24.06.2010 | 00:00:00 | ID: 6117 | Ressort: Verbraucher | Verbraucherschutz

Zehn Jahre Neuorganisation der Untersuchungsämter in Baden-Württemberg

Stuttgart (agrar-PR) - Verbraucherschutzminister Rudolf Köberle: „Von Vitamin bis Dioxin - Verbraucherschutz hat auch zukünftig einen hohen Stellenwert im Land“
Untersuchungsämter gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft

„Die Sicherung der Qualität unserer landwirtschaftlichen Produkte sowie die Gewährleistung der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit haben für die Landesregierung einen hohen Stellenwert. Eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Kontrolle von Lebensmitteln und Tiergesundheit sind leistungsfähige, flexibel organisierte Untersuchungseinrichtungen, die schnell auf Probleme reagieren können, bereits frühzeitig Trends erkennen und in ihrer Kompetenz auf Augenhöhe mit den Wirtschaftsbeteiligten stehen“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, anlässlich des Jubiläums "10 Jahre Neuorganisation der Untersuchungsämter in Baden-Württemberg" am Donnerstag (24. Juni 2010) im Neuen Schloss in Stuttgart.

Mit der vor zehn Jahren erfolgten Zusammenlegung der 14 Untersuchungseinrichtungen zu fünf integrierten, interdisziplinär arbeitenden Untersuchungsämtern sei der Grundstein für eine Lebensmitteluntersuchung und Tierseuchendiagnostik gelegt worden, die auch künftig die steigenden Anforderungen bewältigen könne. „Durch Zentralisierung und Schwerpunktbildung wurden die Untersuchungsmöglichkeiten gebündelt und ausgebaut. In allen für den Verbraucherschutz und die Tiergesundheit wichtigen Bereichen wurden hochkompetente Laborteams geschaffen. Aufwändige und kostenintensive Untersuchungsbereiche konnten und können dadurch auf hohem Niveau vorgehalten werden“, hob Köberle hervor. Der Minister würdigte die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) in Freiburg, Karlsruhe, Sigmaringen und Stuttgart sowie des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) in Aulendorf.

Untersuchungen stärken Verbraucherschutz

Besonders die Verbraucher profitierten von den breitgefächerten Untersuchungen, so Köberle. Durch die Untersuchungsergebnisse würden immer wieder Verbesserungen im Verbraucherschutz erzielt. So hätten die baden-württembergischen Untersuchungsämter beispielsweise erhöhte Gehalte des Pflanzenschutzmittels Amitraz in türkischen Birnen festgestellt. Dies führte zu EU-weiten Importkontrollen und einer EU-weiten Einführung der baden-württembergischen Untersuchungsmethode. Auch der Übergang von Weichmachern aus Deckeldichtungen in ölhaltige Lebensmittel wurde aufgrund der Untersuchungen der Ämter von der EU reglementiert. Die Belastung sei hier inzwischen deutlich zurückgegangen. Die Untersuchungsämter führten darüber hinaus das bundesweit einzigartige "Öko-Monitoring" durch. Hier werde untersucht, ob "Bio drin ist, wo Bio drauf steht".

EU-Referenzlaboratorien

„Dass der Leistungsstand der neuen Untersuchungsämter im europäischen Vergleich und auch darüber hinaus hoch ist, zeigt die Ernennung von drei Untersuchungsbereiche zu EU-Referenzlaboratorien für Dioxine und Pestizide sowie eines weiteren Untersuchungsbereichs zu einem Referenzlabor der Internationalen Tiergesundheitsorganisation (OIE) für Bienen“, betonte der Minister.

In diesem Zusammenhang sei die gute Zusammenarbeit der Untersuchungsämter besonders hervorzuheben. Diese werde durch die Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter und des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (ALUA) gewährleistet. „Eine besondere Stärke der baden-württembergischen Struktur liegt darin, dass es regelmäßig gelungen ist, Impulse für einen besseren Verbraucherschutz zu geben“, erklärte die derzeitige Vorsitzende der ALUA, Maria Roth. Diese Impulse hätten nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch bundes- und teilweise weltweit Verbesserungen der Lebensmittelsicherheit und der Tiergesundheit bewirkt.

Voraussetzung hierfür sei das flexible und kreative Aufgreifen von neuen Fragestellungen sowie die Bearbeitung aller erkennbaren Risiken mit einem aussagefähigen Untersuchungskontingent. Beispielhaft sei hier die Entwicklung einer Methode zum Nachweis des gesundheitsschädlichen Stoffs Melamin in chinesischen Lebensmitteln genannt. Die Untersuchungsämter in Baden-Württemberg seien als erste in Europa in der Lage gewesen, diese Substanz in Lebensmitteln zu untersuchen.

Hintergrundinformationen:

Vor 10 Jahren wurde mit Beschluss der Landesregierung eine tiefgreifende Reform der staatlichen Untersuchungsämter durchgeführt. Die früher in 14 verschiedenen Einrichtungen durchgeführten staatlichen Lebensmittel- und Trinkwasseruntersuchungen sowie die Tiergesundheitsdiagnostik finden heute in vier integrierten Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern und einem Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt - Diagnostikzentrum statt. Gleichzeitig wurden besonders aufwändige und teure Lebensmitteluntersuchungen in Zentral- und Schwerpunktlabors gebündelt. Auf diese Weise werden besonders häufig neue Mängel aufgedeckt. Die Bandbreite an Beanstandungen, die täglich festgestellt werden, ist enorm: Von der altbekannten Salmonelle bis zu neu erkannten Krankheitserregern wie Noroviren, von zu hohem Fettgehalt in der Leberwurst bis zu Nicotin in getrockneten Steinpilzen, vom Vitamin in Nahrungsergänzungsmitteln bis zum Dioxin in der Leber, von hormonartigen Weichmachern in Badelatschen bis zu Schwermetallen in Kaffeemaschinen.

Weitere Beispiele für die Leistungen der Untersuchungsämter:

* Zur Herstellung von Säuglingsnahrung ist Palmöl eine wichtige und bislang nicht ersetzbare Komponente. Die Untersuchungsämter haben festgestellt, dass gerade bei der Reinigung (Raffination) von Palmöl Stoffe entstehen können, die im Tierversuch krebserzeugend wirken. Inzwischen haben die Produzenten darauf reagiert; der Gehalt an diesen Stoffen wurde deutlich reduziert.

* Melamin in Milchpulver aus China fand den Weg bis nach Europa. Die Untersuchungsämter in Baden-Württemberg konnten als erste in Europa diese Substanz in Lebensmitteln untersuchen. Bis auf Spuren in Karamellbonbons konnte Entwarnung gegeben werden.

* Weltweit akzeptierte und genormte Untersuchungsmethoden für pharmakologisch wirksame Substanzen in tierischen Produkten, Pflanzenschutzmittelrückstände in Obst und Gemüse sowie für den Nachweis von Azofarbstoffen in Textilien wurden von den Untersuchungsämtern in Baden-Württemberg entwickelt. Durch die weltweite Anwendung dieser Untersuchungsmethoden können Missstände schon vor Ort aufgedeckt werden.

Weitere Informationen zu den Untersuchungsämtern sind unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de und www.untersuchungsaemter-bw.de abrufbar.
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