für jeden Quarantäne-Organismus entwickelt werden.
Alle DNA-Barcodes werden mit der Beschreibung der morphologischen Charakteristik (Struktur und Form) des entsprechenden Organismus versehen. Diese Information gelangt zusammen mit dem DNA-Barcode in die QBOL-Datenbank. Diese wird mit anderen, bereits existierenden Datenbanken einen Verbund bilden, um die sichere Aufbewahrung und den Austausch der gesamten Information über die Quarantäne-Organismen zu ermöglichen. Die QBOL-Datenbank soll über das Internet öffentlich zugänglich sein. Eine Bedingung für die Einsatzfähigkeit der Datenbank nach Beendigung des QBOL-Projektes ist, dass sie in den Mitgliedsländern von den jeweiligen Regierungen und von den Endbenutzern (Pflanzenpathologen, Inspektoren und Referenzlabors) unterstützt wird.
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