23.05.2014 | 10:40:00 | ID: 17804 | Ressort: Umwelt | Tier

Maikäfer dank Temperaturanstieg in Fluglaune

Freising-Weihenstephan (agrar-PR) - Der milde Winter führte dazu, dass Pflanzen und Insektenpopulationen zu Beginn des Frühlings 2014 etwa zwei bis drei Wochen früher als üblich erschienen.
In den letzten Wochen gab es jedoch einige größere Temperaturschwankungen von sommerlich warm bis eisheiligenkalt, und das mehrmals innerhalb kurzer Zeit.

Die frühreife Natur hat sich dadurch inzwischen nicht nur selbst wieder reguliert, einige Tiere hatten auch echte Probleme mit dem unbeständigen Wetter. Der Feldmaikäfer Melolontha melolontha, dessen Männchen und Weibchen den Winter in der Erde geschützt verbracht haben, drängte seinem Namen gemäß Anfang Mai gar nicht richtig ans Tageslicht.

Die ersten Exemplare, die sich am 11. Mai (Muttertag!) im „Maikäferdorf“ Reichling im Landkreis Landsberg/Lech auf Ahornbäumen blicken ließen, wurden auch gleich wieder kalt erwischt. Vor Kälte starr an den Blättern festgekrallt, hielten sie aber aus und können jetzt die warme Witterung genießen.

Als wechselwarme Tiere sind Maikäfer wie alle Insekten in ihrer Aktivität stark von Wärme abhängig. Bei 13 Grad können sie sich zwar schon bewegen, aber deutlich langsamer als bei angenehmen 20 Grad. Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad sind sie dagegen fast schon hyperaktiv und das Schwirren und Brummen um die Bäume herum ist deutlich zu hören.

Verstärkung für die damalige Vorhut der Feldmaikäfer gibt es zur Zeit von den anderen Tausenden Exemplaren, die im Zuge der heißen Tage aus den umliegenden Wiesen krabbeln. Geschwächt vom langen Aufenthalt im Boden und dem kräftezehrenden Herauswühlen aus der Erde fliegen sie sofort Bäume in der näheren Umgebung an, auf denen sie ihren Reifungsfraß vollziehen. Wirtsbäume sind vor allem Laubbäume wie Ahorn, Eiche, Buche, Rosskastanie, Haselnuss und verschiedene Obstbäume.

Der einzige Nadelbaum, der dem Feldmaikäfer zusagt, ist die Lärche. In den nächsten Wochen wird so mancher Baum in Reichling ziemlich kahl aussehen, absterben wird aber keiner der Bäume. Bis zum Johannitag wird die vorübergehende Schädigung durch die Maikäfer durch einen Neuaustrieb von Blättern ausgeglichen.

Die besondere Stellung dieses „Maikäferdorfes“ Reichling ergibt sich dadurch, dass man dort regelmäßig jedes Jahr einen Maikäferflug beobachten kann. Durch Frühstarter und Spätflieger, über Jahrzehnte hinweg, haben sich die Generationen derart durchmischt, dass sich nun in jedem Jahr ausreichend Partner zur Paarung finden.

In allen anderen Regionen Bayerns, die Maikäfer-Populationen vorweisen können, wie zum Beispiel im Spessart, im Bayerischen Wald oder im Inntal bei Oberaudorf/Niederaudorf, gibt es den bekannt klassischen Vierjahreszyklus. Dort wurde der letzte große Maikäferflug jeweils 2012 registriert, erst 2015 ist also wieder der nächste Flug zu erwarten.

Aber jetzt ist gerade in Reichling Hochzeit für „Herrn Sumsemann“, wie der Maikäfer liebevoll in Kinderbüchern genannt wird. Beeilen Sie sich, wenn Sie ihren Kindern einen echten Maikäfer zeigen wollen! In Reichling finden Sie garantiert nicht nur einen davon.

Falls Ihnen weitere größere Maikäfervorkommen bekannt sind, dann melden Sie diese bitte an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz. Ansprechpartner ist Dr. Ullrich Benker, Tel.: 08161-715720, oder per Mail an: Ullrich.Benker@LfL.bayern.de (LfL)
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