23.03.2022 | 21:10:00 | ID: 32660 | Ressort: Landwirtschaft | Agrarpolitik

„Wir brauchen die landwirtschaftliche Flächen, um unsere Ernährung zu sichern“ - Ministerin Michaela Kaniber fordert Umdenken bei Stilllegungen und Flächennutzung

München (agrar-PR) - Angesichts des Kriegs in der Ukraine und der gravierenden Auswirkungen auf Agrarmärkte und Lebensmittelpreise hat Ernährungsministerin Michaela Kaniber erneut ein Umdenken beim Umgang mit land- und forstwirtschaftlichen Flächen gefordert.

„Auch wenn die Versorgung mit Nahrungsmitteln bei uns derzeit gesichert ist, zwingt uns Putins schrecklicher Krieg zum Umdenken: Können wir einfach weiter Flächen stilllegen und die Ernährungssouveränität Europas riskieren? Wir dürfen keinesfalls den Fehler machen wie bei der Energieversorgung und von Importen abhängig werden“, sagte Agrarministerin Kaniber am Mittwoch bei einer Diskussionsveranstaltung des Wirtschaftsbeirats Bayern in München. Aber auch die sonstigen vielfältigen Ansprüche an landwirtschaftlichen Boden gelte es neu zu prüfen.

„Die Versorgungssicherheit zu erhalten muss angesichts der vielen widerstreitenden Ansprüche oberste Priorität bekommen“, so Kaniber. Die Herausforderung sei, gleichzeitig die Ziele Klimaschutz und Artenvielfalt nicht aus den Augen zu verlieren. Hier gelte es smarte Lösungen anzuschieben. Der Freistaat zeige beispielsweise mit seinem erfolgreichen Kulturlandschaftsprogramm, wie die Produktion von Nahrungsmitteln mit Umwelt und Klimaschutz auf einer Fläche vereinbart werden könne.

Auch der Druck durch Ausweisung von neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen muss nach den Worten der Ministerin reduziert werden. „Für mich ist ganz klar, es muss flächensparender geplant werden. Neue Flächen dürfen erst in Anspruch genommen werden, wenn es im Innenbereich keine Möglichkeiten mehr gibt oder auch alle bestehenden Industriebrachen reaktiviert sind. Aber auch beim naturschutzfachlichen Ausgleich muss eine Kehrtwende her. Wir brauchen einen intelligenten Ausgleich, etwa durch Kombination verschiedener Maßnahmen auf der gleichen Fläche und ihre Integration in die Bewirtschaftung. Naturschutz und landwirtschaftliche Produktion sind auf der gleichen Fläche möglich“, so die Ministerin.

Auch bei der Energiewende sorge der Krieg für eine neue Dynamik. Allerdings müsse man vor allem bei flächenintensiven Energiequellen aufpassen, dass die Energieerzeugung nicht auf Kosten der Ernährungssicherheit umgesetzt werde. „Wenn wir über Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen sprechen, dann sollten es vorrangig Agri-PV-Anlagen sein, also Systeme, mit denen die Flächen gleichzeitig für die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion und die Stromerzeugung genutzt werden können. Aber zunächst müssen alle Möglichkeiten zur Solarstromerzeugung auf bereits versiegelten Flächen – wie Gebäuden, Straßen und Parkplätzen – ausgeschöpft werden“, so die Ministerin.

Auch beim Thema Wald fordert Kaniber ein Umdenken bei den Stilllegungen. Angesichts des immer weiter voranschreitenden Klimawandels habe die Anpassung der Wälder oberste Priorität. „Sie werden gebraucht. Und nur klimastabile Wälder könnten ihre vielfältigen Funktionen langfristig erbringen“, so die Ministerin.

Als Kohlenstoffspeicher und nachhaltige Rohstoff- und Energielieferanten können die Wälder einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Damit der nachwachsende und klimafreundliche Öko-Rohstoff Holz auch zukünftig in ausreichenden Mengen erzeugt werden kann, brauche es die nachhaltige, multifunktionale Bewirtschaftung. Großflächige Stilllegungen, wie sie die EU-Kommission vorantreibt, konterkarierten hingegen die Klimaschutzeffekte von Wald und Holz. „Sonst droht eine Verschiebung der Holzversorgung in Länder mit niedrigeren Umweltstandards“, warnte die Ministerin.

„Der von Putin vom Zaun gebrochene Krieg markiert eine Zeitenwende: in der Verteidigungspolitik, in der Energiepolitik, aber auch in der Ernährungspolitik. Ein einfaches ,Weiter so‘ kann es nicht geben. Wir brauchen intelligentere Lösungen als Flächenstilllegungen, um Produktion, Natur- und Klimaschutz auf der gleichen Fläche in Einklang zu bringen“, so das Resümee der Landwirtschaftsministerin.
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