14.01.2019 | 17:55:00 | ID: 26851 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarwirtschaft

Hessische Landwirtschaft wird durch Innovation und Zusammenarbeit weiterentwickelt

Wiesbaden (agrar-PR) - Landwirtschaftsministerin Priska Hinz überreicht Förderbescheide für innovative Projekte am Rande der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal.
„Hier in Hessen fördern wir eine Landwirtschaft, die das Tierwohl und den Umweltschutz im Blick hat. Gleichzeit stärken wir den Erhalt der Kulturlandschaft und regionale Wertschöpfungsketten, damit mehr gute Lebensmittel aus Hessen in Hessen zur Verfügung stehen. Dafür steht die Landesregierung finanziell und beratend an der Seite der Landwirtinnen und Landwirte“, sagte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz zu Beginn der 71. Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal.

„Um auf globale Herausforderungen wie die Sicherung der Welternährung, den Klimawandel oder Ressourcenknappheit zu reagieren brauchen wir neue und kreative Ideen, die zunächst auf regionaler Ebene ansetzen. Deshalb freue ich mich, heute Förderbescheide an sechs gute und interessante Projekte überreichen zu können, die innovative Ansätze zur Stärkung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums umsetzen“, so Priska Hinz. Am Rande der Landwirtschaftlichen Woche übergab sie die Förderzusagen an Vertreterinnen und Vertreter von fünf sogenannten „Operationellen Gruppen“ (OGs) und einer Kooperation in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro. In den Operationellen Gruppen setzen Landwirte, Forscher, Berater sowie Agrarunternehmen unter Beteiligung der Wissenschaft Vorhaben mit einer besonderen Innovationskraft um. Bei der Kooperation steht hingegen die engere Zusammenarbeit der Landwirtschaft mit der Lebensmittelbranche im Vordergrund. 

Seit 2015 werden innovative Vorhaben aus der Land-, Forst-, Ernährungswirtschaft, dem Wein- und Gartenbau im Rahmen der Europäische Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) und der Förderung von Zusammenarbeit mit Landes- und EU-Geldern unterstützt. Mit den neuen fünf Operationellen Gruppen und einer Kooperation gibt es im Land Hessen nunmehr insgesamt 24 Vorhaben, davon 16 Vorhaben im Rahmen von EIP-Agri und drei Vorhaben im Rahmen der Zusammenarbeit. „Die Entwicklung nachhaltiger Erzeugungs- und Wirtschaftsmethoden hat für eine moderne und zukunftssichere Landwirtschaft eine immense Bedeutung. Die Operationellen Gruppen zeigen mit ihren Projekten, wie dies gelingen kann und sind somit Vorbild für die Branche insgesamt“, kommentierte Ministerin Hinz. 

Vielfältige Vorhaben werden gefördert

In Zusammenarbeit mit Obstbaubetrieben, Keltereien sowie der Hochschule Geisenheim will die Operationelle Gruppe mit dem Namen „Apfelland-Initiative“ den Anteil an regionalen Rohstoffen bei der Produktion von Apfelsaft und Apfelwein erhöhen und den Mostobstanbau in Hessen einführen. Hierzu soll zunächst geklärt werden, welche Bedingungen und produktionstechnischen Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden Mostobstanbau notwendig sind und eine Standortkarte mit Streuobst- und Mostobstflächen in Hessen erstellt werden. Des Weiteren soll der Einfluss des Mostobstanbaus auf die Biodiversität im Vergleich zum gängigen Ackerbau untersucht werden. Der Hauptverantwortliche MGH GUTES AUS HESSEN GmbH ist mit diesem Projekt am fünften EIP-Vorhaben beteiligt. 

Die OG „Hanfanbauer Werra-Meißner“ reagiert auf das bislang ungenutzte Potenzial der diversen Verwendungsmöglichkeiten der Hanfpflanze. Denn in keinem hessischen Landkreis gibt es einen derart großflächigen Hanfanbau, wie im Werra-Meißner-Kreis. Ziel des Projektes ist es, den Hanfanbau im Werra-Meißner-Kreis mit möglichst vielen Wertschöpfungsketten weiter zu etablieren und zu optimieren und anschließend die unterschiedlichen Produkte der Hanfpflanze wie Hanfstroh, Hanffaser, Hanföl oder Hanfnüsse optimal zu verarbeiten und zu vermarkten. Für die breitgefächerte OG aus diversen landwirtschaftlichen Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis steht in diesem Zusammenhang auch die Optimierung der Ernte- und Verarbeitungstechnik im Fokus. 

Die Universität Geisenheim hat sich als Hauptverantwortliche zusammen mit Unternehmen aus dem Gartenbau wie auch dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen der nachhaltigen Produktion von Weihnachtssternen verschrieben und die OG „HessenStern“ gegründet. Mit der Etablierung von nachhaltigen Kulturverfahren sollen verbraucherfreundliche Weihnachtssterne produziert und vermarktet werden, die auf die Kundenbedürfnisse angepasst sind. Hierbei liegt der Fokus sowohl auf der nachhaltigen Erzeugung durch die Nutzung torffreier Substrate, als auch auf der nachhaltigen Verwendung der „HessenSterne“, z.B. durch eine lange Haltbarkeit sowie eine gute Anpassung an den Standort beim Verbraucher. Insgesamt soll ein innovatives nachhaltiges Geschäftsmodell für eine regionale Wertschöpfungskette entstehen. 

Trotz der vielen Vorteile für Landwirte durch die Verwendung von ökologisch gezüchteten Sorten, kommt im ökologischen Landbau momentan nur ein geringer Anteil des verwendeten Saatguts aus ökologischer Züchtung. Daher hat sich die OG „ÖkoSaat“ zum Ziel gesetzt, die Verfügbarkeit und die Qualität von Saatgut und Sorten aus ökologischer Züchtung zu verbessern. In den letzten Jahren wurde von den vier ökologischen Züchtungsinitiativen aus Deutschland, hierzu zählt auch der Dottenfelderhof, der eine Führungsrolle im Vorhaben einnimmt, ein breites Sortiment an Getreidesorten für die ökologische Landwirtschaft entwickelt. In Zusammenarbeit mit Landwirten, Züchtern sowie weiteren Partnern der Wertschöpfungskette soll nun ein Gesamtkonzept für den Ausbau und die Qualitätssicherung und -verbesserung der Saatgutvermehrung ökologisch gezüchteter Sorten umgesetzt und evaluiert werden. 

Die OG mit dem Namen „KasPEr“ setzt sich mit den Rückgewinnungsmöglichkeiten von Phosphor in Form eines Phosphor-Düngemittels und dessen agrarwirtschaftliche Nutzung auseinander. Hierfür untersuchen Beteiligte der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie diverse Landwirte und das Chemieunternehmen Infraserv Höchst die Wirkung von Phosphor-Recyclingprodukten aus der Kaskadennutzung von Klärschlamm auf den Ertrag und die Qualität unterschiedlicher Kulturen an fünf Standorten in Mittelhessen sowohl im konventionellen als auch im biologischen Landbau. Überdies wird die Wirkung auf die Umweltverträglichkeit untersucht. 

Neben den Vorhaben im Rahmen von EIP-Agri wird in dieser Runde erstmalig ein Vorhaben der Teilmaßnahme zur Unterstützung von Strategien zur lokalen Entwicklung bewilligt. Die Kooperation „Hessenfleisch“ will das Angebot regionaler Fleischprodukte in Nordhessen erhöhen. Außerhessische Unternehmen haben einen großen Einfluss auf die angebotenen Erzeugnisse und behindern damit den angestrebten Bezug von regionalen Erzeugnissen. Dieser Herausforderung will sich die Kooperation stellen und hierfür ein Netzwerk über alle Stufen der Wertschöpfungskette, von der Tierhaltung bis hin zur Fleischvermarktung, aufbauen. 

Hintergrund:

Das Hessischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium setzt gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen, dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und dem Frankfurter Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS) als Hessischem Innovationsdienstleister die Fördermaßnahmen EIP-Agri und Förderung von Zusammenarbeit um. Landwirtschaftliche Vorhaben können dabei mit bis zu 100 Prozent finanziert werden. 

Auch in 2019 besteht wieder die Möglichkeit zur Einreichung von Aktionsplänen für EIP-Agri; diese endet am 8. April 2019. Anträge für Kooperationen für die Förderbereiche „Zusammenarbeit im Rahmen kurzer Versorgungsketten und lokaler Märkte“ sowie „Zusammenarbeit in Bezug auf Aktionen zur Minderung oder Anpassung an den Klimawandel“ und „Zusammenarbeit in Bezug auf die Unterstützung von lokalen Strategien“ können in 2019 zu den folgenden drei Terminen eingereicht werden: 05.03.2019, 18.07.2019 und dem 14.10.2019.

 

Nähere Informationen zu Abgabefristen, Ansprechpartnern sowie den Vorhaben finden Sie unter:

https://umweltministerium.hessen.de/landwirtschaft/foerderung-der-innovation-und-zusammenarbeit
Pressekontakt
Frau Ira Spriestersbach
Telefon: 0611 - 815-1020
Fax: 0611 - 815-1943
E-Mail: pressestelle@umwelt.hessen.de
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