02.12.2009 | 00:00:00 | ID: 3940 | Ressort: Umwelt | Klima

Gemeinsam für eine nachhaltige Gesellschaft

Zürich (agrar-PR) - Sie kämpfen für unser Klima und eine nachhaltige Gesellschaft: Corine Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich, und Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich. Im Science Talk forderten sie einen nationalen und globalen Konsens.


«Bis zum Jahr 2100 wird sich unser Klima um mehr als fünf Grad erwärmen», hielt Umweltphysiker Nicolas Gruber zu Beginn des Science Talk vom Sonntag nüchtern fest: «Wir haben bis jetzt nichts in der Hand, um diese Entwicklung zu stoppen.» Eine Frage, die sich dringend stelle, sei die nach dem Umgang mit fossilen Brennstoffen. «Wir verbrauchen unsere Ressourcen, um Energie herzustellen, aber haben noch keine echten Alternativen», sagte Gruber.

Um diese Themen drehte sich das Gespräch zwischen Corine Mauch und Nicolas Gruber, ETH-Professor am Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik. Corine Mauch, die an der ETH in Agrarökonomie diplomierte, war sieben Jahre lang in der Gruppe für Quantitative Geographie und Humanökologie an der ETH Zürich tätig und beschäftigte sich dabei auch mit Klimafragen: Warum handeln wir nicht? Und warum ist es so schwierig, das eigene Handeln zu ändern? Inzwischen setzt sie sich auf politischer Ebene für die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft ein, die Grubers Doktorvater, ETH-Professor Dieter Imboden, in den 90er Jahren an der ETH entwickelte. Schritte zur 2000-Watt-Gesellschaft

Bis zur Verwirklichung der 2000-Watt-Gesellschaft in der Gemeinde ist es noch ein weiter Weg, betonte Gruber. «Wir sind zurzeit bei einem Dauerverbrauch von 6000 Watt pro Person, was der Leistung von 60 100-Watt-Glühbirnen entspricht, die pausenlos brennen.» Gemäss Mauch muss deshalb konsequent gehandelt werden, damit das ehrgeizige Ziel bis 2050 tatsächlich erreicht werden kann. «Die öffentliche Hand spielt dabei eine wichtige Rolle», erklärte sie, «eine Stadt hat ein hohes Investitionsvolumen im Hoch- und Tiefbau, und wir wollen uns deshalb vorbildlich verhalten.» Als Beispiel nannte sie unter anderem das Bettenhaus Triemli, das gemäss Minergie-P-Eco-Standard geplant ist. Für geradeso wichtig hält sie aber Veränderungen im nichtstaatlichen Bereich. Dazu gehören, dass die Bevölkerung den öffentlichen Verkehr besser nutzt, der private Einsatz von Solarkollektoren und das Beziehen von Solarstrom vom EWZ.»

Sowohl Mauch wie Gruber halten es für unverzichtbar, dass Bedingungen geschaffen werden, die für Unternehmen wie Private gelten. «Es muss Leitplanken geben», sagte Mauch. Und dieser Wunsch käme auch gerade von den Unternehmen selbst. «Viele Firmen möchten durchaus etwas für das Klima tun, aber sie wollen nicht wirtschaftlich benachteiligt sein gegenüber Konkurrenten, die nicht handeln.» Ähnliches spiele sich im Kleinen ab. «Der Einzelne denkt sich: Warum sollte ich auf ein grosses Autos verzichten, wenn es die anderen nicht tun? Ich habe nur die Belastung, aber nicht den Nutzen.» Konsens als Chance

In Bezug auf einen Konsens auf internationaler Ebene setzt Gruber grosse Hoffnungen in die kommende Klimakonferenz von Kopenhagen. «Der Mehrheit aller Staaten ist das Problem bewusst, und dass wir nicht mehr zuwarten dürfen. Eine global bindende Übereinkunft muss möglich sein. Alle Länder müssen mitmachen, sodass niemand von den CO2-Reduktionen auf Kosten anderer profitieren kann.» Er nimmt an, dass wenn ein Konsens gefunden wird, er zwar nicht so gut sein wird, wie er müsste. Er hält es aber für entscheidender, überhaupt Vereinbarungen zu treffen, statt das Maximale zu erreichen.

Mauch teilte denn auch Grubers Hoffnungen und wird in ihrer Funktion als Stadtpräsidentin selbst an der Konferenz teilnehmen – was Gruber freut. «In zehn oder zwanzig Jahren wird die Mehrheit der Menschen in Städten wohnen», prognostizierte er, «und wenn aus den Städten Druck kommt, wird das schliesslich Wirkung zeigen. Da haben die Städte einen Hebel.» Damit die Umsetzung von Massnahmen national und international klappt, hält Mauch das Definieren von Zwischenschritten für wesentlich.

Wie sich im Verlauf der Veranstaltung zeigte, kämpfen Mauch und Gruber nicht nur für ähnliche Anliegen, sondern haben zahlreiche andere Gemeinsamkeiten. So wurden beide im Ausland geboren: Gruber in Peru, Mauch in den USA. Zudem prägten spätere Auslandaufenthalte ihre Weltsicht. Beide pflegen ein intensives Hobby. Gruber spielt Eishockey, Mauch macht Rockmusik. Sie trafen ihre Studienwahl aufgrund ihres Interesses an Umweltfragen, beide studierten und forschten an der ETH Zürich. Schubkraft eines Supertankers

In der anschliessenden Kurzvorlesung mit dem Titel «Dreiecksbeziehung oder die Zukunft des Klimas» hob Gruber besonders die Rolle und Bedeutung des Menschen im Dreieck Kohlenstoffkreislauf-Klima-Mensch hervor. «Wir beeinflussen das Klima unter anderem durch die Wirtschaft, die Bevölkerungszahl und den Handel», sagte er. Dabei sei der Mensch in den letzten zwanzig Jahren einem Extremszenario gefolgt. «Weniger als zwei Grad Erwärmung schaffen wir nicht, denn gemäss Supertanker-Analogie haben wir immer noch eine Schubkraft, wenn der Antrieb fehlt.» Er betonte, dass die Klimaerwärmung wissenschaftlich hieb- und stichfest abgestützt sei. Seit zwanzig Jahren gebe es den Weltklimarat, der alle sechs bis sieben Jahre in seinem Report zum selben Schluss komme. Es gelte nun zu verhindern, dass kritische Grenzen überschritten würden.
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