17.08.2010 | 00:00:00 | ID: 6507 | Ressort: Verbraucher | Verbraucherschutz

Antibiotikaresistenzen

Wien (agrar-PR) - Das Auftreten und die Verbreitung von bakteriellen Infektionserregern, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind (Mehrfachresistenz), stehen in den vergangenen Jahren im Focus des öffentlichen Interesses. Vor allem im Krankenhausbereich stellen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) eine besondere Herausforderung dar. Weltweit kommen nun noch die sogenannten Gram-negativen Bakterien (benannt nach der Gram-Färbung im diagnostischen Labor) dazu, die eine Mehrfachresistenz entwickelt haben, u. a. auch gegen Beta-Laktam-Antibiotika der Carbapenem-Gruppe. Diese Carbapeneme haben bisher auch dann gegen diese Erreger gewirkt, wenn alle anderen Präparate aus der therapeutisch wichtigen Gruppe der Beta-Laktame unwirksam waren.

Jüngst veröffentlichte Studien zum Auftreten von multiresistenten Erregern aus Indien führten zu einem breiten Echo in den Medien. Diese Erreger verfügen über einen relativ neuartigen Resistenzmechanimus: Sie bilden das Enzym Carbapenemase NDM-1 („Neu-Delhi Metallo-Beta-Laktamase"), das Carbapenem-Antibiotika zerstört. Gram-negative Bakterien erwerben diese Resistenz durch Aufnahme zusätzlicher Gene, so genannter Resistenzgene. Diese Gene sind auf übertragbaren genetischen Elementen lokalisiert, den Resistenzplasmiden, die zwischen den verschiedenen Gram-negativen Bakterien übertragen werden können.

Die Erreger, die dieses Enzym bilden, haben offensichtlich vom indischen Subkontinent ihren Ausgang genommen. Wie aus Veröffentlichungen aus Großbritannien hervorgeht, wurden Erreger mit NDM-1 dort vor allem bei Patienten mit vorheriger ärztlicher Behandlung in Indien und Pakistan nachgewiesen. In Österreich wurden diese multirestistenten Erreger bisher noch nicht nachgewiesen.

Da sich Erreger heutzutage weltweit schnell ausbreiten können, kommt der Überwachung der Resistenzsituation bei bakteriellen Krankheitserregern besondere Bedeutung zu. Die EU hat daher in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten epidemiologische Netzwerke eingerichtet, die Antibiotikaresistenz und Verbrauch antimikrobieller Substanzen erfassen. Der jährlich erstellte Resistenzbericht AURES gibt einen Überblick über die Situation in Europa.

In Österreich wird der Bericht vom nationalen Referenzzentrum für nosokomiale (= im Krankenhaus erworbene) Infektionen und Antibiotikaresistenz und der AGES im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erstellt und fasst die Daten aus Österreich zur Antibiotikaresistenz und zum Verbrauch antimikrobieller Substanzen zusammen. Die erhobenen Daten stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung und dienen der Entwicklung effizienter Bekämpfungsmaßnahmen. Österreich beteiligt sich seit vielen Jahren an diesen Netzwerken und gilt als vorbildlich im Hinblick auf die Qualität und Vollständigkeit der Daten.
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