02.07.2010 | 00:00:00 | ID: 6196 | Ressort: Verbraucher | Verbraucherschutz

AGES: Information zu Schwerpunktaktion Bisphenol A in Babyfläschchen

Wien (agrar-PR) - Im Rahmen einer vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angeordneten Schwerpunktaktion wurden im Jänner und Februar 2010 Babyfläschchen aus Kunststoff auf die Migration von Bisphenol A in das Lebensmittel untersucht.

Keine einzige Überschreitung der gültigen Grenzwerte

Von den Lebensmittelkontrolloren der Länder Niederösterreich, Steiermark und Tirol wurden 30 Proben gezogen; die Untersuchung und Bewertung erfolgte durch die AGES: Im Falle der Trinkflaschen aus Polycarbonat lagen alle Messwerte um das 300- bis 1000-Fache unter dem EU-weit gültigen Grenzwert.

Hintergrund

Babyfläschchen wurden bisher hauptsächlich aus dem Kunststoff Polycarbonat hergestellt. Ausgangssubstanz für diesen Kunststoff ist Bisphenol A, das hormonähnlich (östrogen) wirken kann (ein so genannter endokriner Disruptor). Daher sind die möglichen Auswirkungen von Bisphenol A auf die Gesundheit von Babys seit längerer Zeit Gegenstand heftiger Diskussionen. In Europa hat Dänemark ein vorläufiges Verbot für Babyfläschchen aus Polycarbonat verhängt. Seitens der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA wird derzeit eine Bewertung einer neuen Studie gemeinsam mit einer Neubewertung aller verfügbaren Unterlagen durchgeführt.

Untersuchungsergebnisse

Für Lebensmittelkontaktmaterialien auf Basis von Kunststoff wurde europaweit ein spezifischer Migrationsgrenzwert für Bisphenol A von 0,6 mg/kg Lebensmittel festgelegt, so auch für Babyfläschchen aus Polycarbonat. Zusätzlich  sollte die mit der Babynahrung aufgenommene Menge an Bisphenol A unterhalb des derzeitigen TDI-Wertes von 0,05 Milligramm pro Kilo Körpergewicht liegen.  Dieser TDI-Wert beschreibt die Menge einer Substanz, die ohne nennenswertes Risiko ein Leben lang eingenommen werden kann. Ziel der Schwerpunktaktion war, festzustellen, welche Mengen an Bisphenol A aus den Fläschchen in das Lebensmittel übergehen können. Damit sollte auch die Abschätzung der Exposition von Kleinkindern mit Bisphenol A durch die Verwendung von Trinkflaschen aus Polycarbonat ermöglicht werden.

Vor der Untersuchung wurde das Fläschchen, entsprechend den meisten Herstellerangaben, 10 Minuten mit sehr reinem (destilliertem) Wasser ausgekocht (Vorbehandlung). Anschließend wurde die Flasche mit dem für Milch- und Milchprodukte vorgesehenem Lebensmittelsimulans (50-prozentiges Ethanol) befüllt und zwei Stunden bei  70° C gelagert. Die daraus erhaltende Lösung, das sogenannte Migrat, wurde danach auf das Vorhandensein von Bisphenol A analysiert . Dieser Vorgang wurde mit der selben Flasche noch zwei mal wiederholt. Es wurden daher je Flasche insgesamt drei Migrationslösungen erhalten. Für Produkte mit bestimmungsgemäßen wiederholtem Gebrauch ist erst das dritte Migrat für die Beurteilung heranzuziehen. Die Bestimmungsgrenze (jene Menge, die noch exakt bestimmt werden kann) des Analysenverfahrens liegt bei 0,002 mg/kg , die Nachweisgrenze (zeigt, dass die Substanz vorhanden ist, jedoch in so geringen Spuren, dass die exakte Menge nicht festgestellt werden kann) bei 0,0006 mg/kg.

Im lebensmittelrechtlich relevanten dritten Migrat konnten in 26 von 30 Proben keine Gehalt von Bisphenol A nachgewiesen werden. Zusätzlich wurden jedoch auch die Bisphenol A Gehalte des ersten und des zweiten Migrationstests untersucht. Messbare Werte nach dem 1. Migrationstest lagen zwischen 0,002 und 0,0037 mg/kg; nach dem zweiten Migrationstest lagen die Werte unter der Bestimmungs- oder sogar der Nachweisgrenze. Somit würden auch diese Migrate den derzeit gültigen spezifischen Migrationswert für Bisphenol A von 0,6 mg/kg Lebensmittel bei weitem erfüllen.

Trends

Durch die Diskussion um Bisphenol A ist zu erwarten und am Markt bereits auch zu erkennen, dass Hersteller auf andere Kunststoffe, wie beispielsweise Polypropylen, Polyethersulfon oder Polyamid ausweichen. Bereits bei dieser Schwerpunktaktion ergab die Materialprüfung, dass zwei Flaschen aus Polypropylen, eine aus Polyethersulfon und eine aus Polyamid gefertigt waren.
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