16.09.2009 | 15:00:00 | ID: 3426 | Ressort: Landwirtschaft | Agritechnica

Trends bei der Beregnungs- und Bewässerungstechnik

Hannover (agrar-PR) - Dr. Heinz Sourell, Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Institut für Agrartechnologie und Biosystemtechnik, Braunschweig

Die Vegetationsjahre 2008 und 2009 waren insgesamt im Vergleich zum vieljährigen Mittel (1962 bis 2007) mit geringen Niederschlägen versehen, besonders in der Hauptvegetationsperiode des Getreides (April bis Juni) war es deutlich zu trocken. In fast allen Monaten fielen die Monatsmitteltemperaturen zu warm aus. Ebenso lagen im Allgemeinen die Werte der Verdunstung und Sonnenscheindauer höher. Daraus ergibt sich eine über die gesamte Vegetationszeit deutliche negative klimatische Wasserbilanz im Vergleich zum vieljährigen Mittel. Besonders der Norden von Deutschland war von der Trockenheit geprägt. Durch die Trockenheit und den stärkeren Anbau Nachwachsender Rohstoffe (Mais) haben sich die Beregnungszeiten verändert. Teilweise beginnt die Beregnung von Raps und Getreide schon im April, und Mais wird ab Ende Juni schon intensiv beregnet. Früher schloss sich nach der Getreideberegnung die Hackfruchtberegnung an. Somit konnten die Beregnungsmaschinen auf der doppelten Fläche ausgelastet werden. Heute überlappen sich die kritischen Beregnungszeitspannen, und der Mais kommt noch als intensive Beregnungspflanze hinzu. Die Betriebe haben sich mit weiterer Beregnungstechnik verstärkt.

 
Entwicklungstendenzen im Einzelnen 
 
Beregnungsflächen
Die Beregnungsflächen haben sich zur letzten Erhebung 2001 durch den Bundesfachverband für Feldberegnung auf heute 560 000 ha vergrößert. Das sind ca. 3,3 % der Landwirtschaftlichen Fläche (LF) in Deutschland. 2001 waren es ca. 50 000 ha weniger. In Niedersachsen wurden die meisten Beregnungsflächen gezählt mit ca. 300 000 ha bzw. 11,5 % der LF. Die Zahlen der weiteren Bundesländer sind in der Tabelle 1 dargestellt.
Tab.1: Beregnungsflächen in Deutschland 2008, eine Umfrage des Bundesfachverbandes für Feldberegnung
Bundesland
Ldw. genutzte
Fläche
(LF) ha
Beregnungsfläche
ha
Beregnungsfläche
% von LF
Baden-Württemberg
1.437 200
23 000
1,6
Bayern
3.224 700
31 200
1,0
Brandenburg
1.336 400
25 000
1,9
Hessen
773 600
43 000
5,6
Mecklenburg-Vorpommern
1.368 600
20 000
1,5
Niedersachsen
2.617 700
300 000
11,5
Nordrhein-Westfalen
1.505 200
31 000
2,1
Rheinland-Pfalz
708 400
38 700
5,5
Saarland
77 000
300
0,4
Sachsen
910 800
15 000
1,6
Sachsen-Anhalt
1.175 100
20 000
1,7
Schleswig-Holstein
997 600
5 900
0,6
Thüringen
793 800
6 600
0,8
Berlin, Bremen, Hamburg
24 700
300
1,2
Gesamt:
17 Mio ha LF
560 000 ha
3,3 %
 
Bewässerungstechnik
Über den Einsatz von mobilen Beregnungsmaschinen mit Düsenwagen zur Wasserverteilung wurde schon mehrfach in der Vergangenheit berichtet. Auch über die im vTI entwickelte mobile Tropfbewässerung in Verbindung mit Kreis- oder Linearberegnungsmaschinen wurde berichtet. Die Firma Beinlich, Ulmen, hat eine neue Art der Wasserverteilung mit kurzen Schleppschläuchen am Düsenwagen vorgestellt. Der Düsenwagen bleibt in der bekannten Konstruktion mit 50 m oder 64 m Baubreite erhalten, und im Abstand von ca. 0,75 m werden ½ Zoll Schläuche zum Boden geleitet (Bild 1). Eine folgerichtige Weiterentwicklung der mobilen Tropfbewässerung. Das Wasser wird am Schlauchende frei verteilt. Um den Durchfluss zu regulieren, wird am Schlauchanschluss eine Blende eingebaut. Ziel dieser Weiterentwicklung ist es, die Pflanze beim Bewässern trocken zu lassen und den Energiebedarf wirksam zu reduzieren. Das Wasser soll nahezu drucklos ausfließen. Die Forderung nach einer trockenen Pflanze beim Bewässern kommt aus dem Gemüseanbau. Speziell Spinat, Petersilie und Salate reagieren mit Pilzkrankheiten oder Nekrosen bei nassen Blättern. Noch nicht zufriedenstellend gelöst ist die Anpassung der hohen Beregnungsintensität zur Infiltrationsrate des Bodens. Teilweise ist noch oberirdischer Abfluss zu beobachten. Insgesamt aber eine interessante zukunftsweisende Weiterentwicklung.
 
Bild 1: Düsenwagen mit kurzen Schleppschläuchen zur Wasserverteilung. Die Pflanze bleibt beim Bewässern trocken.
 
Im Bereich der mobilen Beregnungsmaschinen werden neue Rekorde aufgestellt. Es wird eine PE-Rohrlänge von 850 m Länge mit einem Außendurchmesser von 125 mm angeboten. Es kann fast ein Streifenlänge von 900 m beregnet werden. Bei 72 m Arbeitsbreite können mit einer Aufstellung rund 6,5 ha beregnet werden.
 
In den letzten zwei Jahren wurde über Flüssiggasantriebe für Beregnungspumpen berichtet. Es wurden Benzinmotore auf Flüssiggas umgerüstet. Einsatzversuche wurden mit umgerüsteten Benzinmotoren und mit speziellen Gasmotoren durchgeführt. Die Funktions- und Betriebssicherheit war gegeben. Der relative hohe Gasverbrauch brachte nicht den erwarteten ökonomischen Vorteil. Eine Einsatzmöglichkeit ist in Wasserschutzgebieten, falls dort aus Brunnen oder Flüssen Wasser gefördert werden soll.
 
Der Agrardiesel kann für die Beregnungspumpen genutzt werden, aber auch in besonderen Fällen ist der Heizöleinsatz erlaubt. Ab 1.8.2006 ist das neue Energiesteuergesetz in Kraft. Danach ist es möglich, mit leichtem Heizöl Strom zu erzeugen, um damit eine Beregnungspumpe anzutreiben. Zwischen Motor/Generator und Pumpe besteht dann nur eine elektrische Verbindung (Leitung). Bis Ende 2004 war dies im Zuge einer Ausnahmeregelung ebenfalls möglich, allerdings musste die Anlage ortsfest sein. Nach der neuen Regelung ist ein Aggregat dann ortsfest, wenn es während des Betriebes still steht und am jeweiligen Standort verbleibt. Der Einsatz von Heizöl in herkömmlichen Beregnungsaggregaten ist nach wie vor verboten.


Bewässerungssteuerung
Die Steuerung von Bewässerungsgaben ist die wichtigste Voraussetzung für einen gezielten und sparsamen Wassereinsatz. In Deutschland werden zur Beregnungssteuerung drei verschiedene klimatische Wasserbilanzmodelle angeboten. Es handelt sich um:
www.agrowetter.de Irrigama, http://www.dlg.org/uploads/media/Schoerling.pdf www.zephyr-beregnung.de
 
Die Modelle laufen in Konkurrenz zueinander und werden allgemein recht zögerlich vom Landwirt eingesetzt.
 
Auf der Sensorseite zur Messung der Bodenfeuchte gibt es ein reichliches Angebot. Einige Firmen rüsten die Sensoren mit einer drahtlosen Verbindung zum Handy, PDA oder zum Internet aus. Es soll der aktuelle Wert schnell verfügbar sein, um Entscheidungen zeitnah treffen zu können. Weiterhin sind mit dieser drahtlosen Technologie auch Überwachungs- und Steuerungsfunktionen verbunden. Die Anzahl der Anbieter wird größer.
 
Ausblick
Die Häufigkeit der warmen trockenen Sommermonate scheint zuzunehmen. Die Beregnungsflächen weiten sich kontinuierlich aus. Die Vielfalt der technischen Bewässerungsangebote war noch nie so groß wie heute. Es lässt sich für jeden Anwendungsfall eine Lösung finden. Die neue KTBL-Datensammlung für die Bewässerungstechnik kann bei der Entscheidung helfen.
 
Genauso wichtig wie die eingesetzte Technik ist die Einsatzsteuerung der Bewässerungstechnik. Auch hierfür ist ein sehr großes Angebot – von klimatischen Wasserbilanzmodellen bis zu Bodenfeuchtesensoren – auf dem Markt. Hier fehlt noch der Wille zum Einsatz. Durch Verstärkung der Beratung könnte hier ein Einstieg gefunden werden.

 

Pressekontakt
Herr Friedrich W. Rach
Telefon: 069-24788-202
Fax: 069-24 788-112
E-Mail: f.rach@DLG.org
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