05.11.2010 | 17:32:00 | ID: 7022 | Ressort: Landwirtschaft | Markt & Trends

Der Pasta-Revolutionär: Staatsmedaille in Gold für Dr. Christof Kling

Stuttgart (agrar-PR) - Langjähriger stellvertretender Leiter der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim erhielt Auszeichnung für seine Arbeit als regionaler Züchtungspionier
Das Revival des Durum- und Dinkel-Anbaus auf heimischen Feldern ist ohne ihn nicht denkbar: Dr. Christof I. Kling züchtete krankheitsresistente Durum- und Dinkelsorten mit hohem Ertrag. Aber damit nicht genug: Herr Kling gelang es hierbei , den Geschmack nicht zu vernachlässigen, eine der Grundvoraussetzungen, dass heimischer Durum und Dinkel in deutschen Mühlen und Kochtöpfen landet. Er verlieh dem Durum-Weizen seinen Gelbton und sorgte so dafür, dass deutsche Spaghetti auch ohne Ei mit Spätzle farblich konkurrieren können. Von Agrarminister Rudolf Köberle erhielt er für sein Lebenswerk die Staatsmedaille in Gold überreicht. Diese Ehrung erhalten Menschen, die sich für die Land- und Forstwirtschaft und den ländlichen Raum „in besonderer Weise“ verdient gemacht haben.

Gelb und leicht glasig ist er und lässt sich gut kochen: der Durum-Hartweizen, den Christof Kling gezüchtet hat und damit den Rohstoff für deutsche Pasta schuf. Der Forscher engagierte sich bereits seit Ende der 70er Jahre, um den Anbau von Durum in Baden-Württemberg und in Deutschland wieder heimisch zu machen. Dies gelang ihm, indem er mit Methoden der klassischen Pflanzenzüchtung überlegene Pflanzen entwickelte, die auf heimischen Feldern wachsen und außerdem gut schmecken.

„Für diese Kulturart war er regionaler Züchtungspionier“, lobt ihn Dr. Jochen Reif, der Leiter der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim. „Herrn Klings Methode würde ich als eine Kombination aus Enthusiasmus, guter Züchtungsmethodik und einer gehörigen Portion Intuition bezeichnen. Mit seinem wissenschaftlichen grünen Daumen war er an der Pastarevolution in Deutschland wesentlich beteiligt.“ Aber nicht nur in der Heimat war Kling erfolgreich: Die von ihm gezüchtete Sorte „Orjoune“ gehört zu den am häufigsten angebauten Durum-Weizensorten in Frankreich.

Nussiger Dinkel

Das Ziel der Dinkelacker-Stiftung, den Anbau des alemannischen Brotgetreides wieder zu steigern, machte sich Christof Kling Anfang der 80er Jahre zu eigen. Er züchtete den alten hochgewachsenen und damit wenig standfesten Dinkel so um, dass er kürzer wuchs. Gleichzeitig bewahrte Herr Kling den typischen, kräftig nussigen Geschmack. Dr. Reif: „Herr Kling sorgte mit den Einlagerungen der Kurzstroh-Eigenschaften dafür, dass Dinkel sowohl für biologischen als auch konventionellen Anbau attraktiv wurde.“

Kling leistete auch einen Beitrag zur Völkerverständigung: Die von ihm entwickelten Dinkelsorten wurden nach den Regionen Baden-Württembergs benannt: Schwabenspelz, Badengold, Zollernspelz und Black Forest. „Mit Herrn Kling verließ ein Mann die Landessaatzuchtanstalt, der wie kein anderer die Landwirtschaft in Baden-Württemberg direkt beeinflusst hat“, so Agrarminister Köberle. „Es ist sein Verdienst, dass Dinkel im Land aus dem Nischendasein herausgekommen ist. Zum Nutzen der Verbraucher, der Landwirte und auch der mittelständischen baden-württembergischen Züchter“, lobte er den Preisträger.

Arbeit an den Urgetreiden Emmer und Einkorn

Das letzte Jahrzehnt seiner Arbeit verbrachte der auch von dem Internationalen Mais- und Weizenforschungszentrum (CIMMYT) in Mexiko ausgezeichnete Christof Kling mit angewandter Züchtungsforschung an Emmer und Einkorn. „Die beiden Urgetreide sind bereits aus der Frühzeit der Menschheit bekannt“, erläutert Dr. Reif. „Gerade Einkorn hat höhere Gehalte an den Vitaminen A und E sowie den Mineralstoffen Selen und Eisen. Der Ertrag ist nach wie vor gering, aber Ziel der Landessaatzuchtanstalt ist aufbauend auf den Arbeiten von Herrn Kling, Genbereiche durch wissensbasierte Züchtung nutzbar zu machen.“
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